Wie die Öffentlichkeit
durch die Medien systematisch manipuliert wird
Am 19. Januar 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Massaker vor 59 Jahren
Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher in München festgenommen
Der ehemalige Kommandant einer slowakischen Hilfstruppe von Wehrmacht und SS
hat jahrelang in München gewohnt. Er steht unter dem Verdacht der Ermordung von
164 Zivilisten Anfang 1945. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, war der heute
86-jährige Ladislav N. wegen dieser Taten bereits 1962 von einem
tschechoslowakischen Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Ladislav
N. sei Kommandant der Abteilung der Einheit „Edelweiß“ gewesen, die zur
Partisanenbekämpfung in der Slowakei gebildet wurde. Im Januar 1945 sei er an
dem Massaker in Ostry Grun und Klak beteiligt gewesen, bei dem 51 Kinder und 95
erwachsene Zivilisten ermordet worden seien. Die Menschen seien ohne konkreten
Anlass getötet worden; es habe sich um eine reine Repressalie gehandelt, erklärte
der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Einen Monat später
soll Ladislav N. In Ksina die Erschießung von 18 jüdischen Zivilsten befohlen
haben, die sich in einem Erdbunker versteckt hatten. Sechs Opfer seien Kinder
gewesen und acht Frauen. Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher hatte in München
gewohnt und 1996 die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Nach einer Anfrage
des slowakischen Justizministeriums ermittelte die Münchner Justiz seit 2001,
bekam Einblick in slowakische und tschechische Gerichtsakten und Archive und war
bei der Vernehmung von Zeugen anwesend. Ladislav N. wurde am Freitag in
Untersuchungshaft genommen und soll jetzt vernommen werden. Die Ermittlungen
seien praktisch abgeschlossen, sagte Schmidt-Sommerfeld.
Am 20. Januar 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Augenzeugen berichten
Das Grauen kam im Dämmerlicht
Das Grauen erreichte Klak und Ostry Grun auf den Tag genau vor 59 Jahren.
Die Männer der deutschen Spezialeinheit „Edelweiß“ und der slowakischen
Hlinka-Garde kamen am 21. Januar 1945 in die beiden mittelslowakischen Dörfer.
Angeblich ging es ihnen um Partisanen, doch sie schonten weder Frauen noch
Kinder.
Von Daniel Brössler
„Ich war nur zehn Jahre alt, doch dieser Tag hat sich mir in die Erinnerung
eingebrannt“, vertraut die 70-jährige Anna Novakova aus Ostry Grun einer
Reporterin der slowakischen Zeitung Sme an. „Es reißt mich noch heute aus dem
Schlaf.“ Die Männer erschienen im Morgengrauen. „Sie trieben uns aus dem
Haus. Ich sah, dass die Eltern Angst hatten.“ Zusammen mit den anderen
Dorfbewohnern wurde die Familie zum Haus eines Nachbarn getrieben – es sollte
der Ort des Massakers werden. Die kleine Anna wurde von ihrer älteren Schwester
noch einmal nach Hause geschickt, um ihr etwas Warmes zum Anziehen zu holen.
„Als ich zurückkam, hatte meine Schwester Tränen in den Augen. Sie sagte
mir, dass sie die Sachen nicht mehr brauche. Ich wusste nicht, wie sie es
meint.“ Dann sagte der Vater: „Schau nicht in den Hof.“ Dort fielen die
ersten tot zu Boden. Schließlich kam die Reihe an Annas Familie. „Es begann
das Schießen, und in meiner ungeheueren Angst habe ich nichts mehr
wahrgenommen. Ich muss für eine Weile ohnmächtig geworden sein. Dann wurde ich
wach von einem schrecklichen Brennen in den Beinen. Ich konnte nicht aufstehen,
weil über mir andere Körper lagen. Ich wusste nur, dass meine Schwester
Helenka neben mir liegt. Aus ihrem Mund floss das Blut.“ Anna flüsterte ihrer
großen Schwester zu: „Wenn es ruhig wird und alle weg sind, stehen wir
auf.“ Doch Helenka antwortete nicht mehr. In den beiden Dörfern starben während
des Massakers etwa 150 Menschen; zehn überlebten. Nach Schätzung der Zeitung
Sme sind heute wohl noch drei davon am Leben, eine davon ist Anna Novakova. Über
die Verhaftung Ladislav Niznanskys ist sie erleichtert. „Ich bin Katholikin,
ich will niemandem Böses. Ihm würde ich nur wünschen, dass er eine so schwere
Kindheit erlebt wie ich.“ Auch Gizela Bencova aus Klak, ebenfalls eine Überlebende,
kann den Horror nicht vergessen. „Die Gerechtigkeit ist gekommen“, sagt sie
einer Journalistin der Zeitung Pravda, „wenn auch erst nach fast 60 Jahren.“
Am 20. Januar 2004 berichtete die 'taz.de':
NS-Kriegsverbrecher in München verhaftet
Heute 86-Jähriger soll für zwei Massaker in der
Slowakei mit insgesamt 146 Toten verantwortlich gewesen sein
MÜNCHEN taz: Die Polizei hat in München einen 86-jährigen Mann verhaftet,
der als Kommandeur einer Spezialeinheit an mehreren Massakern gegen Ende des
Zweiten Weltkriegs beteiligt gewesen sein soll. Wie die Münchner
Staatsanwaltschaft gestern erklärte, befehligte der gebürtige Slowake Ladislav
Niznansky eine slowakische Abteilung, die damals gemeinsam mit deutschen Truppen
zur Bekämpfung von Partisanen eingesetzt wurde. Im Januar 1945 ermordete diese
Einheit in den slowakischen Orten Ostry Grun und Klak insgesamt 146 Menschen,
darunter 70 Frauen und 51 Kinder. Außerdem soll Niznansky, damals 27 Jahre alt,
im Februar 1945 die Erschießung von 18 jüdischen Zivilisten in der Gemeinde
Ksina befohlen haben. Der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld
sagte der taz, Niznansky habe angeordnet, die Juden zu erschießen, die sich in
Erdbunkern versteckt hätten. Dazu ließ er ein Hinrichtungskommando
zusammenstellen. Unter den Opfern seien acht Frauen und sechs Kinder gewesen.
Niznansky war zu jener Zeit laut tschechischen Zeitungsberichten auch Führungsmitglied
des faschistischen "Edelweiß"-Verbandes in der Slowakei. Nach dem
Krieg tauchte Niznansky unter und lebte seit 1947 offensichtlich abwechselnd in
Österreich und Deutschland. Zeitweilig arbeitete er als Reporter für den
US-Radiosender "Radio Free Europe" in München, wahrscheinlich auch für
andere Medien. Bislang sei Niznaskys Biografie nicht lückenlos zu recherchieren
gewesen, teilte die Münchner Staatsanwaltschaft mit. Der Verhaftete schweigt
bislang. Sicher ist, dass Niznansky 1996 die deutsche Staatsbürgerschaft
erhielt. Später lebte er in einer Wohnung am Münchner Ostpark, wo er am
Freitag auch verhaftet wurde. Bereits 1962 war Niznansky in Abwesenheit von
einem Gericht im slowakischen Banská Bystrica zum Tode verurteilt worden. Wegen
dieser Verurteilung wandte sich das slowakische Justizministerium Anfang 2001 an
die deutschen Behörden, nachdem bekannt geworden war, dass Niznansky in München
lebt. Er bestritt gegenüber den deutschen Ermittlern jetzt alle Vorwürfe.
Daraufhin entsandte die Münchner Staatsanwaltschaft einen Vertreter nach
Tschechien und in die Slowakei, der dort Archive und Gerichtsunterklagen
einsehen und mehrere Zeugen befragen konnte. Diese Zeugenaussagen lieferten
letztlich die Grundlage für die Festnahme des 86-Jährigen. Laut
Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld fand sich auch "ein Augenzeuge, der als
Kind bei einem der Massaker mit dem Leben davongekommen ist" und der
Niznansky identifizieren konnte. Der mutmaßliche Kriegsverbrecher sitzt nun in
München in Untersuchungshaft. Eine allzu lange Haft vor Prozessbeginn will die
Staatsanwaltschaft allerdings nicht riskieren. Bis zum Frühjahr soll bereits
Anklage erhoben werden, sodass noch in diesem Jahr der Mordprozess vor dem Münchner
Schwurgericht beginnen könnte. Schmidt-Sommerfeld schätzt den 86-Jährigen als
verhandlungsfähig ein. Er sei in einem "altersentsprechend guten
Gesundheitszustand". Wenn alle Vorwürfe vor Gericht belegt werden können,
wird Ladislav Niznansky das "Gefängnis wohl nicht mehr verlassen",
sagte der Oberstaatsanwalt. Dem einstigen Faschistenführer wird Mord in 146 Fällen
zur Last gelegt. Niznanskys Verhaftung ist der zweite spektakuläre Erfolg, den
die Justizbehörden in Deutschland, Tschechien und der Slowakei bei ihren
gemeinsamen Ermittlungen gegen nationalsozialistische Kriegsverbrecher verbuchen
können. Im Jahr 2001 war der frühere Aufseher eines Gestapo-Gefängnisses in
Theresienstadt, Anton Malloth, wegen Ermordung eines Häftlings zu lebenslanger
Haft verurteilt worden. JÖRG SCHALLENBERG
Am 21. Januar 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Nach Festnahme
NS-Verbrecher war Agent
Der festgenommene mutmaßliche NS-Verbrecher Ladislav Niznansky war nach dem
Zweiten Weltkrieg erst Agent des tschechoslowakischen und später auch des
US-amerikanischen Geheimdienstes. Das sagte ein Mitarbeiter des
Innenministeriums in Prag dem tschechischen Fernsehsender CT. Der heute 86-Jährige
sei kurz nach Kriegsende von einem slowakischen Gericht wegen Mangels an
Beweisen freigesprochen worden, hieß es. Danach habe er sich als Mitarbeiter
des tschechoslowakischen Geheimdienstes StB verpflichtet. Möglicherweise sei
dies Bedingung für den Freispruch gewesen, sagte der Mitarbeiter. Nach seinem
Umzug nach Österreich habe sich Niznansky an den US-amerikanischen Geheimdienst
CIC gewandt und für diesen gearbeitet. Etwa 1948 habe er sich in Deutschland
niedergelassen und bis 1983 in München beim US-Sender „Radio Free Europe“
gearbeitet. Niznansky war am Freitag festgenommen worden. Er soll für zwei
Massaker in der Slowakei 1945 hauptverantwortlich sein. Dem 86-Jährigen mit früher
slowakischer und heute deutscher Staatsbürgerschaft wird Mord in 164 Fällen
zur Last gelegt.
Am 21. Januar 2004 berichtete 'Radio Slovakia International':
En 1946, par contumace, Ladislav Niznansky a été
condamné à mort comme l’un des plus grands criminels de guerre en Slovaquie
La recherche des criminels de guerre qui n’ont pas été punis, c’est le
thème de recherches du journaliste tchèque Stanislav Motl. Depuis l’année
1990 il a trouvé 10 criminels de guerre. Les membres de la gestapo ou de NSDAP
ne l’intéressent pas. Il s’intéressent aux gens qui eux-mêmes
assassinaient ou ordonnaient d‘assassiner.
A la question s’il a une motivation personnelle à cette «chasse», Stanislav
Motl répond rigoureusement:«Ma mère est d’origine d’un petit village à
proximité de Povazska Bystrica en Slovaquie nord-ouest. Lors de la guerre elle
apportait aux partisans à manger. Plusieurs membres de ma famille ont été
frappé par le nazisme. J’étais un enfant normal, mais d’un jour à
l’autres j’ai commencé à être obsédé par les archives.» Il y a trouvé
le nom de Ladislav Niznansky: «Je pensais qu’après plusieurs années du
travail au sein de la rédaction Europe libre il vivait quelque part en
Amérique.
Un ami m’a demandé de trouver des témoins de l’assassinat de son grand-père
à Terezin par le criminel de guerre Mallot. A cette occasion j’ai découvert
que Ladislav Niznansky vit quelque part en Allemagne.»
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Un petit article d’un journal d’après
la guerre:
Klak et Ostry Grun, ces deux villages ont été incendiés par
l’unité Edelweiss en coopération avec les unités
collaboratrices slovaques. 146 personnes ont été assassinées,
dont 56 femmes et 38 enfants. Aux dires du témoin Frantisek
debnar qui a survécu à cette tragédie au dessous d’un tas
de cadavres, l’ordre de réunir les vieillards et les enfants
dans une baraque a été donné par Ladislav Niznansky.
Qui est Ladislav Niznansky? Il a fait ses études à l’Académie
militaire à Hranice en Moravie. Après l’avènement du
premier état slovaque, il est devenu officier, il a combattu et
commandé sur le front oriental, il y a gagné 6 grandes
distinctions, y compris la croix de guerre. Lors du Soulèvement
national slovaque il s’est trouvé parmi les membres de la
résistance.
En même temps, en 1944 il est devenu commandant de la plus
grande unité d’Edelweiss. Edelweiss était l’équivalent
slovaque de la milice en France. La chasse aux Juifs, aux
partisants et aux gens qui les soutenaient, c’était son
domaine.
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En 1946, par contumace, Niznansky a été condamné à mort
comme l’un des plus grands criminels de guerre en Slovaquie.
Surprise? Oui. En 1947 ou 48, il part en émigration au titre
d’agent des services de renseignement tchécoslovaques. En
Autriche, il s’est mis à la disposition des services
américains.
Dans les années 1960 il était directeur du département des
analyses de la rédaction tchécoslovaque d’Europe libre. Et
tout cela bien qu‘un criminel de guerre. Aujourd’hui, il vit
âgé de 86 ans avec son épouse dans un appartement luxueux à
Münich.
Déjà en 1986, le Ministère tchécoslovaque de la justice a
demandé l’extradition de Niznansky, sans suite. Dix ans
après,
il a obtenu la nationalité allemande. „C’est donc aux
instances judiciaires de ce pays de le juger,“ a expliqué le
porte-parole du Ministère slovaque de la justice Richard Fides.
Toutefois, la Slovaquie peut aider à l’instruction de cette
affaire si la partie allemande en exprimait le souhait et le
besoin. Qu‘ajouter... Les photos de guerre de Niznansky ont,
entre guillemets, disparues, il en restent quelques unes. Après
la guerre, le premier frère de Niznansky était l’un des médecins
les plus préstigieux à Bratislava et le second chef de la
distribution de tabac pour toute la Slovaquie. Ces liens
familiaux de personnes bien introduite et riches expliquent-ils
qu’il ait pu échapper à la justice pour que celle-ci passe?
On ne sait... mais peut-être le passé vient-il de ratrapper
Niznansky? Reste à connaître quel sort lui sera réservé.
Am 8. Februar 2004 berichtete'http://holocaust.klup.nl'
Op 20 januari 2004 is in
München de 86 jarige Ladislav Niznansky aangehouden. Niznansky, een voormalig
Tsjechisch en tegenwoordig Duits staatsburger wordt ervan verdacht 164 Slowaken,
onder wie 18 Joodse onderduikers te hebben vermoord.
Op 20 januari 2004 is in München de 86 jarige Ladislav Niznansky aangehouden.
Niznansky, een voormalig Tsjechisch en tegenwoordig Duits staatsburger wordt
ervan verdacht 164 Slowaken, onder wie 18 Joodse onderduikers te hebben vermoord.
De arrestatie is opmerkelijk omdat de verdachte de laatste 50 jaar een openbaar
leven leidde in München waar hij werkte bij de Amerikaanse propagandazender
Radio Free Europe. Volgens het Beierse openbaar ministerie stond Niznansky al
langer op de nominatie om te worden aangehouden, maar ontbrak tot voor kort de
nodige medewerking van de Slowaakse regering. Niznansky werd in 1962 in
Slowakije bij verstek ter dood veroordeeld, maar het vonnis kon nooit ten
uitvoer worden gebracht vanwege het feit dat hij na de oorlog naar Duitsland was
gevlucht. Een commando dat onder zijn bevel stond zou op 21 januari 1945 tijdens
een actie tegen het verzet vrouwen en kinderenhebben vermoord en de dorpen Klak
en Ostry Grun hebben platgebrand. Het jongste slachtoffer was drie maanden oud
en het oudste slachtoffer 89 jaar. In februari van hetzelfde jaar voerde
Niznansky het bevel over een executiepeleton in het dorpje Ksinna. Daarbij
werden 18 Joodse onderduikers, onder wie 8 vrouwen en 6 kinderen vermoord.
Niznansky zou het bevel tot schieten hebben gegeven. Of het 59 jaar na dato
eenvoudig zal zijn de verdachte te veroordelen is nog maar de vraag. De in
verzetsgeschiedenis gespecialiseerde Slowaakse historicus Dr. Ivan Mrva noemt de
zaak uiterst dubieus. "Niznansky heeft naar mijn informatie alleen als
vertaler voor de Duitsers gewerkt Zijn eenheid had geen wapens en kan dus niet
verantwoordelijk zijn voor deze slachtingen. na de oorlog zijn er in
Tsjechoslowakije 900 collaborateurs terechtgesteld. Niznansky niet, hij kon in
1946 naar Duitsland vertrekken en kreeg waarschijnlijk hulp van de geheime
dienst. Deze zaak stinkt." Aldus de Mrva. De Münchense hoofdofficier van
justitie, Anton Winkler is er echter van overtuigd een zaak te hebben: "We
hebben weliswaar nog een aantal bewijzen nodig, maar de akten spreken duidelijke
taal. Bovendien zijn er nog getuigen in leven die deze zaak kunnen bevestigen."
Hoe deze zaak uitpakt laat zich bijna raden. De verwachting die deze arrestaties
steeds wekken bij de nabestaanden van de slachtoffers wordt steeds de grond in
geboord, vanwege het feit, dat deze nazimisdadigers zonder uitzondering vrij
komen vanwege hun 'slechte gezondheidstoestand'. De zaak Bikker, waarbij zelfs
een ooggetuige kon bevestigen dat de verdachte de misdaad had gepleegd, werd om
diezelfde reden geseponeerd. Stuk voor stuk zijn deze misdadigers na de oorlog
al veroordeeld en hebben zij zich onttrokken aan de uitvoering van het vonnis.
Waarom kan het vonnis dat destijds werd opgelegd niet gewoon ten uitvoer worden
gebracht? Uiteraard met inachtneming van het feit dat de doodstraf niet meer van
toepassing is in de huidige samenleving.
Am 9. Februar 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
NS-Kriegsverbrechen
Haftbeschwerde im Fall Niznansky
Der 86-Jährige müsse mangels dringenden Tatverdachts aus der
Untersuchungshaft entlassen werden, fordert Anwalt Steffen Ufer. Der Verteidiger
des in München verhafteten mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ladislav Niznansky
hat nach einem Bericht des Magazins „Focus“ Haftbeschwerde eingelegt. Der
86-Jährige müsse mangels dringenden Tatverdachts aus der Untersuchungshaft
entlassen werden, forderte Anwalt Steffen Ufer. Niznansky war am 16. Januar
festgenommen worden. Er soll für zwei Massaker in der Slowakei 1945
hauptverantwortlich sein. Zur Begründung seiner Haftbeschwerde führt Ufer laut
„Focus“ an, zahlreiche Zeugenaussagen seien nur unter starkem Druck der
Justiz zustandegekommen. Ein slowakisches Gericht hatte Niznansky 1962 in
Abwesenheit zum Tode verurteilt. Dem 86-Jährigen mit früher slowakischer und
heute deutscher Staatsbürgerschaft wird Mord in 164 Fällen zur Last gelegt.
Als Kommandant einer deutschen Spezial-Einheit zur Partisanen- Bekämpfung soll
Niznansky in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges an einem Massaker in den
Orten Ostry Grun und Klak mit 146 Toten beteiligt gewesen sein. Er soll zudem im
Februar 1945 in dem slowakischen Ort Ksinna die Erschießung von 18 wehrlosen jüdischen
Zivilisten befohlen haben.
Am 8. September 2004 berichtete 'stern.de':
Ladislav Niznansky
Haben Sie gestern jemanden umgebracht?
Als Hanus Hajek
Anfang der 60er Jahre zum Leiter der tschechoslowakischen
Sektion für Forschung und Analyse bei Radio Free Europe in München
wurde, machte er Ladislav Niznansky zu seinem Stellvertreter.
Zwanzig Jahre lang saß Hanus Hajek mit dem mutmaßlichen
NS-Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky in einem Büro. Zwanzig
Jahre lang arbeiteten Hajek, dessen jüdische Eltern von den
Nazis ermordet wurden, und "Laco", der in der NS-Zeit
164 Zivilisten umgebracht haben soll, Seite an Seite für den
US-Sender Radio Free Europe. "Vielleicht habe ich all die
Zeit mit einer Art Eichmann im Zimmer gesessen", sagt Hajek.
"Aber ich glaube das nicht."
"Ausgesprochen guter Mann"
Hajek arbeitete von 1953 bis 1980 bei Radio Free Europe in München,
das die Bürger der damaligen Ostblockstaaten mit westlichen
Nachrichten versorgte. Anfang der 60er Jahre wurde Hajek Leiter
der tschechoslowakischen Sektion für Forschung und Analyse. Zu
seinem Stellvertreter machte er Niznansky, der bereits seit 1954
für den Sender tätig war. "Er war ein ausgesprochen guter
Mann", sagt der heute 84-jährige Hajek. "Er hatte die
besten Qualifikationen aus meiner Mannschaft. Vor allem konnte
er sehr gut Amerikanisch." Nachdem Hajek 1980 in den
Ruhestand gegangen war, übernahm Niznansky sogar seine Position
als Leiter, bis er 1983 selbst in Rente ging. Niznansky
soll Anfang 1945 als Mitglied einer Hilfstruppe zur
Partisanenbekämpfung maßgeblich an drei Massakern in der
Slowakei beteiligt gewesen sein. Laut Anklage wurden damals in
den Dörfern Ostry Grun und Klak 146 Bewohner, darunter Frauen
und Kinder, zusammengetrieben und erschossen. Wenig später
befahl er laut Anklage bei Ksina in der Slowakei die Erschießung
von 18 jüdischen Zivilisten. Seit Mitte der 50er Jahre lebt
Niznansky in Deutschland, seit 1996 mit deutschem Pass. Im
Januar 2004 wurde er in München festgenommen. Über die
Vergangenheit seines Stellvertreters habe er "nichts
Detailliertes" gewusst, berichtet Hajek. "Darüber
wurde nicht gesprochen", sagt der gebürtige Tscheche mit
US-Pass. Für Furore im Sender sorgte allerdings, dass ein
tschechoslowakisches Gericht Niznansky 1962 in Abwesenheit zum
Tode verurteilte. Damals, sagt Hajek, hätten ihn seine
amerikanischen Chefs aufgebracht zu sich gerufen und gefragt:
"Nun, was sollen wir mit Laco machen?" Darauf habe er
geantwortet: "Nichts." Auch heute noch ist Hajek davon
überzeugt, dass es sich damals um einen "typisch
kommunistischen Prozess" mit "unglaubwürdigen
Zeugen" gehandelt habe, der in einer "Atmosphäre der
Hysterie" stattgefunden habe. Deshalb habe er zu den
Amerikanern gesagt: "Wir werden doch nicht auf einen
solchen Prozess hereinfallen!"
Mitglied der "Abwehrgruppe Edelweiß"
Nach anfänglichem Zögern habe Niznansky von seiner
Vergangenheit erzählt und gegenüber den Kollegen beteuert,
dass er nur aus Not zur SS gegangen sei: Als slowakischer
Offizier habe er 1944 am Aufstand gegen die deutschen Besatzer
teilgenommen und sei im selben Jahr in Uniform von den Deutschen
festgenommen worden. Seiner Erschießung sei er nur dadurch
entkommen, dass er Mitglied der "Abwehrgruppe Edelweiß"
geworden sei. Die Vorfälle in Ostry Grun und Klak habe er ganz
anders geschildert, berichtet Hajek: Zwar hätten "Edelweiß"-Leute
die Häuser in den Dörfern angezündet, doch seien diese leer
gewesen. Die Bewohner seien zuvor in die Berge geflohen. Dass
Niznansky Verbrechen begangen hat, glaubt Hajek nicht: Schließlich
sei er von der Security-Sektion des Senders, die die
Vergangenheit der Mitarbeiter untersucht habe, angenommen
worden. "Ich dachte, wenn er von denen akzeptiert wurde,
ist er in Ordnung", erklärt Hajek. "Natürlich ist es
theoretisch möglich, dass ich mich geirrt habe", sagt er
und lächelt. "Haben Sie gestern jemanden umgebracht?"
fragt er. "Ich glaube es nicht. Sie sehen nicht aus wie
eine Mörderin. Aber ich weiß es nicht genau." Hajek
beschreibt seinen Kollegen als einen intelligenten, fleißigen
und sorgfältigen Journalisten. Zu den Juden im Sender sei
Niznansky besonders nett gewesen, "vielleicht, um nicht
unter Verdacht zu geraten", sagt Hajek spöttelnd. Doch über
eine kollegiale Beziehung sei sein Verhältnis zu Niznansky nie
hinausgegangen. "Privat hatten wir nichts miteinander zu
tun."
Eltern von Nazis ermordet
Hajeks Eltern wurden von den Nazis deportiert und ermordet, wie
der Großteil seiner Verwandtschaft. Dennoch wünscht er seinem
Ex-Kollegen, dass er frei gesprochen wird. "Ich denke, 2004
ist nicht mehr die Zeit, um die Geschehnisse von 1944 zu
rekonstruieren", sagt Hajek. Außerdem habe ich Bilder// von
Niznansky gesehen, er sieht schrecklich aus. Was hat man davon,
einen alten Greis in den Knast zu stecken?" Noch eine Frage
hat Hajek: "Wieso hat man Niznansky erst 2004 verhaftet,
nach 50 Jahren in Deutschland?"
Angela Stoll/AP
Am 9. September 2004 berichtete
'stern.de':
Niznansky-Prozess Herr über Leben und Tod
Massenmörder oder Sündenbock?
Die Anklage wirft Ladislav Niznansky vor, als Kommandant
einer SS-Hilfsgruppe 1945 in der Slowakei 164 Menschen ermordet
zu haben. Der 86-Jährige beteuert seine Unschuld.
Der Staatsanwalt trägt den Namen und das Alter jedes Mordopfers
vor. Eine Viertelstunde lang hören die Prozessbeteiligten im
Schwurgericht München Namen und Alter von 164 Männern, Frauen
und Kindern und verstehen so das Ausmaß des Verbrechens erst
richtig. Anfang 1945 sollen Angehörige der "Abwehreinheit
Edelweiß" unter dem Kommando von Ladislav Niznansky die
Menschen in der Slowakei erschossen haben. Doch der 86-jährige
Angeklagte sagt: "Ich bin unschuldig!" Fast 60 Jahre
nach den Massakern wird es für das Gericht schwer werden, die
Wahrheit herauszufinden. Staatsanwalt Konrad Kuchenbauer wirft
Niznansky vor, die 164 Zivilisten "unbarmherzig, gefühllos"
und grausam umgebracht zu haben, weil sie Partisanen unterstützt
hätten oder weil sie Juden waren. Verteidiger Steffen Ufer hält
seinen Mandanten für unschuldig und erwartet einen klaren
Freispruch. Zum Prozessauftakt klärte das Gericht am Donnerstag
zunächst einmal den unstrittigen Rahmen. Niznansky war
Hauptmann in der slowakischen Armee und nach dem slowakischen
Aufstand 1944 in deutsche Gefangenschaft geraten. Anschließend
kommandierte er die slowakische Kompanie in der deutschen
"Abwehrgruppe Edelweiß" unter Major Erwein Graf
Thun-Hohenstein, einer Sondereinheit zur Partisanenbekämpfung.
Ende Januar kesselten "Edelweiß"-Kämpfer die Dörfer
Ostry Grun und Klak ein und erschossen 146 Einwohner. Anfang
Februar erschossen sie 18 jüdische Männer, Frauen und Kinder,
die sich in einem Wald bei Ksina versteckt hatten.
"Willkürlicher Mord"
Niznansky habe seinen Männern in Ostry Grun befohlen,
"keine lebendige Seele entkommen" zu lassen, sagte
Kuchenbauer. Er habe sich "willkürlich als Herr über
Leben und Tod" aufgeführt und "mindestens 20 Personen
mit seiner Maschinenpistole" eigenhändig ermordet. Die
Opfer hätten der Tötung ihrer Familien, Freunde und Nachbarn
zusehen müssen, während sie auf ihre eigene Erschießung
warteten. In Ksina habe Niznansky auf Thuns Befehl das
Hinrichtungskommando zusammengestellt. Insgesamt 24 Zeugen hat
der Staatsanwalt benannt. Kronzeuge ist ein ehemaliger
slowakischer "Edelweiß"-Soldat, der Niznansky der
eigenhändigen Tötungen bezichtigte. Der Verteidiger sprach von
einer "polemischen" Anklage. 1946 war Niznansky von
einem slowakischen Volksgericht freigesprochen, 1962 aber in
einem zweiten Prozess in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden.
Doch weder der Kronzeuge noch die anderen Zeugen hätten
Niznansky damals als Todesschütze belastet, sagte Ufer, obwohl
sie als Angeklagte damals erheblichen Strafrabatt dafür
bekommen hätten. Denn Niznansky, der 1946 als
tschechoslowakischer Spion in Österreich zu den Amerikanern übergelaufen
war und beim US-Sender Radio Free Europe in München arbeitete,
galt in der CSSR 1962 als Verräter. Ufer betonte einen zweiten
Punkt: Alle Überlebenden des Massakers von Ostry Grun sagten
aus, dass "ein Offizier mit deutscher Uniform" die
Menschen erschossen habe.
"Ich bin unschuldig!"
Niznansky hatte oft Mühe, die Fragen des Richters zu verstehen
- der Verteidiger brüllte ihm dann die Frage noch einmal ins
Ohr. Seit einem Schlaganfall spricht Niznansky auch etwas
stockend und undeutlich. Aber den Reportern und Kamerateams, die
ihn beim Betreten des Gerichtssaals bestürmten, sagte er auf
ihre Fragen, es gehe ihm gesundheitlich gut. Und auf weitere
Fragen sagte er ruhig: "Ich bin unschuldig!" Das
Gericht umkreiste diese Frage am Donnerstag in einigem Abstand.
Auf Fragen des Richters erklärte Niznansky, er sei nach seiner
Gefangennahme 1944 vor die Wahl gestellt worden, in der
Partisanenabwehr zu dienen oder aber sich vorzubereiten auf
"KZ oder Militärgericht". Darauf habe er als einziger
slowakischer Offizier die etwa 120 Slowaken bei "Edelweiß"
angeführt. "Edelweiß" sei von fünf deutschen
Offizieren und etwa 40 deutschen Fallschirm- und Gebirgsjägern
geführt worden. Außerdem hätten russische, ukrainische und
kaukasische Trupps zu "Edelweiß" gehört. Aber sie hätten
"immer unter deutschem Befehl, nie allein, immer unter
deutscher Aufsicht" gehandelt. Tötungen bestritt Niznansky
nicht. Aber er sei nie gegen Frauen oder Kinder vorgegangen,
noch habe er den Befehl dazu gegeben, sagte Ufer. Nachdem kein
SS-Täter der berüchtigten Einsatzgruppe H in der Slowakei zur
Verantwortung gezogen worden sei, solle Niznansky jetzt als Sündenbock
herhalten.
Nur noch vier Zeugen erwartet
Bis Ende Oktober will sich das Gericht ein Urteil bilden. Am 27.
September will es den Kronzeugen hören. Doch nur vier Zeugen hätten
bislang zugesagt, nach München zu reisen, sagte Danka
Zanovitova von der slowakischen Generalstaatsanwaltschaft der
Nachrichtenagentur CTK. "Die meisten lebenden Zeugen sind
alt und können aus Gesundheitsgründen nicht reisen." Das
Simon Wiesenthal Center hat den Prozessbeginn gegen Niznansky
begrüßt. Der Leiter des Wiesenthal-Büros in Jerusalem, Efraim
Zuroff, äußerte die Hoffnung, dass das Verfahren zu Ende geführt
werden könne und der Beschuldigte seine gerechte Strafe
erhalte. "In einem Fall wie diesem ist es wichtig
festzustellen, dass die lange Zeit, die seit den Taten vergangen
ist, aus Verbrechern des Holocaust keine unschuldigen Zivilisten
macht", hieß es in einer in München veröffentlichten
Erklärung von Zuroff. Die Tatsache, dass Niznansky es über 50
Jahre geschafft habe, der Gerechtigkeit zu entgehen, mindere
nicht seine Verantwortung für die ihm vorgeworfenen Taten.
Am 9. September 2004 berichtete die 'ARD' in der Sendung
'Report-München':
Späte Gerechtigkeit
Kriegsverbrecher nach 59 Jahren in Haft
Autorin : Claudia Pils
Es ist ein eisiger Morgen in den Bergen der Slowakei. Doch der
72jährige Frantisek Debnar kommt wie fast jeden Tag zu der
Gedenkstätte in Ostry Grun ein Ort, an dem vor 59 Jahren
Schreckliches geschah. Frantisek Debnar, der das Massaker von
1945 überlebt hat, zeigt auf die auf der Gedenktafel aufgeführte
Namensliste:
Dies hier sind meine Angehörigen. Mein Vater Isidor, er wurde 38 Jahre alt,
meine Mutter 36 Jahre. Der ältere Bruder Emil. Mein jüngerer Bruder Juraj,
meine Schwester, sie wurde 8. Mein anderer Bruder, 7 Jahre. Und mein jüngster
Bruder und überhaupt das jüngste Opfer hier mein 14 Monate alter Bruder Filip.
Frantisek Debnar hat als einziger überlebt an diesem Sonntag im
Januar 1945, da war er gerade 13 Jahre alt. Zusammen mit seiner
Familie starben 146 Dorfbewohner von Ostry Grun und dem wenige
Kilometer entfernten Ort Klak es starben Zivilisten: viele
Frauen und Kinder überfallen von dem Kommando Edelweiß, einer
Militäreinheit, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs Jagd
auf Partisanen machte. Die Dorfbewohner wurden erschossen, weil
sie die Widerstandskämpfer mit Lebensmitteln versorgt hatten.
Die Slowakei 1939 zur Unabhängigkeit erklärt. Ein Staat von
Hitlers Gnaden, in dem es im Sommer `44 zum Nationalaufstand
kam. Auf Hitlers Druck hin erteilte Staatspräsident Tiso die
Erlaubnis zum Einmarsch der deutschen Truppen. Partisanenbekämpfungseinheiten
zogen plündernd und mordend durchs Land. Anführer der Gruppe
„Edelweiß war Hauptmann Ladislav Niznansky. Nach fast sechzig
Jahren hat ihn nun die Münchner Staatsanwaltschaft festnehmen
lassen. Die deutschen Behörden halten Niznansky für dringend
tatverdächtig, 20 Menschen selbst getötet zu haben und weitere
146 gemeinschaftlich - aus niederen Beweggründen und grausam
handelnd. Guido Limmer vom Landeskriminalamt Bayern schildert
die Taten der Gruppe "Edelweiß": Sie haben sich unter
Außerachtlassung von allen sog. Regeln der Kriegskunst, wobei
es bei der Partisanenbekämpfung eigentlich keine Regeln gibt,
unter Verwendung von falschen Uniformen eingeschlichen, haben
sich also als Angehörige der slowakischen Armee ausgegeben. Sie
sind dann in die Dörfer eingesickert, haben sie
ausgekundschaftet, haben versucht Informationen über Partisanen
zu erhalten und haben dann anschließend die Dörfer umzingelt,
die Bevölkerung in eine gewisse Richtung hinausgetrieben. Die
meinten, sie könnten eine gute Flucht antreten, tatsächlich
sind sie aber somit ins offene Messer gelaufen und wurden da
entsprechend grausam umgebracht. Seit seiner Festnahme Anfang
des Jahres sitzt Niznansky in Untersuchungshaft der Münchner
Justizvollzugsanstalt Stadelheim. Rechtsanwalt Steffen Ufer sagt
über dessen Verschulden:
Herr Niznansky sagt dasselbe zu den Beschuldigungen, was er immer gesagt hat.
Er ist gleich nach dem Krieg von den Tschechen befragt worden. Man hat ihn
1964/65 von den deutschen Behörden eingehend befragt. Er war zum Teil bei den
hier vorgeworfenen Taten nicht dabei, zum Teil hatte er eine periphere Rolle wie
viele andere slowakische Soldaten auch, dass sie halt in der Nähe quasi
abgesichert haben, was hier die deutschen SS-Leute an leider schlimmen Gräueltaten
wohl begangen haben.
Wieviel Glauben kann man den Aussagen des 86jährigen Niznansky
schenken? Recherchen führen report München nach Prag. Dort
treffen wir den Historiker Stanislav Motl. Er beschäftigt sich
seit über zwanzig Jahren mit dem Fall:
Nach all dem, was ich herausgefunden, was ich in den Archiven gefunden habe
und insbesondere aus Gesprächen mit seinen früheren Unterstellten aus der
Edelweißgruppe habe ich den Eindruck, dass Niznansky ein Mensch ist, der sich
aus - wer weiß was für inneren Anreizen heraus in den Dienst der
hitlerfaschistischen Armee, den Nazi-Geheimdienst begeben hat und die Taten
beging, die er begangen hat.
1962 wurde Ladislav Niznansky vom slowakischen Gericht in Banska
Bystrica zum Tode verurteilt. Zu dem Zeitpunkt allerdings befand
sich Niznansky bereits in Deutschland, nachdem er kurz nach dem
Krieg geflüchtet war. In den Archiven von Banska Bystrica
finden sich weitere Dokumente. In einem Vernehmungsprotokoll aus
dem Jahr 45 sagt Graf Erwin von Thun-Hohenstein, deutscher Major
der Abwehrgruppe 218, genannt Edelweiß, folgendes aus:
Niznansky [...] gehörte seit dem November 1944 zur Abwehrgruppe 218. Dort
war er Kommandant der slowakischen Einheit und nahm einige Male an Aktionen
gegen Partisanen teil.
Als der Krieg zuende war, flüchtete Niznansky nach Österreich.
Dort soll er unter dem besonderen Schutz des
tschechoslowakischen und des amerikanischen Geheimdienstes für
den Sender Radio Freies Europa gearbeitet haben. 1957 versetzte
ihn der Sender nach München. Hier lebte Niznansky ohne Angst
auf einen weiteren Prozess bis zu seiner Festnahme im Januar.
Doch warum mussten 59 Jahre vergehen? Christian
Schmidt-Sommerfeld von der Staatsanwaltschaft München erklärt:
Es hat in den 60iger Jahren schon einmal ein Verfahren hier im Hause gegeben.
Das konnte nicht zu einem Ende gebracht werden, weil nach unserem
rechtstaatlichen Vorstellungen die Beweismittel und die Erkenntnisse einfach
nicht ausgereicht haben. Jetzt sind wir ein ganzes Stück weiter. Wir hatten
eine sehr gute Kooperation mit den slowakischen Behörden insbesondere. Es war
ein Mitarbeiter aus dem Hause hier drüben, hat Vernehmungen gemacht, hat
Unterlagen, Archive gesichtet und dergleichen mehr. Das sind natürlich Dinge,
die von entscheidender Bedeutung sind, um ein Verfahren zu einem erfolgreichen
Abschluss zu bringen.
Für Frantisek Debnar kam die Nachricht aus Deutschland überraschend.
Er hatte nicht mehr damit gerechnet, dass der für den Tod
seiner Eltern und Geschwister wohl verantwortliche Niznansky
jemals vor Gericht kommen würde - für ihn eine späte
Gerechtigkeit:
Wenn ich ihn sprechen könnte, würde ich ihn fragen, ob er über einen
gesunden Menschenverstand verfügt und ob er überhaupt ein Gewissen hat. Denn
er musste doch wissen, was er hier mit seiner Gruppe angerichtet hat.
So werden noch heute lebende Kriegsverbrecher auch weiterhin
damit rechnen müssen, ausfindig gemacht und verurteilt zu
werden. Allein in Bayern laufen derzeit weitere Verfahren gegen
16 beschuldigte Personen.
Am 10 September 2004 berichtete die 'Junge Welt':
Kriegsverbrecher vor Gericht
München: Slowakischer Nazikollaborateur bestreitet
Beteiligung an Massakern
Claudia Wangerin
Am Donnerstag begann vor dem Münchner Schwurgericht der Prozeß gegen den
mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky. Er war Anfang des Jahres in München
verhaftet worden, wo er zuletzt lebte. Gegenstand der Verhandlung sind drei
Massaker an insgesamt 164 Menschen Anfang 1945 in der Slowakei. In zwanzig Fällen
soll der heute 86jährige Ladislav Niznansky laut Anklageschrift selbst die
Todesschüsse abgegeben haben, während die restlichen Morde von ihm willkürlich
befohlen worden seien. Ladislav Niznansky sieht aus wie ein Befehlsempfänger,
der sich ungerecht behandelt fühlt. Eine Erklärung, die Rechtsanwalt Steffen
Ufer in seinem Namen vorträgt, bestätigt diesen Eindruck. Der Angeklagte
selbst ist schwerhörig und kann nicht mehr allzu deutlich sprechen. Die
slowakische Abteilung der »Abwehrgruppe 218 Edelweiß«, der Niznansky im Rang
eines Hauptmanns vorstand, sei »vollständig von deutschen Befehlsstrukturen
abhängig« gewesen, führt Ufer im Namen seines Mandanten aus, der im übrigen
nicht freiwillig der »Spezialeinheit Edelweiß« beigetreten sei. Er habe nur
die Wahl zwischen einem »KZ-ähnlichen Arbeitslager« und der Partisanenbekämpfung
gehabt – die er allerdings auch für sinnvoll hielt. Zum »Schutz der
Zivilbevölkerung«, wohlgemerkt. Allgemein bekannt – auch für einen
deutschen Staatsanwalt – ist die Tatsache, daß Massaker der Wehrmacht an der
Zivilbevölkerung besetzter Gebiete grundsätzlich mit deren Sympathien oder
Unterstützungshandlungen für Partisanen legitimiert werden sollten. Am 21.
Januar 1945 zog die Einheit »Edelweiß« laut Anklage mit dem Ziel in den
Ortschaften Ostry Grun und Klak ein, alle Bewohner zu töten und beide Dörfer
zu zerstören. Niznansky habe seinen Leuten befohlen, daß keine lebendige Seele
entkommen dürfe. Die Anklageschrift bescheinigt ihm Rassenhaß und ein Handeln
»auf der Grundlage der menschenverachtenden nationalsozialistischen Ideologie«.
Bei dieser Formulierung geht erstmals der Anflug eines Grinsens über sein
Gesicht. Am 7. Februar 1945 soll er willkürlich die Hinrichtung von 18
wehrlosen Juden befohlen haben, die sich nahe der Ortschaft Ksina in Erdbunkern
versteckt hielten. Niznansky dagegen bestreitet nicht nur die Verantwortung für
die Verbrechen, sondern auch seine persönliche Beteiligung als Ausführender.
In einem Fall gibt er an, mit seiner Einheit »auf den Hügeln ringsum« gewesen
zu sein und im Tal deutsche Einheiten, womöglich SS, gesehen zu haben. Außerdem
legt er Wert darauf, zu keinem Zeitpunkt »politisch verblendet« gewesen zu
sein: Er habe weder der »nationalsozialistischen« noch der kommunistischen
Ideologie angehangen. In den 60er Jahren arbeitete er journalistisch für den
US-Sender Radio Free Europe, ging 1983 in Rente und erhielt 1996 die deutsche
Staatsbürgerschaft. 1962 hatte ihn ein tschechoslowakisches Gericht in
Abwesenheit zum Tod verurteilt. Obwohl sein Verteidiger in diesem Zusammenhang
kein antikommunistisches Klischee auslässt, bezieht er sich auf Aussagen Überlebender
in diesem »Schauprozess«, die Niznansky zumindest nicht als Todesschützen
identifizieren konnten. Nur ein einziger Belastungszeuge, der sich damals nicht
habe erinnern können, stünde jetzt der Staatsanwaltschaft zur Verfügung. Ufer
hält die Anklage für »unsachlich« und an den Haaren herbeigezogen. Sein
Mandant ist für ihn ein Sündenbock, da bis heute kein Versuch unternommen
wurde, gegen die deutschen Verantwortlichen der »Abwehrgruppe 218 Edelweiß«
zu ermitteln. Bis zum 29. Oktober sind 14 weitere Verhandlungstage angesetzt.
Am 17. September 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Kriegsverbrechen
Niznansky bestreitet Teilnahme an Massakern
Mit Vehemenz hat der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky am
zweiten Prozesstag sämtliche Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.
„Zur Zeit der Massaker war die Gruppe "Edelweiß" nicht mehr in dem
Tal“, sagte der 86 Jahre alte ehemalige slowakische Hauptmann im
Schwurgericht.
Von Alexander Krug
Ohne es konkret auszusprechen, deutete er damit an, dass eine ganz andere
Einheit für die Morde verantwortlich sein soll. Die Anklage wirft Niznansky
zwei Massaker in den zentralslowakischen Dörfern Ostry Grun und Klak sowie die
Erschießung von 18 jüdischen Flüchtlingen im Tal Ksina im Januar und Februar
1945 vor. Insgesamt soll er an der Ermordung von 164 Menschen beteiligt gewesen
sein, in Ostry Grun soll er 20 Zivilisten eigenhändig erschossen haben.
Niznansky war damals Hauptmann einer 130 Mann starken slowakischen Abteilung der
so genannten Abwehrgruppe 218 Edelweiß unter dem Kommando von Major Erwein Graf
Thun-Hohenstein. Der Auftrag von „Edelweiß“ war die Bekämpfung von
Partisanen, die sich nach dem gescheiterten Aufstand in der Slowakei rund um
Banska Bystrica gesammelt hatten.
Befehle von deutschem Offizier
Niznansky wurde nach eigenen Angaben zur Mitarbeit bei „Edelweiß“
gezwungen, hielt aber auch persönlich nichts von den Rebellen. „Ich sehe den
Partisanenkampf als notwendig an. Keine Armee der Welt wird Partisanen in ihrem
Gebiet dulden.“ Insofern sei der Kampf gegen sie eine „ganz legale Sache.
Das ist keine Nazi-Erfindung“. Von Mitte Dezember 1944 an kam es zu ersten
Einsätzen der slowakischen Abteilung. Dabei, so betont er, habe stets ein
deutscher Offizier die Befehlsgewalt gehabt. Im Januar 1945 sei er in das Tal
von Ostry Grun und Klak geschickt worden. Dort habe sich „Edelweiß“
geteilt. Der Einsatzbefehl lautete: „Bekämpfung von Partisanen.“ Eine rund
100 Mann starke Gruppe mit Major Thun sei im Talgrund vorgerückt, er selbst sei
mit etwa 185 Mann unter Führung eines deutschen Leutnants auf dem Hügelrand
entlanggezogen. Es sei wie immer ein nächtlicher Einsatz gewesen. „Wir sind
im Gänsemarsch gegangen, vorne waren die Deutschen.“ Ihre Gruppe habe auf dem
Hügel keinerlei Feindberührung gehabt: „Wir waren sozusagen arbeitslos.“
Aus dem Tal sei jedoch „heftiger Gefechtslärm“ heraufgedrungen. Im
Morgengrauen hätten sich die beiden Gruppen in Klak wieder getroffen. Major
Thun-Hohenstein habe vor einer „Falle“ der Partisanen gewarnt, und die
gesamte Einheit sei deshalb wieder aus dem Tal abgezogen. „In Ostry Grun war
ich nie“, sagt Niznansky. Und in Klak habe er keine Zivilisten gesehen. Von
den Massakern will er erst „17 Jahre später“ erfahren habe, als er 1962 in
Abwesenheit von einem slowakischen Gericht zum Tode verurteilt wurde.
Orden kurz vor Kriegsende
Richter Manfred Götzl findet es „nicht nachvollziehbar“, dass damals im
Januar 1945 nicht in der Gruppe über die Massaker gesprochen worden sein soll.
„Das waren doch viele Tote?“– „Major Thun hat mir nichts gesagt“,
behauptet Niznanksy. Auch von anderen habe er nichts gehört. Außerdem sei
„Edelweiß“ zu dem Zeitpunkt nicht mehr in dem Tal gewesen. Auch an der
Erschießung der 18 jüdischen Flüchtlinge in einem Erdloch im Februar 1945
will er nicht beteiligt gewesen sein. „Das ist eine gemeine und niederträchtige
Lüge“, meint er und ringt dabei erstmals um Fassung. „Edelweiß“ habe
sich im April 1945 quasi selbst aufgelöst, nachdem sich die meisten Mitglieder
der Gruppe abgesetzt hätten, sagt Niznansky. Major Thun habe ihm vorher noch
eigenhändig das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen. „Er hat es mir einfach an
die Brust geheftet, ich weiß nicht warum. Ich habe weder in Russland noch bei
,Edelweiß‘ Heldentaten vollbracht.“ Der Prozess wird am 27. September
fortgesetzt.
Am 27. September 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
NS-Prozess
Kein dringender Tatverdacht mehr
Am dritten Tag im Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher
Ladislav Niznansky hat Anwalt Steffen Ufer dessen Freilassung gefordert.
Slowakische Zeugen scheuen unterdessen den Weg nach München.
Von Alexander Krug
Der wegen 164-fachen Mordes angeklagte mutmaßliche Kriegsverbrecher Ladislav
Niznansky soll nach dem Willen seines Verteidigers aus der Untersuchungshaft
entlassen werden. Anwalt Steffen Ufer beantragte gestern am dritten Prozesstag
die Aufhebung des Haftbefehls gegen Niznansky, da es keinen "dringenden
Tatverdacht" mehr gebe. Unterdessen scheint sich auch abzuzeichnen, dass
eine Vielzahl von slowakischen Zeugen nicht bereit ist, vor dem Münchner
Gericht auszusagen. Einer dieser Zeugen ist Jan Repasky, der als
"Kronzeuge" der Anklage gilt. Der heute 78-jährige Repasky soll
Mitglied der Einheit "Edelweiß" gewesen sein, die im Januar 1945 in
den Dörfern Ostry Grun, Klak und im Tal Ksina bei einem Massaker 164 wehrlose
Zivilisten ermordet haben soll. Repasky hatte in seinem eigenen Prozess 1962 -
bei dem er zu acht Jahren Haft verurteilt worden war - Niznansky als seinen
Hauptmann bezeichnet. Dieser soll damals befohlen haben, dass "keine
lebendige Seele aus dem Tal entkommen" dürfe. Anwalt Ufer zieht indes die
Glaubwürdigkeit Repaskys stark in Zweifel. Der "Kronzeuge" habe
mittlerweile vier verschiedene Aussagen zu dem Geschehen von damals gemacht.
Zuletzt, bei einer Vernehmung 2001, hatte Repasky behauptet, dass Niznansky bei
dem Massaker in Ostry Grun eigenhändig 20 Menschen mit einer Maschinenpistole
erschossen. Ufer präsentierte dem Gericht gestern eine Aussage von Repasky aus
dem Jahr 1993, die er "durch Zufall" von einem slowakischen Notar
erhalten habe. Darin hat Repasky versichert, er sei mit der Einheit
"Edelweiß" niemals in Ostry Grun und Klak gewesen. Er sei bei seinem
Prozess 1962 von den Ermittlern zu dieser Aussage "quasi durch Folter genötigt"
worden. Angesichts der unterschiedlichen Angaben Repaskys forderte Ufer,
Niznansky auf freien Fuß zu setzen. Von Verdunklungs- oder gar Fluchtgefahr könne
bei einem 86-jährigen Angeklagten schließlich nicht die Rede sein. Die
Staatsanwaltschaft will in den nächsten Tagen zu dem Antrag Stellung nehmen.
Probleme haben die Ankläger auch mit der Bereitschaft potentieller Zeugen zur
Aussage. Repasky selbst war gestern als Zeuge geladen, hat aber wegen Krankheit
abgesagt. Angeblich soll er in seiner Heimat gegenüber slowakischen
Journalisten geäußert haben, er sei nicht mehr daran interessiert, dass
Niznansky verurteilt werde. Auch andere Zeugen, unter ihnen angeblich auch Überlebende
des Massakers, scheuen offenbar den beschwerlichen Weg nach München. Um die
Zeugen doch noch zu befragen, könnte die Kammer selbst in die Slowakei reisen,
was jedoch erhebliche rechtliche Probleme aufwirft, da deutsche Richter dort
kein eigenes Fragerecht haben. Möglich wäre auch ein Vernehmung per
Videoschaltung, wie es schon einmal in einem anderen Fall vom Schwurgericht
praktiziert wurde. Immerhin: Ein Zeuge wird für Dienstag kommender Woche
erwartet. Er soll Mitglied bei "Edelweiß" gewesen sein.
Am 5. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Niznansky-Prozess
Ich wollte nicht die Todesstrafe bekommen
Ein slowakischer Zeuge hat sein Geständnis von 1962 widerrufen. Damals
hatte er Niznansky schwer beschuldigt. Er sei erpresst und gefoltert worden,
behauptet er nun.
Von Alexander Krug
Er ist der einzige Zeuge, der bereit ist, den Weg aus der Slowakei ins Münchner
Schwurgericht anzutreten. Oldrich Vystavel, 81, betritt den Sitzungssaal, nickt
dem wegen Mordes in 164 Fällen angeklagten Ladislav Niznansky kurz zu und gibt
dann bereitwillig Auskunft. Im Kernpunkt lautet sein Aussage: Er kenne Niznansky
kaum, war nicht an den Massakern 1945 in Ostry Grun und Klak beteiligt und überhaupt
sei alles eine "Legende", die von den slowakischen Ermittlern in den
60-er Jahren konstruiert worden sei, um Schuldige zu präsentieren. Vystavel war
nach eigener Aussage etwa im Oktober 1944 zu der Einheit "Edelweiß"
gestoßen, deren slowakische Abteilung Niznansky leitete. Er sei dort nicht
freiwillig, sondern auf "Druck" eingetreten. "Man sagte uns, dass
wir andernfalls der Gestapo übergeben werden." Er sei hauptsächlich als
"Fahrer" eingesetzt worden und "Bursche" von "Edelweiß"-Kommandant
Major Erwein Graf Thun-Hohenstein gewesen. Weihnachten 1944 habe ihn der
Offizier beauftragt, Geschenke an dessen Kinder in Budweis zu überbringen.
Danach habe er sich abgesetzt. In Ostry Grun, Klak und Ksina sei er nie gewesen,
von den Massakern habe er erst später erfahren. 1962 klang das noch ganz
anders. Die Richter halten ihm Vernehmungsprotokolle von slowakischen Ermittlern
aus den 60-er Jahren vor, in denen er seine Teilnahme eingestand. Damals hatte
er Niznanksy als überzeugten Nationalisten und "grobe und gewalttätige"
Persönlichkeit geschildert, die "nur auf Karriere aus" gewesen sei.
Damals hatte er auch berichtet, wie "Edelweiß" im Januar 1945 die Dörfer
Ostry Grun und Klak im Morgengrauen "umzingelt" habe. Sie seien aus
einem Haus von Partisanen beschossen worden, daraufhin habe die Einheit das
Feuer erwidert. "Unter den erschossenen Personen waren sowohl Partisanen
als auch Zivilisten", hatte Vystavel seinerzeit gestanden. "Da wurde
eine Legende geschaffen". Der 81-Jährige lacht , wenn er heute an dieses
"Geständnis" erinnert wird. "Da wurde eine Legende
geschaffen" behauptet er. Er sei 1962 zum Bezirksgericht in Banska Bystrica
"gelockt" und dort brutal verhört worden. "Sie haben mich plötzlich
beschuldigt, dass ich wehrlose Menschen erschossen habe. Das war einfach nicht
wahr." Die Vernehmungsbeamten hätten ihn gefoltert und schließlich habe
er gestanden. "Ich habe Formulierungen akzeptiert, denn es ging darum,
nicht die Todesstrafe zu bekommen." Er habe den Ermittlern deshalb Episoden
aus früheren Einsätzen erzählt und sie einfach auf die konkreten Vorwürfe übertragen.
Tatsächlich aber sei er nie in den fraglichen Orten gewesen. Außerdem sei
seine Unterschrift auf verschiedenen Protokoll gefälscht worden. Vystavel war
im November 1962 wegen seiner Teilnahme an verschiedenen Mordaktionen von
"Edelweiß" zu 15 Jahren Haft und "Verlust aller Ehrentitel und
Auszeichnungen" verurteilt worden. Wie viele andere ehemalige slowakische
Mitglieder von "Edelweiß" kämpft auch er noch heute um seine
Rehabilitierung. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.
Am 11. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Niznansky-Prozess
Es war Krieg, mein Gott, es war Krieg
Der Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky
droht zu einem Verwirrspiel zu werden. Der Hauptbelastungszeuge Jan
Repasky, 79,
hat gestern seine früheren Aussagen zunächst deutlich abgeschwächt. „Ich
kann nicht behaupten, ob er geschossen hat oder nicht“, entlastete der Zeuge
den Angeklagten. Später schwenkte er wieder um und belastete Niznansky schwer.
Von Alexander Krug
Die Zeugenaussage Repaskys war mit Spannung erwartet worden, weil er bislang
der einzige ist, der in den Vorermittlungen den Angeklagten konkret belastet
hatte. Niznansky ist angeklagt, im Januar und Februar 1945 in drei slowakischen
Dörfern mit der Einheit „Edelweiß“ insgesamt 164 Menschen getötet zu
haben. Repasky war damals Mitglied der slowakischen Abteilung von „Edelweiß“
unter dem Kommando von Niznansky. Man habe sie ihn diese Einheit gelockt mit dem
Versprechen, nur Brücken, Tunnels und Straßen bewachen zu müssen, so der
damals 19-jährige. Plötzlich hieß es, sie müssten gegen Partisanen kämpfen:
„Man hat uns benutzt.“ Repasky wurde im Rollstuhl in den Sitzungssaal
geschoben, nachdem der sich überraschend doch noch zu einer Aussage in München
bereit erklärt hatte. Ursprünglich hatte er die Reise abgelehnt, seine
Vernehmung sollte daher per Video-Konferenzschaltung erfolgen. Der 79-Jährige,
der nach dem Krieg bei der Eisenbahn arbeitete, machte einen mitunter verwirrten
Eindruck und verwechselte immer wieder Namen, Orte und Daten. 1962 war Repasky
von einem slowakischen Gericht zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Damals
hatte er gestanden, an den Massakern beteiligt gewesen zu sein. Niznansky habe
befohlen, dass „keine lebendige Seele entkommen“ dürfe. Bei einer erneuten
Vernehmung im Dezember 2001 durch eine slowakische Staatsanwältin hatte er
diese Aussage präzisiert und erklärt, dass Niznansky in Ostry Grun eigenhändig
mit einer Maschinenpistole 20 Menschen erschossen habe. Von diesen Aussagen rückte
Repasky gestern zunächst wieder ab. Seine eigene Person schonte er dabei nicht.
Er bestätigte, dass „Edelweiß“ für die Massaker in Ostry Gun und Klak
verantwortlich war. Mit dabei soll auch eine Gruppe deutschstämmiger Bewohner
aus der Umgebung gewesen sein, der so genannte deutsche Heimatschutz. „Ich
habe selber gesehen, wie geschossen wurde.“ Auch er selbst habe gefeuert und
dabei Menschen getötet. „Ich kann mich aber nicht erinnern, wie viele es
waren.“ Er habe tote Männer, Frauen und Kinder auf den Straßen gesehen, die
Häuser seien danach in Brand gesteckt worden. „Es hieß, wenn wir nicht schießen,
werden wir erschossen“, sagte Repasky. Wer das gesagt habe, wollte der Richter
wissen. „Na, der da“, erwiderte Repasky und nickte kurz in Richtung des
Angeklagten. „Auch er war dort, mein Gott, mein Gott.“ Wenig später jedoch
revidierte er diese Aussage und meinte, er wisse „nicht hundertprozentig“,
ob Niznansky in den Dörfern dabei war. Warum er selbst denn Menschen getötet
habe, hakte der Richter nach. „Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es
war Krieg, es war Krieg!“ Am Nachmittag schwenkte der Zeuge plötzlich wieder
um. „Es ist schon wahr, dass er geschossen hat. Wie viele er getötet hat, weiß
ich nicht“, meinte Repasky plötzlich, „ich habe sie nicht gezählt.“ Auf
Nachfragen der Richter behauptete er nun, dass außer Niznansky auch der
deutsche Befehlshaber von „Edelweiß“, Major Erwein Graf Thun-Hohenstein,
geschossen habe. Seine Gruppe habe den Befehl bekommen, aufzupassen, damit
niemand aus dem Dorf entkomme. Repasky ist bislang der einzige, der seine
Teilnahme an den Massakern zugibt. Alle anderen mutmaßlichen Edelweiß-Mitglieder
haben bisher bestritten, überhaupt in den Dörfern gewesen zu sein. Er habe
damals gegen seinen eigenen Vater kämpfen müssen, so Repasky, der sei nämlich
Mitglied bei den Partisanen gewesen. Ein Pfarrer habe ihm ausdrücklich
versichert, es sei keine Sünde, auf den eigenen Vater zu schießen. Die
Erinnerung daran ließ den Zeugen schaudern: „Es wäre am Besten gewesen, ich
hätte mir eine Kugel in den Kopf geschossen.“ Die Vernehmung Repaskys wird
fortgesetzt.
Am 11. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Interview zum Prozess
Ein Akt der Selbstreinigung
Ein Gespräch mit Joachim Riedel von der Zentralstelle zur
Fahndung nach Nazi-Verbrechern über den Sinn des
Niznansky-Prozesses.
Von Stephan Handel
SZ: Herr Riedel, das Verfahren gegen Ladislav Niznansky beschäftigt München.
Wird das der letzte große Nazi-Prozess sein?
Riedel: Das wage ich nicht zu sagen. Im Augenblick ist noch mindestens eine
Anklage bei der Staatsanwaltschaft anhängig. Ich will nicht ausschließen, dass
in diesem oder im nächsten Jahr weitere Anklagen erhoben werden. Es geht um
Massaker in Italien und in Griechenland.
SZ: Das Niznansky-Verfahren ist ja auch deswegen in Gang gekommen, weil die
Slowakei kooperiert hat. Hat sich Ihre Arbeit nach dem Ende des Kalten Krieges
verändert?
Riedel: Nein, nur erweitert. Wir sind jahrelang durch den West-Ost-Konflikt
behindert worden. Das waren teilweise außenpolitische Gründe, deretwegen uns
die Bundesregierung regelrecht ausgebremst hat. Nach dem Fall der Mauer stand
zunächst im Vordergrund die Auswertung der Stasi-Materialien. Nachdem diese
Arbeit im wesentlichen erledigt ist, kommen jetzt auch weitere Archive des
ehemaligen Ostblocks ins Visier.
SZ: Beweisnot, fehlende Zeugen, mangelhafte Erinnerungen – welchen Sinn hat
es, diese Verbrechen nach 60 Jahren noch vor Gericht zu bringen?
Riedel: Es geht ja, unter Verjährungs-Gesichtspunkten, ausschließlich um die
Taten, die als Mord qualifiziert werden müssen. Wir können überhaupt nur noch
die schlimmsten, die scheußlichsten Verbrechen verfolgen, aber da erfordert
auch die Gerechtigkeit, dass wir zumindest versuchen, den Sachverhalt aufzuklären,
die Täter zu benennen und zu einem Schuldspruch zu gelangen, wenn das möglich
ist.
SZ: Steht nicht zu befürchten, dass ein eventueller Freispruch aus Mangel an
Beweisen größeren Schaden anrichtet, als wenn man die Sache auf sich hätte
beruhen lassen?
Riedel: Das ist unser tägliches Schicksal bei der Strafjustiz. Darin sehe ich
keinen Schaden. Die Chance zu Verurteilungen besteht ja. Es ist in den letzten
Jahren gelungen, bis zu Verurteilungen zu gelangen, und diese Möglichkeit sehe
ich immer noch – trotz der langen Zeit, die vergangen ist.
SZ: Interessierte Kreise könnten versuchen, einen Freispruch propagandistisch für
sich zu nutzen.
Riedel: Sicherlich, aber ich sehe die größere Aufgabe darin zu versuchen, das
aufzuarbeiten, was geschehen ist, was den deutschen Namen auf Jahrzehnte in den
Dreck gezogen hat. Alleine schon, dass das bis zum Gericht gebracht wird, ist
ein erheblicher Akt der Selbstreinigung.
Am 12. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Zeugenaussage im Niznansky-Prozess
Nicht nur Schmuckstück
Das Mitglied der Einheit "Edelweiß" schildert weitere Details
des Massakers in den Dörfern Ostry Grun und Klak. Auch Niznansky habe Schüsse
abgegeben.
Von Alexander Krug
Es müssen schreckliche Szenen gewesen sein, damals im Januar 1945 in den Dörfern
Ostry Grun und Klak. "Ich habe die Leichen gesehen, es waren viele. Da wo
sie der Schuss getroffen hat, blieben sie liegen." Im Prozess gegen den
mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky hat der Hauptbelastungszeuge
Jan Repasky gestern weitere Details des Massakers preisgegeben. Gleichzeitig
belastete er den Angeklagten schwer. "Auch er hat Schüsse abgegeben, ich
habe es genau vor Augen." Repasky stiftete jedoch wie schon am ersten Tag
seiner Vernehmung Verwirrung, weil er Namen und Daten verwechselte. Ob seine
Aussagen für einen Schuldspruch reichen, scheint mehr als fraglich zu sein. Er
habe damals den Befehl bekommen, niemanden aus den Dörfern entkommen zu lassen.
Die Bewohner seien zusammengetrieben worden, "es war, wie wenn man Tiere
einschließt - wie in einem Gatter." Leute aus der Einheit "Edelweiß"
hätten die Häuser geplündert und das Vieh gestohlen. "Die Bewohner haben
sich mit Mistgabeln gewehrt, Waffen hatten sie ja keine, mein Gott, mein
Gott." Das sage ich ihm hier ins Gesicht". Ob er Niznansky in dem Dorf
gesehen habe, fragte der Richter. "Na klar habe ich ihn gesehen, das sage
ich ihm hier ins Gesicht." Was der Angeklagte konkret gemacht habe, hakt
der Richter nach. "Er soll das sagen, was er gemacht hat", zeigte
Repasky in Richtung der Anklagebank. "Er war der Kommandeur, er war nicht
nur Schmuckstück." Gleichzeitig versicherte Repasky, dass etwa 60
Gefangene aus den Dörfern fortgeschafft worden seien. In früheren Aussagen
hatte er davon nichts gesagt. Niznansky reagierte auf die Aussagen mit keinem
Wimpernzucken. Er bestreitet, jemals in Ostry Grun gewesen zu sein. In Klak will
er an jenem Morgen nichts von einem Massaker gesehen haben. Als seine Einheit
das Tal verlassen habe, sei alles ruhig gewesen. Gestützt wurde diese
Behauptung in gewisser Weise gestern von einem weiteren Zeugen, der per Videoübertragung
aus seiner Heimatgemeinde dem Gericht zugeschaltet wurde. Jan Hruska war
ebenfalls Mitglied von "Edelweiß". Man habe sie damals mit
Versprechen in die Einheit gelockt, so der heute 80-Jährige. "Wir sollten
85 Kronen und zehn Zigaretten am Tag bekommen." Für ihn sei das viel Geld
gewesen, denn er sei aus einer "bettelarmen" Familie gekommen. Er habe
einige Einsätze mitgemacht, "ich wusste aber oft nicht, wohin wir ausrücken.
Eine "große Aktion" mit den Deutschen an der Spitze Ob er in Ostry
Grun oder Klak gewesen sei, könne er mit Sicherheit nicht mehr sagen. Er
erinnere sich aber an eine "große Aktion", bei der "die
Deutschen" die Spitze bildeten. Er selbst habe sich "weit hinten"
aufgehalten und nur wenig mitbekommen. "Ich weiß nicht, ob dort geschossen
wurde und wer geschossen hat." Als er in das Dorf kam, sei schon
"alles vorbei" gewesen. "Das haben nicht die slowakischen Jungs
gemacht", versicherte der Zeuge. Vor ihnen sei eine deutsche Einheit in dem
Tal gewesen. Dies habe er später von anderen Teilnehmern gehört. Dass der
Befehl zum Schießen von Niznansky gekommen sei, halte er für ausgeschlossen.
"Ich bezweifele das, da waren höhere deutsche Offiziere." Die Richter
sollten lieber beim Kommandeur der Einheit, Major Thun-Hohenstein, nachfragen,
so der Zeuge. "Das geht nicht, der ist schon tot", entgegnete der
Richter.
Am 13. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Zeuge im Niznansky-Prozess
Der Hauptschuldige war der Krieg
Ein ehemaliger slowakischer Staatsanwalt hat als Zeuge ausgesagt. Die Täter
tragen aber auch Schuld. Am Freitag entscheidet das Gericht, ob Niznansky aus
der Untersuchungshaft entlassen wird.
Von Alexander Krug
Sein Auftritt war mit Spannung erwartet worden: Erstmals hat gestern ein
ehemaliger slowakischer Staatsanwalt vor einem Münchner Gericht ausgesagt.
Martin Kovac, 71, wurde zu dem Ermittlungsverfahren befragt, das 1962 in der
damaligen Tschechoslowakei gegen den jetzt in München angeklagten mutmaßlichen
Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky lief. Niznansky war seinerzeit in
Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Kovac wehrte sich jetzt gegen Vorwürfe,
es habe sich damals um einen "kommunistischen Schauprozess" gehandelt.
"Niemand hat uns behindert, niemand hat von Außen in das Verfahren
eingegriffen", versicherte der Zeuge. Der heute 71-Jährige war damals als
"Neuling" in der Behörde und sei anfangs "ziemlich
unsicher" gewesen. Um 1960 herum habe er erstmals von den Vorwürfen gegen
Mitglieder der berüchtigten Gruppe "Edelweiß" gehört. Ein Angehöriger
der Truppe habe in einem Wirtshaus mit seinen Erlebnissen geprahlt, daraufhin
habe sich die Staatssicherheit eingeschaltet. Er habe insgesamt etwa 350
Mitglieder von "Edelweiß" ausfindig gemacht und Ermittlungen gegen
sie eingeleitet. Dass letztlich 1962 nur 14 Mitglieder verurteilt worden seien,
zeige, dass man nur "objektive" Beweise zugelassen habe. Viele
Verfahren seien eingestellt worden, weil man keine konkreten Tatumstände mehr
habe feststellen können. Selbst bei manchen Mord-Geständnissen habe man von
einer Ahndung abgesehen, weil man die Toten nicht mehr finden beziehungsweise
identifizieren konnte. "Es hat mich geärgert und befremdet, dass hier von
einem 'inszenierten Prozess' gesprochen wird", so Kovac. Eine Menge"
Taten gab es" Mehrere Angehörige von "Edelweiß" hätten sich
damals "sehr geschämt" über ihre Taten, von denen es "eine
Menge" gab. An ihrer Schuld bestehe kein Zweifel, so Kovac, "aber der
Hauptschuldige war der Krieg. Wenn es ihn nicht gegeben hätte, müsste man sich
hier an keine Gräber, Namen oder Leiden erinnern." Verteidiger Steffen
Ufer forderte unterdessen erneut, den Haftbefehl gegen Niznansky aufzuheben. Es
gebe in Jan Repasky bislang nur einen einzigen Zeugen, der ihn belastet habe.
Und Repasky habe sich in seiner drei Tage andauernden Vernehmung als absolut
unzuverlässig erwiesen, habe Namen und Orte verwechselt und "objektiv
falsche Angaben" gemacht. Ein Gutachter bestätigte gestern, dass es begründete
Zweifel an Repaskys Glaubwürdigkeit gebe. Niznansky werde in wenigen Tagen 87
Jahre alt und für ihn "zählt jeder Tag" in Freiheit, meinte Ufer
daraufhin. Die Staatsanwaltschaft habe sich zu sehr auf die
Ermittlungsergebnisse von 1962 gestützt, und "das war eine Fehleinschätzung".
Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer widersprach dieser Darstellung vehement. Der
Haftbefehl sei immer wieder von verschiedenen Gerichtsinstanzen bestätigt
worden, er gehe daher auch weiterhin von einem "dringenden
Tatverdacht" gegen den Angeklagten aus. Außerdem bestehe bei Niznansky
noch immer "Fluchtgefahr", da er "mobil" sei und über
"Vermögen verfügt, um im Ausland zu leben". Das Gericht wird
voraussichtlich am Freitag entscheiden, ob Niznansky aus der Untersuchungshaft
entlassen wird.
Am 15. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Niznansky-Prozess
Wenn nicht mehr Wahrheit zu finden ist
Wende im Münchner Prozess um NS-Massaker: Nach widersprüchlichen
Aussagen des Kronzeugen hat das Gericht den Haftbefehl gegen Ladislav Niznansky
aufgehoben. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr. Mit einem Lächeln
verließ der mutmaßliche Kriegsverbrecher den Gerichtssaal.
Von Michael Nienaber
"Ich habe immer gesagt, ich bin unschuldig"
- der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky mit seiner Ehefrau.
Foto: dpa |
Im Münchner Kriegsverbrecherprozess um Massaker in der
Slowakei hat das Schwurgericht den Haftbefehl gegen den 86-jährigen
Ladislav Niznansky aufgehoben. Nach rund neun Monaten
Untersuchungshaft kam der wegen mehrfachen Mordes angeklagte
Deutsche noch am Freitag frei. Nach dem derzeitigen Stand der
Verhandlung könne nicht mehr von einem dringenden Tatverdacht
ausgegangen werden, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl.
"Das bedeutet, dass Sie heute auf freien Fuß kommen",
erklärte er an Niznansky gerichtet. Tatverdacht bestehe aber
weiterhin. Zusammen mit seiner Ehefrau verließ der mutmaßliche
Kriegsverbrecher lächelnd den Gerichtssaal. "Ich habe von
Anfang an gesagt, ich bin unschuldig", sagte Niznansky im
Gespräch mit sueddeutsche.de. Die Entlassung aus der
Untersuchungshaft sei eine große Erleichterung, fügte er
hinzu. Für ihn sei die Entscheidung des Richters ein
Vorzeichen, dass nun doch noch alles gut ausgehen werde. Der gebürtige
Slowake Niznansky ist seit 1996 deutscher Staatsbürger und
feiert in neun Tagen seinen 87. Geburtstag. Die
Staatsanwaltschaft wirft Niznansky vor, als führendes Mitglied
der Einheit "Edelweiß" Anfang 1945 für den Tod von
164 Zivilisten verantwortlich gewesen zu sein. Er selbst soll
eigenhändig 20 Menschen erschossen haben. Unter den Opfern
befand sich auch eine Gruppe jüdischer Flüchtlinge. Der
Hauptbelastungszeuge Jan Repasky, der damals der Einheit angehörte,
hatte allerdings vor Gericht widersprüchliche Aussagen gemacht.
Bei seiner mehrtägigen Befragung verwechselte der Slowake immer
wieder Namen und Orte. Ein Gerichtspsychologe attestierte dem
79-jährigen Kronzeugen Erinnerungslücken auf Grund seines
hohen Alters. Richter Götzl sagte am Freitag, Repasky habe auch
seine vorherigen Aussagen nicht aufrechterhalten, wonach er
selbst gesehen habe, dass Niznansky eigenhändig 20 Menschen getötet
habe. Niznansky hatte während der Verhandlung immer wieder
seine Unschuld beteuert. Ein tschechoslowakisches Gericht hatte
ihn dagegen 1962 in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Damalige
Mitangeklagte sagten jedoch, dass Aussagen und Geständnisse
erpresst worden seien. Niznanskys Verteidiger Steffen Ufer
sprach am Freitag von einer Signalwirkung für den
Prozessausgang. Er rechne mit einem klaren Freispruch für
seinen Mandanten. "Am Ende werden wir feststellen: Wenn
nicht mehr Wahrheit zu finden ist, stößt auch die Justiz an
ihre Grenzen", sagte Ufer mit Hinblick auf die
Schwierigkeit, NS-Gräultaten 60 Jahre nach Ende des Zweiten
Weltkrieges aufzuklären. Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer
verwies jedoch darauf, dass die Beweisaufnahme noch lange nicht
abgeschlossen sei. Die Aufhebung des Haftbefehls sei daher nur
eine Momentaufnahme. "Ich persönlich schließe nicht aus,
dass sich der Prozess noch bis ins nächste Jahr hinziehen
wird", sagte Kuchenbauer. Ursprünglich war der 29. Oktober
als letzter Verhandlungstermin angesetzt worden. Aufgrund der
schwierigen Rahmenbedingungen wie der Entfernung von
slowakischen und tschechischen Zeugen sowie der lange zurückliegenden
Tatzeit der Massaker ist mit einem Richterspruch nun erst frühestens
im November zu rechnen.
Am 17. Oktober 2004 berichtete der 'Bayerische Rundfunk':
Gericht setzt Niznansky auf freien
Fuß
Der als Kriegsverbrecher angeklagte Ladislav Niznansky wird aus der
Untersuchungshaft entlassen. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, teilte
das Schwurgericht München mit. Die Staatsanwaltschaft hatte sich gegen eine
Entlassung Niznanskys ausgesprochen. Sie sieht weiterhin Fluchtgefahr. Der
Prozess wird wie geplant fortgesetzt.
Von einem dringenden Tatverdacht gegen den des Mordes in 164 Fällen
angeklagten Niznansky "kann nach dem derzeitigen Stand des Verfahrens nicht
mehr ausgegangen werden", begründete Vorsitzender Richter Manfred Götzl
den Beschluss der Kammer. Niznansky verließ den Gerichtssaal in Begleitung
seiner Ehefrau, um in seine Wohnung im Münchner Stadtteil Neuperlach zurückzukehren.
Der 86-Jährige saß seit Januar dieses Jahres in Untersuchungshaft. Der
Angeklagte sei zwar nach wie vor verdächtig, betonte Götzl. Staatsanwalt
Konstantin Kuchenbauer hält die Aufhebung des Haftbefehls nicht für eine
Vorentscheidung über den Prozessausgang: "Diese Ansicht ist verfrüht",
erklärte der Vertreter der Anklage. "Ich bin sehr erleichtert", sagte
Niznansky vor laufender Kamera. Zugleich beteuerte er erneut seine Unschuld.
Niznanskys Verteidiger Steffen Ufer bezeichnete die Haftentlassung als
"logisch". Ohne Zweifel sei sein Mandant in die damaligen Vorfälle
verstrickt - ob dies aber schuldhaft geschehen sei, lasse sich nach fast 60
Jahren kaum noch klären.
Zeuge nimmt frühere Aussagen zurück
Im Laufe des Prozesses hatte der Hauptbelastungszeuge Jan
Repasky mehrfach frühere Aussagen zurückgenommen und sich in
Widersprüche verwickelt. Er könne sich nicht mehr erinnern, so
der 79-Jährige vor dem Münchner Gericht. Der psychologische
Sachverständige erklärte, Repasky lüge nicht, leide aber
unter altersbedingten Erinnerungslücken. Seine Wahrnehmung sei
pauschal und undifferenziert. "Er füllt die Lücken mit
anderen, mehr oder weniger plausiblen Inhalten. Das ist ein
durchgängiger Befund." Die Staatsanwaltschaft wirft dem
Angeklagten vor, 164 Zivilisten getötet zu haben. Er soll die
Verbrechen als Mitglied der "Abwehrgruppe 218 Edelweiß"
begangen haben. Diese Einheit war unter deutscher Leitung gegründet
worden, um in der Slowakei Partisanen zu bekämpfen. Der heute
86 Jahre alte Niznansky sei Kommandant der slowakischen
Abteilung in der Abwehrgruppe gewesen. Laut Kuchenbauer war die
"Kampfführung der Abwehrgruppe 218 'Edelweiß' durch
besondere Hinterlist und Brutalität gekennzeichnet."
Rachefeldzug gegen die Dorfbevölkerung
 |
| Luftaufnahme des
slowakischen Dorfes Ostry Grun 1945 |
Als die "Edelweiß"-Gruppe am 21. Januar 1945
zu den kleinen Orten Ostry Grun und Klak zog, um die dortige Bevölkerung
wegen ihrer angeblichen Unterstützung von Partisanen auszulöschen,
soll Niznansky befohlen haben, "dass keine lebendige Seele
entkommen dürfe", so Kuchenbauer. Dies hatte Repasky bei
einer Gerichtsverhandlung 1962 im slowakischen Banska Bystrika
ausgesagt. Damals wurde er zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.
Bei einem Antrag auf Revision seines Urteils 1993 hatte er
dagegen erklärt, er sei in Ostry Grun gar nicht dabei gewesen.
Jüngstes Opfer war ein dreimonatiges Baby
Bei den Massakern in den beiden Dörfern wurden in Ostry Grun 62 Personen -
darunter 23 Frauen und 15 Kinder - und in Klak 84 Personen - darunter 25 Frauen
und 33 Kinder - ermordet. Im Gerichtsaal herrschte zum Prozessauftakt
betroffenes Schweigen, als der Staatsanwalt die Namen und Geburtsdaten aller
Opfer einzeln vorlas. Das jüngste Opfer war ein drei Monate altes Baby namens
Jozefina, das älteste Opfer ein 79 Jahre alter Mann.
Niznansky: KZ oder Mitglied der Gruppe"Edelweiß"
Niznansky selbst erklärte im Prozess, er sei unschuldig. Er
lieferte eine detaillierte Beschreibung seines persönlichen
Werdegangs sowie seiner militärischen Laufbahn in der
slowakischen Armee. Danach war er zunächst als Berufssoldat an
der Vorbereitung des slowakischen Aufstandes gegen die deutsche
Besatzung beteiligt. Nachdem der Aufstand gescheitert war, sei
er vor die Wahl gestellt worden, sich an der Bekämpfung von
Partisanen zu beteiligen oder in ein KZ-ähnliches Arbeitslager
gebracht zu werden. Daraufhin habe er sich der Gruppe
"Edelweiß" angeschlossen. Sein Verteidiger Steffen
Ufer unterstrich, dass Niznansky nicht an den drei Massakern
beteiligt gewesen sei. Der gebürtige Slowake Niznansky, der
seit 1996 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wurde im
Januar in München festgenommen. Dort lebte er mit seiner Frau
33 Jahre lang unauffällig in einer Eigentumswohnung. Ein Urteil
in diesem Prozess wird für Ende Oktober erwartet.
Geschichtlicher Hintergrund
Die Slowakei hatte in Absprache mit dem Deutschen Reich im März 1939 kurz
vor dem deutschen Einmarsch in Böhmen und Mähren ihre Autonomie erklärt und
sich unter deutschen Schutz gestellt. Doch der Staat, der unter anderem von
Polen und auch der UdSSR anerkannt wurde, war nur ein Vasallenstaat des
Deutschen Reiches. Vor allem, als sich die slowakische Regierung am
nationalsozialistischen Programm der Judenverfolgung beteiligte, wuchs der
Widerstand in der Bevölkerung gegen die eigene Regierung. Ende August 1944 kam
es zum Aufstand in der Slowakei, der zunächst auch erfolgreich war. Doch die
slowakische Regierung rief die deutsche Wehrmacht zu Hilfe. Bis dahin war die
Slowakei nicht von der Wehrmacht besetzt. Der Aufstand wurde im Oktober 1944
niedergeschlagen. Viele Partisanen zogen sich in die Berge zurück und kämpften
dort gegen die deutschen Besatzer. SS und Wehrmacht nahmen schreckliche Rache an
der Zivilbevölkerung, zündeten Bergdörfer an, verschleppten oder ermordeten
die Bewohner. Vor diesem Hintergrund fanden auch die Massaker in den
slowakischen Dörfern Ostry Grun, Klak und Ksinna statt.
Am 19. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Zwölfter Prozesstag
Historiker entlastet Niznansky
Ein slowakischer Museumsleiter attestiert dem
Angeklagten, er habe damals als Dolmetscher gearbeitet. Somit
habe der mutmaßliche Kriegsverbrecher nur Befehle übersetzt
- nicht erteilt.
Von Alexander Krug
Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky ist von einem
slowakischen Historiker zum Teil entlastet worden. Jan Stanislav, Leiter des
Museums des slowakischen Nationalaufstandes in Banska Bystrica, gab gestern am
zwölften Prozesstag sein Gutachten ab. Aufgrund von Aussagen stehe wohl fest,
dass Niznansky bei den Einsätzen gegen die Dörfer Ostry Grun und Klak dabei
gewesen sei. Er habe jedoch nur Befehle seiner deutschen Vorgesetzten übersetzt
und nie eigene erteilt. Stanislav musste jedoch konzedieren, dass er einen Großteil
ausländischer Quellen bisher nicht auswerten konnte. Niznansky ist angeklagt,
an Massakern in drei slowakischen Dörfern im Januar und Februar 1945
teilgenommen zu haben, bei denen insgesamt 164 Menschen ermordet wurden. Als
Hauptmann befehligte er eine 131 Mann starke slowakische Abteilung innerhalb der
Einheit "Edelweiß", die zur Partisanenbekämpfung eingesetzt wurde.
Nach dem Gutachten des Historikers war der Einsatz lange vorbereitet worden und
eine Reaktion auf die Erschießung von einigen Vertretern der
deutsch-freundlichen Hlinka-Partei gewesen. Stanislav betonte, dass
"Edelweiß" nicht nur aus einer slowakischen, sondern auch aus einer
kaukasischen (moslemisch geprägten) und einer kosakischen Abteilung bestand,
deren Tätigkeit bislang nur wenig erforscht sei. Diese etwa 100 Männer seien
"besonders professionell" gewesen und hätten dem Edelweiß-Kommandeur
Major Erwein Graf Thun-Hohenstein direkt unterstanden. Vor allem diese Männer hätten
sich an den Massakern beteiligt, vermutet Stanislav. Die slowakische Abteilung
habe sich fast alles aus Katholiken rekrutiert, viele hätten daher nach jeder
Aktion eine Beichte abgelegt. Ihn habe stutzig gemacht, dass die Kirche in Klak
zerstört worden sei. Dies sei ein klares Indiz für die Täterschaft der
moslemischen Abteilung. Stanislav erwähnte auch die bislang unbekannten
Aussagen von vier Angeklagten in einem Prozess 1963 in der Slowakei. Die Männer
hatten damals übereinstimmend ein Massaker an 18 Juden geschildert, die sich
bei Ksina in einem Erdloch versteckten, aufgespürt und hingerichtet wurden. Der
Befehl dazu sei ausdrücklich von Graf Thun-Hohenstein gekommen, so Stanislav.
"Keiner hat Niznansky erwähnt." Über die moralische Verantwortung
Niznanskys wurde indes heftig gestritten. Der Angeklagte hatte geltend gemacht,
1944 unter Todesdrohungen zum Eintritt in die Einheit "Edelweiß"
gezwungen worden zu sein. Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer hielt ihm jedoch
mehrere Dokumente vor, wonach es keinen Zwang gab. Niznansky selbst hatte bei
einer Vernehmung 1965 in München erklärt, er sei aufgrund seiner Verdienste für
die Wehrmacht im Russlandfeldzug ausgewählt worden. Sein slowakischer Vorgänger
war von den Deutschen abgesetzt worden, weil er offenbar Skrupel hatte, gegen
Landsleute zu kämpfen. Der Prozess wird am 28. Oktober fortgesetzt.
Am 28. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':
Niznansky-Prozess
Schauprozess mit Drehbuch
Der Anwalt des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Niznansky
hat geheime Unterlagen präsentiert. Das Verfahren gegen die
Mitglieder von "Edelweiß" im Jahr 1962 wurde wohl
vom Zentralkomitee gesteuert.
Von Alexander Krug
Im Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky
droht ein wichtiger Baustein der Anklage endgültig
wegzubrechen. Es handelt sich dabei um den Prozess von 1962 in
der Slowakei, bei dem 14 Mitglieder der berüchtigten
Sondereinheit "Edelweiß" nach Geständnissen
verurteilt wurden, unter ihnen auch Niznansky, der in
Abwesenheit die Todesstrafe erhielt. Nach neuen Unterlagen, die
Verteidiger Steffen Ufer gestern dem Gericht vorlegte, wurde der
Prozess offenbar von oberster Stelle regelrecht dirigiert. Ufer
präsentierte die Kopie eines als "streng geheim"
deklarierten Berichts von einer Sitzung des Zentralkomitees der
Kommunistischen Partei (KP) der Slowakei vom Oktober 1962. Darin
wurde einen Monat vor Prozessbeginn in Banska Bystrica gegen die
"Edelweiß"-Mitglieder dessen Ablauf penibel
festgelegt. Alle Richter und Staatsanwälte gehörten der KP an,
außerdem die Mehrzahl der bestellten Verteidiger. Angeregt
wurde auch, das Oberste Gericht direkt nach Banska Bystrica zu
verlegen, um umgehend auf mögliche prozessuale Beschwerden der
Angeklagten reagieren zu können. Das Gericht tagte damals vom
12. bis 22. November 1962. Die letzten beiden Tage waren für
die Urteilsberatung vorgesehen. Ausgerechnet für den 21.
November ordnete die KP eine "Besprechung" aller am
Prozess Beteiligten an. Dabei sollten sie "Instruktionen über
eine wirksame Auswertung des Prozesses" im In- und Ausland
erhalten. Für Anwalt Ufer steht damit zweifelsfrei fest, dass
es sich um einen "Schauprozess mit Drehbuch" handelte.
Auch die Richter des Schwurgerichts äußerten erhebliche
Bedenken. "Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die
Partei den Prozess gesteuert hat", formuliert es Richter
Alfred Tüting. Davon jedoch will der Zeuge nichts wissen.
Martin Kovac, 71, war damals Staatsanwalt in Banska Bystrica und
ist zum zweiten Mal aus der Slowakei als Zeuge angereist. Er
betont erneut, dass es seinerzeit keinerlei Einflüsse von außen
gegeben habe, die vorgelegten Dokumente seien ihm völlig neu.
"Ich höre das hier zum ersten Mal", so Kovac. Er sei
bei dieser Besprechung am 21. November nicht dabei gewesen, im
Übrigen handele es sich bei dem Dokument lediglich um eine
"Anweisung", wie der Prozess progagandistisch
auszuwerten sei. "Es ging um die mediale Nutzung des
Verfahrens", sagt der Zeuge, alles andere sei
"irrelevant". Kovac betont, dass es Anfang der 60er
Jahre in der Tschechoslowakei einen "neuen Geist"
gegeben habe. "Fehler" der früheren Jahre seien
beseitigt worden, beispielsweise sei die Strafprozessordnung
modifiziert worden. Die Ermittlungsorgane seien deshalb direkt
der Staatsanwaltschaft unterstellt und von ihr kontrolliert
worden. Kovac spricht damit die Vorwürfe ehemaliger Angeklagter
an, die behaupteten, 1962 mit Drohungen und Folterungen zu Geständnissen
gezwungen worden zu sein. Er könne sich an keine Verstöße in
dieser Richtung erinnern, meint Kovac. "Ich habe nie
eingreifen müssen." Der Prozess wird am Freitag mit der
Vernehmung einer slowakischen Staatsanwältin fortgesetzt.
Am 29. Oktober 2004 berichtete 'Yahoo Nachrichten':
Überlebende vor Zeugenaussage im
Niznansky-Prozess
München (AP) Im Münchner Kriegsverbrecherprozess will
das Schwurgericht demnächst zwei slowakische Überlebende der
Massaker vom Januar 1945 als Zeugen hören. Per Videokonferenz
wollten sie am 18. und 19. November aussagen, gab das Gericht
am Freitag bekannt. In dem Prozess ist der 87-jährige
Ladislav Niznansky des Mordes an 164 Männern, Frauen und
Kindern angeklagt. Als Kommandeur der slowakischen Kompanie
der Wehrmachts-Abwehrgruppe Edelweiß soll er an drei
Massakern maßgeblich mitgewirkt haben. Die slowakische
Staatsanwältin Danka Zanovitova sagte am Freitag aus, bei
Vernehmungen 2001 hätten alle drei Überlebenden der Massaker
berichtet, dass die Täter deutsche Uniformen und Tarnanzüge
getragen hätten. Zwei Überlebende hätten deutsche und
slowakische Stimmen gehört, die dritte Überlebende nur
deutsche. Der Augenzeuge Frantisek Debnar sagte der
slowakischen Staatsanwältin zufolge, Edelweiß-Chef Major
Thun habe eigenhändig 64 Menschen erschossen. Bei dem
tschechoslowakischen Kriegsverbrecherprozess 1962 seien die
beiden überlebenden Frauen aber nicht als Zeugen gehört
worden. Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer erwartet, dass der
Prozess bis Frühjahr 2005 fortgesetzt wird. Das Gericht werde
wohl nach Slowenien reisen müssen, um alle Zeugen zu hören.
Möglich sei auch, dass slowakische Richter die Zeugen im
Beisein eines Münchner Richters verhörten.