|
|
|
Berliner
Vorfall am 14. Mai 2006
|
|
|
Freitag,
19. Mai 2006
|
| |

Haftbefehl für
einen Geschichtenerzähler
Der in
Berlin angeblich überfallene Italiener sitzt jetzt im Gefängnis
Andreas
Kopietz
Die Wandlung
vom vielbeachteten Opfer zum vielbeachteten Tatverdächtigen
dauerte vier Tage. Der Italiener Gianni C., der in der
vergangenen Woche einer entsetzten deutschen Öffentlichkeit
erzählte, ihn hätten Rassisten überfallen, sitzt jetzt im
Gefängnis. Der 30-Jährige, der vor zehn Jahren von
Sardinien nach Deutschland kam, war am vergangenen Sonntag
in Berlin betrunken auf Bahn-Gleise gestürzt. Dabei
zersplitterte eine seiner Kniescheiben. Im Krankenhaus erzählte
er der Polizei allerdings, kahlköpfige Männer hätten ihn
angegriffen. Die Geschichte passte zum Bild dieses Landes,
in dem ja tatsächlich Angriffe auf Ausländer vielerorts
normal sind.
Es war
freilich eine merkwürdige Geschichte: Die Attacke habe sich
im Szene-Kiez Prenzlauer Berg, auf der belebten Schönhauser
Allee, ereignet, erzählte der Italiener. Doch kein Zeuge
hatte etwas gesehen. Mit gebrochenem Knie wollte Gianni C.
sich zudem zum Alexanderplatz geschleppt haben. Den
Ermittlern kam er mit immer neuen Varianten des Geschehens.
Mal war es ein Stock, mit dem ihn die Glatzen verprügelt hätten,
mal waren es Baseballschläger. Mal war der Tatort nahe
eines U-Bahnhofes, dann wieder nicht. Schließlich wurde
Gianni C. mit Hilfe der Aufzeichnung einer Überwachungskamera
vom Bahnhof Alexanderplatz der Lüge überführt. Der Film
zeigt, wie er torkelnd vom Bahnsteig auf die Gleise fällt.
Konfrontiert
mit den Bildern, präsentierte der fantasievolle Sardinier
den Polizisten eine neue Variante: Er sei überfallen worden
und dann über die Gleise geklettert. Da reichte es auch der
Amtsrichterin. Am Donnerstagabend erließ sie Haftbefehl
wegen Vortäuschens einer Straftat.
Wer nun
fragt, warum ein Lügner sofort ins Gefängnis kommt, aber
vier mutmaßliche Vergewaltiger einer 16-Jährigen nicht,
erhält vom Gericht die Antwort, dass eine Untersuchungshaft
keine Bestrafung sei, sondern lediglich ein Strafverfahren
sichere. Jene jugendlichen Sexualtäter nämlich, die
derzeit in Berlin den Zorn der Öffentlichkeit erregen,
wohnen bei ihren Eltern. Gianni C. aber ist nicht hier
gemeldet. Er könnte theoretisch untertauchen. Denn für das
Vortäuschen einer Straftat droht das Gesetz mit bis zu drei
Jahren Haft - laut Gericht durchaus ein Fluchtanreiz.
|
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|
Mittwoch, 17. Mai 2006
|
| |
Angeblich
überfallener Italiener wohl nur gestürzt
Aufnahmen
einer Überwachungskamera stehen der Version des angeblich überfallenen
Italieners in Berlin entgegen. Ermittler gehen nun von einem
ganz anderen Grund für die Verletzungen des Mannes aus.
Ein
Italiener, der am Sonntag angeblich Opfer eines
fremdenfeindlichen Angriffs wurde, steht jetzt im Verdacht,
die Tat nur vorgetäuscht zu haben. Laut Erkenntnissen der
Berliner Staatsanwaltschaft ist der Mann betrunken in ein
Gleisbett gefallen. Dabei verletzte er sich.
Der
30-jährige Italiener hatte zunächst ausgesagt, um ein Uhr
morgens hätten ihn drei glatzköpfige Männer in der Schönhauser
Allee wegen seiner Herkunft beleidigt. Anschließend sollen
sie ihn mit Baseballschlägern verprügelt haben.
Einen
Rettungswagen rief der Mann erst gegen vier Uhr am S-Bahnhof
Alexanderplatz. Medien hatten daraufhin die Frage gestellt,
wo der Italiener denn in den drei Stunden dazwischen gewesen
sei und wie er es geschafft habe, mit kaputtem Knie die
Kilometer von der Schönhauser Alle im Stadtteil Prenzlauer
Berg bis nach Berlin-Mitte zu gehen.
Die
Polizei wertete jetzt Aufnahmen der Videokameras aus. Darauf
ist laut Angaben der Staatsanwaltschaft zu sehen, wie ein
Mensch ins Stolpern gerät und auf die Gleise fällt. Danach
sei er zunächst aus eigener Kraft wieder auf den Bahnsteig
geklettert, habe dann aber nicht weitergehen können, so die
Polizei.
Sicherheitskräfte
fand auf den Gleisen Blutspuren. Sie vergleicht die Spuren
jetzt mit dem Blut des Italieners. Dieser äußerte sich
nicht zu den neuen Indizien.
Die
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Vortäuschens
einer Straftat. (nz)
Quelle:
Netzeitung.de
|
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|
Mittwoch, 17. Mai 2006
|
| |
Fremdenfeindlicher
Angriff auf Italiener war wohl vorgetäuscht
Berlin (Reuters)
- Der fremdenfeindliche Übergriff auf einen Italiener in
Berlin war nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft
vermutlich nur vorgetäuscht.
Nach
derzeitigen Erkenntnissen sei das vermeintliche Opfer
angetrunken in ein Gleisbett der S-Bahn gefallen und habe
sich dabei verletzt, teilte Staatsanwalt Michael Grunwald am
Mittwoch in Berlin mit. Dies sei auf Überwachungskameras
vom S-Bahnhof Alexanderplatz zu sehen. Gegen den Mann seien
Ermittlungen wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet
worden.
Der 30-jährige
Italiener hatte zunächst angegeben, am Wochenende im
Stadtteil Prenzlauer Berg von drei kahlköpfigen Tätern
nach seiner Nationalität befragt worden zu sein. Als er
geantwortet habe, er sei Italiener, sollen sie ihn als
"Scheiß Ausländer" beschimpft und mit einem
Baseballschläger geschlagen haben. Der Mann war mit Kopf-
und Knieverletzung in ein Krankenhaus eingeliefert worden.
Staatsanwalt
Grunwald teilte mit, bei der Ermittlung seien Staatsschutz
und Staatsanwaltschaft auf widersprüchliche Angaben zum
Tathergang gestoßen. Der Verletzte habe angegeben, gegen
01.00 Uhr von den drei kahlköpfigen Männern angegriffen
worden zu sein. Er sei aber erst gegen 04.00 Uhr mehrere
Kilometer entfernt verletzt angetroffen worden. Auf den
Kamerabildern sei eine Person zu sehen, die auf dem
S-Bahnhof Alexanderplatz ins Stolpern gerate und ins
Gleisbett falle. Die Person sei zwar ohne Hilfe wieder auf
den Bahnsteig geklettert, habe aber wegen der Knieverletzung
nicht weiterlaufen können. Blutspuren im Gleisbett würden
mit der DNA des 30-Jährigen abgeglichen. Dieser habe nach
der Konfrontation mit der Beweislage von seinem
Schweigerecht Gebrauch gemacht.
Der
vermeintliche Angriff hatte nach anderen fremdenfeindlichen
Übergriffen in Ostdeutschland aus der jüngeren
Vergangenheit Bestürzung und Warnungen vor einem
zunehmenden fremdenfeindlichen Klima in Deutschland ausgelöst.
So hatte der Bundesausländerbeirat erklärt, der Übergriff
auf den Italiener oder der rassistische Angriff auf einen
Deutsch-Äthiopier in Potsdam seien nur die Spitze eines
Eisberges. Nicht nur in Zeiten der Fußballweltmeisterschaft
könne und dürfe sich Deutschland so etwas nicht leisten.
Als Reaktion auf den vermeintlichen Überfall hatten am
Montagabend mehrere Hundert Menschen in Berlin an einer
Demonstration gegen rassistische Übergriffe teilgenommen.
|
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|
Mittwoch, 17. Mai 2006
|
| |
„Vielleicht
stand er unter Schock“
Überfall auf Italiener bleibt mysteriös: Der verletzte
Gianni C. behauptet, kilometerweit mit gebrochenem Knie gelaufen
zu sein
Von Jörn Hasselmann
Die Polizei
sucht dringend Zeugen zu dem mysteriösen Überfall auf
einen Italiener. Weiterhin werde wegen einer
fremdenfeindlichen Tat ermittelt. Zweifelsfrei steht fest,
dass der Sarde Opfer einer Schlägerei wurde, sein
gebrochenes Knie könne nicht von einem Sturz stammen, hieß
es in der Klinik, in der Gianni C. operiert worden war. Zu
den gestern bekannt gewordenen Unstimmigkeiten beim Ablauf
nahm die Polizei keine Stellung.
Am Sonntag hatte die Polizei die Presse folgendermaßen
informiert: „Sonnabend früh gegen 1 Uhr griffen drei
unbekannte Täter in der Schönhauser Allee einen Italiener
an. Das 30-jährige Opfer war von den Tätern nach seiner
Nationalität gefragt worden. Als er antwortete, dass er
Italiener sei, beschimpften ihn die Männer mit den Worten
,Scheiß Ausländer‘. Danach schlug ein Täter mit einem
Baseballschläger zu und verletzte den Mann am Kopf sowie am
rechten Knie. Die Angreifer flüchteten. Der 30-Jährige kam
in ein Krankenhaus und wurde sofort operiert. Die Angreifer,
die als kahlköpfig beschrieben wurden, trugen schwarze
Bekleidung.“
Zeugen dafür fehlen – erstaunlich in der belebten
Kneipengegend in Prenzlauer Berg. Unklar ist auch, warum
Gianni C. nicht sofort Hilfe holte, sondern nach Recherchen
des Tagesspiegels erst um 4.30 Uhr auf dem S-Bahnsteig am
Alexanderplatz verletzt und angetrunken aufgefunden wurde.
Der für die Bahn zuständigen Bundespolizei, die Gianni C.
um 5.25 Uhr in der Klinik befragte, sagte er, dass er sich
„mit einer Person geschlagen habe“, deren zwei Begleiter
hätten nicht mitgemacht; der Schläger habe „kurze Haare
gehabt“. Dieser habe mit einem „Stock“ gegen das Knie
und mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen. C. betonte in
der Vernehmung, dass die Waffe auf keinen Fall eine
Baseballkeule gewesen sei. Den Vertretern der italienischen
Botschaft erzählte er am Krankenbett, er sei nach der
Attacke zu Fuß zum Alex gelaufen. Unklar blieb, wo er in
der Zwischenzeit von dreieinhalb Stunden war. „Das kommt
uns auch komisch vor“, hieß es in der Botschaft,
„vielleicht stand er aber unter Schock.“ Der 30-Jährige
lebt seit zehn Jahren in Deutschland, zunächst in Leipzig,
seit drei Jahren in Berlin. Nach Angaben von Wolfgang
Zenker, Direktor im Vivantes Klinikum im Friedrichshain,
werde C. in wenigen Tagen entlassen, danach müsse er für
sechs Wochen eine Knieschiene tragen.
|
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|
Mittwoch, 17. Mai 2006
|
| |
Spontandemo nach
Übergriff Nach
dem vermutlich rassistischen Überfall auf einen Italiener
demonstrieren in Prenzlauer Berg rund 500 Menschen gegen
rechte Gewalt. Die Polizei ermittelt in dem Fall inzwischen
in alle Richtungen
VON
KAYS Al-KHANAK
Die Reaktion
kam schnell: Gut 40 Stunden nach dem vermutlich
rassistischen Übergriff auf einen Italiener in Prenzlauer
Berg demonstrierten am Montagabend dort rund 500 Menschen
gegen Neonazis und rechte Gewalt. Man wolle "Präsenz
zeigen gegen rechts", sagte David Wichera, einer der
Organisatoren der Demo. Der 30-jährige Italiener war nach
Polizeiangaben am Sonntagmorgen auf der Schönhauser Allee
von drei kahlköpfigen Männern mit einem Baseballschläger
zusammengeschlagen worden. Er musste im Krankenhaus
behandelt werden.
In einem
Bericht des Tagesspiegels wird diese
Darstellung jedoch angezweifelt - unter Berufung auf
Berliner Ermittler. Bei einer ersten Befragung durch die
Bundespolizei soll der verletzte Italiener im Krankenhaus
ausgesagt haben, dass er sich auf dem Heimweg von der Arbeit
mit einem Unbekannten geprügelt habe. In einer zweiten
Vernehmung habe er dann von drei schwarz gekleideten Männern
mit kahlem Schädel berichtet. Zudem sei er erst am
S-Bahnhof Alexanderplatz gefunden worden, schreibt die
Zeitung. Er habe betrunken und verletzt vor einem Fahrstuhl
gelegen. Wie er trotz seiner Knieverletzung dorthin kommen
konnte, sei unklar.
"Davon
wissen wir nichts", wies eine Polizeisprecherin diese
Darstellung auf Anfrage der taz zurück. Man ermittle
zurzeit in alle Richtungen. Weitergehende Aussagen, etwa zum
genauen Hergang der Tat, gab es gestern von der Polizei
nicht.
Zu der
spontanen Demo hatten Antifa-Gruppen, die Linkspartei.PDS
sowie DGB und IG Metall aufgerufen. Der Protestzug zog vom
S-Bahnhof Schönhauser Allee über die Prenzlauer Allee zum
Bezirksamt Pankow in der Fröbelstraße. Viele trugen
T-Shirts mit Aufschriften wie "Kein Mensch ist
illegal" oder auch Punksprüchen wie "Pogorausch",
die meisten Teilnehmer waren junge Menschen unter 30. Sie
riefen Sprüche wie "Nazis von der Straße fegen".
Bekannt
gemacht wurde die Demo vor allem via SMS. "Ich finde es
krass, dass so viele Menschen gekommen sind", sagte
Mitorganisator Wichera sichtlich überrascht. Er habe mit
rund 100 Protestierenden gerechnet. Der 22-Jährige, der
Sozialarbeit studiert, bezeichnete sich selbst als Unabhängigen
- er gehöre weder PDS noch Antifa oder einer Gewerkschaft
an. "Als ich von dem Überfall gelesen hatte, musste
ich aktiv werden", begründete er seine Beweggründe, für
die Demo zu mobilisieren.
Auch für
PDS-Mitglied André Buhl ist Flaggezeigen wichtig. "Wir
müssen klarstellen, dass wir keine Rechten hier
dulden", sagte der 28-Jährige. Dies sei wichtig in
Zeiten, in denen sich Neonazis immer mehr Raum in der Stadt
verschaffen würden.
|
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|
Dienstag,
16. Mai 2006
|
| |
'die tageszeitung' berichtet
Die passiven
Passanten: Jedes
Jahr werden Tausende in der Öffentlichkeit verprügelt. Jüngster
Fall: ein Italiener in Prenzlauer Berg. Obwohl Zivilcourage
häufig beschworen wird, haben viele Passanten Angst,
einzugreifen
Von
Sandra Courant
Der Überfall
am Sonntagmorgen geschah mitten im belebten Prenzlauer Berg.
Drei Männer verprügelten einen 30-jährigen Italiener mit
einem Baseballschläger. Das Motiv: Fremdenfeindlichkeit.
Als ein Passant zu Hilfe kam, waren die Täter bereits geflüchtet.
War tatsächlich niemand in der Nähe, der hätte helfen können,
als die Täter zuschlugen? Jemand, der zumindest schnell die
Polizei hätte rufen können? Fragen, die noch nicht geklärt
sind. Die Polizei sucht noch Zeugen.
|
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|
Dienstag,
16. Mai 2006
|
| |
'Berliner
Kurier'
berichtet
Glatzen-Überfall mit
Holzschläger
Brutaler Angriff auf Ausländer.
Der Staatsschutz ermittelt
Claudia Keikus,PEMUE
Es geschah mitten im
Multikulti-Kiez Prenzlauer Berg. Dort, wo Berlin-Touristen
jeden Tag das bunte, moderne Berlin besichtigen. Kahl
geschorene Ausländer-Hasser zertrümmerten Gianni C. (30)
das rechte Knie. Weil er Italiener ist.
Gianni C. liegt auf der
Unfallstation im Klinikum Friedrichshain. Er hat Schmerzen
im Knie und an der linken Schläfe eine große Platzwunde.
Der Eisverkäufer aus Sardinien (seit 1999 in Berlin) steht
noch immer unter Schock.
Das brutale Trio stellte sich
ihm am Sonntag gegen 1 Uhr in der Schönhauser Allee in den
Weg. "Die wollten eine Zigarette, aber ich hatte selbst
nur noch eine. Dann wollten sie wissen, ob ich Deutscher
bin."
Als Gianni C. sagte, dass er
Italiener sei, prügelten ihn die Fremdenhasser zu Boden.
Gianni: "Die hatten einen 50 Zentimeter langen
Baseball-Schläger dabei, damit zertrümmerten sie mein
Bein. Dann rannten die Typen weg." »PTrotz seiner
schweren Verletzung rappelte sich Gianni gleich nach dem Überfall
hoch und rief über Handy seinen Bruder. Der alarmierte die
Polizei.
Gianni C. will trotz der
Hass-Attacke in Deutschland bleiben: "Ich lasse mich
nicht vertreiben."
Der Staatsschutz hat die
Ermittlungen übernommen, überprüft die Aussage des
Opfers. Es werden Zeugen gesucht. Hinweise an jede
Polizeidienststelle.
|
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|
Montag,
15. Mai 2006
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|
Dienstag, 15. Mai 2006
|
| |
'Handelsblatt'
berichtet
„Rassismus-Alarm
in Deutschland“
Von Christina Otten und
Regina Krieger
Brutale
Überfälle auf Ausländer in Deutschland sorgen kurz vor
Beginn der Fußball-WM für hitzige Debatten in der
internationalen Presse. Italienische Zeitungen berichten von
einer „neonazistischen Aggression“ und "eindeutigem
Rassismus". Vor allem beunruhigt: Einer der Angriffe
ereignete sich an einem Platz Berlins, der viele Touristen
anzieht
Drei
Männer mit schwarzer Kleidung, kahl rasierten Schädeln,
offenbar aus der Skinhead-Szene stammend, fangen im Berliner
Stadtteil Prenzlauer Berg einen Italiener ab. Sie
beschimpfen ihn als "Scheiß Ausländer" und
schlagen ihn mit einem Baseballschläger krankenhausreif.
Der Angriff,
verübt am Sonntag mitten im touristischen Berlin, stürzt
Deutschland kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft in eine
neue Debatte über Rassismus und Fremdenhass. Seit zehn
Jahren ist der aus Sardinien stammende 34-jährige Gianni
Congia in Deutschland, seit drei Jahren lebt er in Berlin.
Besonders brisant: Der Ort des Überfalls an der Schönhauser
Allee galt bislang als relativ sicherer Ort für Ausländer.
Das Szeneviertel im Ostteil der Stadt mit seinen
restaurierten Altbauten bietet viel Kultur und hat sich zum
Anziehungspunkt auch für internationales Publikum
entwickelt.
Umso
schockierender wirkt die Meldung von dem Überfall. Berlins
Innensenator Ehrhart Körting (SPD) versprach, „alles zu
tun, um die Täter ausfindig zu machen und einer Bestrafung
zuzuführen“. Er fügte hinzu: „Solche Taten beschämen
Berlin und sind absolut nicht zu tolerieren.“
Der Übergriff
in Berlin war nicht die einzige fremdenfeindliche Tat am
vergangenen Wochenende. Ebenfalls vermutlich aus
rassistischen Motiven hatten zwei unbekannte Männer in der
thüringischen Stadt Eisenach einen 34 Jahre alten Tunesier
verletzt. Nach Angaben der Polizei war er auf dem
Nachhauseweg wie der Italiener in Berlin nach seiner
Herkunft befragt und daraufhin geschlagen worden. Die Täter
wurden als muskulös und glatzköpfig beschrieben.
„Neonazis
zeigen sich immer offener“
Die Überfälle
schlagen auch im Ausland hohe Wellen. Italienische Medien
kommentierten teilweise heftig: „Rassismus-Alarm in
Deutschland – Italiener in Berlin von Skinheads verprügelt“,
titelt die seriöse Turiner Tageszeitung „La Stampa“.
Auch der „Corriere Della Sera“ und „La Repubblica“,
die anderen beiden großen nationalen Tageszeitungen, räumen
der Meldung viel Platz ein. Garniert ist sie in allen
Zeitungen und auch bei der italienischen Nachrichtenagentur
ANSA mit eindeutigen Fotos:Sie alle zeigen glatzköpfige
Neonazis mit großen Fahnen beim Aufmarsch. „Das ist
eindeutig Rassismus“, schreibt der „Corriere“.
„Sonst sind die Opfer dunkelhäutige Menschen wie der äthiopische
Ingenieur Ermyas M. in Potsdam“, schreibt „La Stampa“,
„und jetzt ist es sogar einem Italiener passiert. Noch 27
Tage bis zur WM und die Neonazis zeigen sich immer offener
und werden immer brutaler.“
Am ausführlichsten
informiert „La Stampa“ seine Leser: „Die ausländerfeindlichen
Aggressionen sind fast alle im Osten Deutschlands, wo die
extreme Rechte nach der Wiedervereinigung immer stärker
geworden ist.“ Autorin Marina Verna zitiert Innenminister
Wolfgang Schäuble, für den Ausländerfeindlichkeit und
Rechtsextremismus eine Konsequenz der Isolierung der
damaligen DDR seien, denn dort hätte man keine Kontakte mit
anderen Völkern gehabt.
Nach Angaben
des Experten und früheren Polizeibeamten Bernd Walter seien
die ökonomische Instabilität und die hohe Arbeitslosigkeit
der Grund für fremdenfeindliches verhalten. Die
internationale Liga für Menschenrechte habe für farbige Fußballfans,
die nach Berlin kommen, einen „Katalog der Vorsichtsmaßnahmen“
vorbereitet, schreibt „La Stampa“: „Darin stehen
No-Go-Areas, Plätze, Kneipen und U-Bahn-Stationen, wo sich
Neonazis treffen.“
Tatsächlich
soll der Katalog in der kommenden Woche im Internet veröffentlicht
werden. Auslöser für die Erstellung der Liste war der
gewaltsame Angriff gegen einen deutsch-äthiopischen
Ingenieur im April in Potsdam, der bei dem Übergriff
schwere Schädel-Hirn-Verletzungen erlitt. "Wir stellen
eine mit Liste Orten zusammen, die Schwarze und Ausländer währen
der WM zu ihrem eigenen Schutz besser meiden sollten",
sagt Moctar Kamara gegenüber, Vorstandsmitglied des
Afrika-Rats, Handelsblatt.com. Der Prenzlauer Berg in
Berlin, wo der Italiener überfallen wurde, ist nicht
darunter. "Hier gab es bislang kaum Probleme",
erklärt Kamara. Der Fall zeige aber, dass "es überall
passieren kann".
Der Rat will
den Katalog direkt an afrikanische Fußball-Verbände
schicken, damit diese ihre nach Deutschland reisenden Fans
unterrichten können. Vor allem dort fürchtet man Angriffe
auf WM-Touristen. Nach den jüngsten Gewalttaten gegen Ausländer
kursieren in Afrika Warnungen vor manchen deutschen
Regionen: "Dort hausen die Schläger", heißt es
in einem Internetbeitrag. Auch Karten der als "gefährlich"
eingeschätzen Regionen der Bundesrepublik finden sich
bereits im World Wide Web.
Innenminister
Schäuble betont derweil wiederholt, Deutschland und seine
Hauptstadt seien sicheres Terrain. Auch die Berliner Polizei
erklärt, das rechtsextreme Spektrum werde "genau
beobachtet". Erkennbaren Aktivitäten der Szene werde
"sofort und konsequent entgegen gesteuert".
Verbände
wie die Deutsche Zentrale für Tourismus (Frankfurt/Main)
sehen den WM-Gastgeber freilich als weltoffen. "Wir
warnen nicht vor Fremdenfeindlichkeit", unterstreicht
Sprecherin Beate Kilian. Von Übergriffen oder Beleidigungen
gegenüber ausländischen Reisegruppen habe sie noch nie gehört.
Der Tourismuschef der Hauptstadt, Hanns Peter Nerger, hält
den angekündigten Warnkatalog für "abwegig".
"Es gibt Gebiete, wo ich auch nicht hingehen würde -
aber das ist in jeder Stadt so." Fest steht jedoch
bereits jetzt: Die fremdenfeindlichen Angriffe sowie die
Debatte um "No-Go-Areas" ramponieren das Image des
WM-Landes Deutschland mit seinem Motto: "Die Welt zu
Gast bei Freunden".
|
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|
Dienstag, 14. Mai 2006
|
| |
'Yahoo!
Nachrichten' berichtet
Italiener
in Berlin zusammengeschlagen
Rund drei Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft
haben Unbekannte in Berlin einen Italiener
zusammengeschlagen. Als wahrscheinliches Motiv gab die
Polizei Fremdenhass an. Der 30-Jährige sei gegen 01.00 Uhr
von den Tätern im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg nach
seiner Nationalität befragt worden. Als er antwortete, dass
er Italiener sei, beschimpften ihn die Männer mit den
Worten "Scheiß Ausländer". Danach schlug einer
der Täter mit einem Baseballschläger zu und verletzte den
Mann am Kopf sowie am rechten Knie.
Der 30-Jährige kam zur stationären Behandlung in ein
Krankenhaus und wurde sofort operiert. Die Angreifer konnten
entkommen. Nach Polizeiangaben waren sie kahlköpfig und
trugen schwarze Bekleidung. Der polizeiliche Staatsschutz übernahm
die Ermittlungen. Berlin ist einer der Austragungsorte der
Fußball-WM, die am 9. Juni beginnt.
Zurück:

|
|
|
|
Ihre Meinung
|
|
*
*
*
* *
|
|