Dienstag, 26. September 2006 

 
„Keine Neo-Nazis auf dem Schulhof“
VON MATTHIAS NIEWELS, 26.09.06, 14:35h, AKTUALISIERT 26.09.06, 14:37h

Große Aufregung am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium: Mehrere Schüler berichteten von Neo-Nazis auf dem Schulgelände - die es, so stellte es sich heraus, gar nicht gab.

Bergisch Gladbach - Schulleiter Gerd Josmann ist ein ruhiger, überlegt handelnder Mann. Aber was sich gestern an seiner Schule abspielte, das bereitet ihm Kopfzerbrechen: „Richtig verstehen tue ich es nicht.“ Fakt ist, dass einer seiner Schüler berichtete, von zwei erwachsenen glatzköpfigen Neo-Nazis in den Wald geschleppt worden zu sein. Die Männer hätten auch Hakenkreuzabzeichen getragen. Der junge Mann berichtete weiter, er sei mit dem Messer bedroht worden und habe Nazi-Parolen rufen müssen - außerdem sei er ausgeraubt worden. Eine haarsträubende Geschichte.

Gleichzeitig behaupteten rund 20 weitere Schüler, ebenfalls Neo-Nazis auf den Schulhof gesehen zu haben. Josmann: „Es war von Anfang an klar, dass diese Schüler nicht alle unter einer Decke stecken und uns eine Lügengeschichte erzählen.“ Also wurde die Polizei eingeschaltet, die an der Schule Vernehmungen durchführte. Mit erstaunlichem Ergebnis: Der Schüler, der angeblich überfallen wurde, verwickelte sich in Widersprüche. Schließlich räumte er ein, dass seine Geschichte von A bis Z gelogen sei: keine Neo-Nazis und kein Überfall.

Aber warum gibt es diese Zeugen, die Neo-Nazis gesehen haben wollen? „Da sitzen mir Schüler gegenüber, die wirklich davon überzeugt waren“, sagt Josmann. Er versucht sich diese Einbildungen auch mit der Fotoausstellung gegen Rassismus zu erklären, die zurzeit an der Schule zu sehen ist. „Da scheinen viele Bilder im Kopf nicht mehr richtig zugeordnet worden zu sein.“ Noch einmal der Schulleiter: „Es steht außer Frage, dass es keine Neo-Nazis auf unserem Schulhof gab.“

Für Professor Egon Stephan, Leiter des Lehrstuhls für psychologische Diagnostik und Intervention an der Uni Köln, ist der Vorfall gar nicht besonders spektakulär. „So wie ich das nach den Berichten sehe, sind zwei Ereignisse zu trennen.“ Da wäre einmal die Wichtigtuerei eines Schülers. So etwas komme immer wieder vor. Und die Zeugenaussagen - auch wenn es 20 seien - erklärten sich aus der Situation heraus. Man müsse sich vorstellen: Alle reden von Neo-Nazis, an den Wänden gibt es Fotos von ihnen, und dann läuft zum Beispiel draußen jemand mit Lederjacke und Stiefeln herum. Der wird dann zum Neo-Nazi.

Das sei etwa so, als ob man die Nachricht gehört habe, am Kölner Neumarkt gäbe es einen Aufmarsch von Neo-Nazis - den es aber in Wirklichkeit gar nicht gibt. Wenn man nun selbst mit der Bahn am Neumarkt vorbei fährt, sei es sehr wahrscheinlich, dass man dort Neo-Nazis erkenne. Da reichten dann ein paar Stiefel oder eben die Frisur. Die Schüler hätten also etwas gesehen und es in einen falschen Zusammenhang eingeordnet.
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Quelle: Internet
 

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