Der Fall Niznansky

Freitag, 30. Juni 2006

 

Freispruch für Niznansky gültig

Die Staatsanwaltschaft München I hat ihre Revision gegen das Urteil des Schwurgerichts vom Dezember 2005 zurückgezogen. Der Freispruch für Niznansky ist damit rechtskräftig. Der 15-monatige Prozess war einer der aufwendigsten der Münchener Kriminalgeschichte. Der Angeklagte saß 9 Monate in Untersuchungshaft und erhält jetzt etwa 300 Euro Entschädigung

Quelle: Süddeutsche Zeitung

 

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Montag, 12. Dezember 2005

 

 

Freispruch für Niznansky

15 Monate lang musste sich der 88-jährige Ladislav Niznansky vor Gericht für den Vorwurf verantworten, 1945 an einem Massaker an Zivilisten beteiligt gewesen zu sein. Aus Mangel an Beweisen wurde der 88-jährige nun freigesprochen. Jetzt kann er mit Haftentschädigung rechnen.

Das Schwurgericht München I sah es nicht als erwiesen an, dass der heute 88-Jährige gegen Ende des Zweiten Weltkrieges für den Mord an 164 Zivilisten in der Slowakei mitverantwortlich war. Das Gericht sprach Niznansky außerdem eine Entschädigung für neun Monate Untersuchungshaft zu. Es folgte damit dem Antrag der Verteidigung.

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft verlangt. Niznansky trage als damaliger Kommandeur der slowakischen Kompanie in der Partisanenabwehrgruppe „Edelweiß“ Mitschuld an den Massakern.

„Der Angeklagte hat keine Erschießungen vorgenommen, es konnte auch nicht festgestellt werden, dass er den Befehl dazu gegeben hat“, fasste der Vorsitzende Richter Manfred Götzl die Ergebnisse des gut 15 Monate langen Prozesses zusammen.

Brandlegung und Körperverletzung verjährt

Es sei um den Vorwurf des Mordes gegangen, nicht um Brandlegung, Körperverletzung und andere Delikte. Diese Delikte wären inzwischen verjährt. Götzl wies zudem darauf hin, „dass es kaum noch Zeugen gibt, von denen das Gericht sich einen unmittelbaren Eindruck hätte machen können“.

Der Vorsitzende zweifelte auch die Unabhängigkeit eines Gerichtsverfahrens von 1962 in der damaligen Tschechoslowakei an, auf das sich Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer maßgeblich stützte. Selbst in diesem Verfahren sei im Laufe der Beweisaufnahme nicht festgestellt worden, dass einer der Angeklagten am Massenmord an Zivilisten beteiligt war.

Damals war Niznansky unter anderem wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Mehrere Zeugen hatten ihre damaligen Aussagen aber widerrufen, weil sie erzwungen worden seien.

Kuchenbauer hatte lebenslange Haft wegen gemeinschaftlichen Mordes verlangt und auch eine besondere Schwere der Schuld gesehen. Niznansky habe seiner slowakischen Kompanie den Befehl gegeben, „keine lebendige Seele“ dürfe entkommen.

Dorfbewohner entlasteten Niznanskys Einheit

Überlebende Dorfbewohner hatten aber SS- und Heimatschutz-Männer als Täter beschrieben. Niznansky hatte jede Beteiligung an Liquidierungen bestritten. Das Gericht hatte ihn bereits nach der Anhörung des vermeintlichen Hauptbelastungszeugen vor einem Jahr aus der Untersuchungshaft entlassen.

Bei den Massakern waren Anfang 1945 in den Dörfern Ostry Grun und Klak 146 Menschen, darunter 48 Frauen und 48 Kinder, ermordet worden. Wenig später wurden in Ksinna 18 Juden getötet.

Anwalt Steffen Ufer hatte in seinem Plädoyer argumentiert, sein Mandant habe keine Befehlsgewalt ausgeübt. Niznansky sei gar nicht in der Position gewesen, Tötungsbefehle zu geben. Ihn treffe keine strafrechtliche Schuld an den schrecklichen Massakern. Niznansky selbst hat stets seine Unschuld beteuert.

(dpa/AP)

 

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Freitag, 4. Februar 2005

 


Wie die Öffentlichkeit durch die Medien systematisch manipuliert wird

Am 19. Januar 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Massaker vor 59 Jahren

Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher in München festgenommen

Der ehemalige Kommandant einer slowakischen Hilfstruppe von Wehrmacht und SS hat jahrelang in München gewohnt. Er steht unter dem Verdacht der Ermordung von 164 Zivilisten Anfang 1945. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, war der heute 86-jährige Ladislav N. wegen dieser Taten bereits 1962 von einem tschechoslowakischen Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Ladislav N. sei Kommandant der Abteilung der Einheit „Edelweiß“ gewesen, die zur Partisanenbekämpfung in der Slowakei gebildet wurde. Im Januar 1945 sei er an dem Massaker in Ostry Grun und Klak beteiligt gewesen, bei dem 51 Kinder und 95 erwachsene Zivilisten ermordet worden seien. Die Menschen seien ohne konkreten Anlass getötet worden; es habe sich um eine reine Repressalie gehandelt, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Einen Monat später soll Ladislav N. In Ksina die Erschießung von 18 jüdischen Zivilsten befohlen haben, die sich in einem Erdbunker versteckt hatten. Sechs Opfer seien Kinder gewesen und acht Frauen. Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher hatte in München gewohnt und 1996 die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Nach einer Anfrage des slowakischen Justizministeriums ermittelte die Münchner Justiz seit 2001, bekam Einblick in slowakische und tschechische Gerichtsakten und Archive und war bei der Vernehmung von Zeugen anwesend. Ladislav N. wurde am Freitag in Untersuchungshaft genommen und soll jetzt vernommen werden. Die Ermittlungen seien praktisch abgeschlossen, sagte Schmidt-Sommerfeld.

Am 20. Januar 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Augenzeugen berichten

Das Grauen kam im Dämmerlicht

Das Grauen erreichte Klak und Ostry Grun auf den Tag genau vor 59 Jahren. Die Männer der deutschen Spezialeinheit „Edelweiß“ und der slowakischen Hlinka-Garde kamen am 21. Januar 1945 in die beiden mittelslowakischen Dörfer. Angeblich ging es ihnen um Partisanen, doch sie schonten weder Frauen noch Kinder.
Von Daniel Brössler

„Ich war nur zehn Jahre alt, doch dieser Tag hat sich mir in die Erinnerung eingebrannt“, vertraut die 70-jährige Anna Novakova aus Ostry Grun einer Reporterin der slowakischen Zeitung Sme an. „Es reißt mich noch heute aus dem Schlaf.“ Die Männer erschienen im Morgengrauen. „Sie trieben uns aus dem Haus. Ich sah, dass die Eltern Angst hatten.“ Zusammen mit den anderen Dorfbewohnern wurde die Familie zum Haus eines Nachbarn getrieben – es sollte der Ort des Massakers werden. Die kleine Anna wurde von ihrer älteren Schwester noch einmal nach Hause geschickt, um ihr etwas Warmes zum Anziehen zu holen. „Als ich zurückkam, hatte meine Schwester Tränen in den Augen. Sie sagte mir, dass sie die Sachen nicht mehr brauche. Ich wusste nicht, wie sie es meint.“ Dann sagte der Vater: „Schau nicht in den Hof.“ Dort fielen die ersten tot zu Boden. Schließlich kam die Reihe an Annas Familie. „Es begann das Schießen, und in meiner ungeheueren Angst habe ich nichts mehr wahrgenommen. Ich muss für eine Weile ohnmächtig geworden sein. Dann wurde ich wach von einem schrecklichen Brennen in den Beinen. Ich konnte nicht aufstehen, weil über mir andere Körper lagen. Ich wusste nur, dass meine Schwester Helenka neben mir liegt. Aus ihrem Mund floss das Blut.“ Anna flüsterte ihrer großen Schwester zu: „Wenn es ruhig wird und alle weg sind, stehen wir auf.“ Doch Helenka antwortete nicht mehr. In den beiden Dörfern starben während des Massakers etwa 150 Menschen; zehn überlebten. Nach Schätzung der Zeitung Sme sind heute wohl noch drei davon am Leben, eine davon ist Anna Novakova. Über die Verhaftung Ladislav Niznanskys ist sie erleichtert. „Ich bin Katholikin, ich will niemandem Böses. Ihm würde ich nur wünschen, dass er eine so schwere Kindheit erlebt wie ich.“ Auch Gizela Bencova aus Klak, ebenfalls eine Überlebende, kann den Horror nicht vergessen. „Die Gerechtigkeit ist gekommen“, sagt sie einer Journalistin der Zeitung Pravda, „wenn auch erst nach fast 60 Jahren.“

Am 20. Januar 2004 berichtete die 'taz.de':

NS-Kriegsverbrecher in München verhaftet

Heute 86-Jähriger soll für zwei Massaker in der Slowakei mit insgesamt 146 Toten verantwortlich gewesen sein

MÜNCHEN taz: Die Polizei hat in München einen 86-jährigen Mann verhaftet, der als Kommandeur einer Spezialeinheit an mehreren Massakern gegen Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligt gewesen sein soll. Wie die Münchner Staatsanwaltschaft gestern erklärte, befehligte der gebürtige Slowake Ladislav Niznansky eine slowakische Abteilung, die damals gemeinsam mit deutschen Truppen zur Bekämpfung von Partisanen eingesetzt wurde. Im Januar 1945 ermordete diese Einheit in den slowakischen Orten Ostry Grun und Klak insgesamt 146 Menschen, darunter 70 Frauen und 51 Kinder. Außerdem soll Niznansky, damals 27 Jahre alt, im Februar 1945 die Erschießung von 18 jüdischen Zivilisten in der Gemeinde Ksina befohlen haben. Der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld sagte der taz, Niznansky habe angeordnet, die Juden zu erschießen, die sich in Erdbunkern versteckt hätten. Dazu ließ er ein Hinrichtungskommando zusammenstellen. Unter den Opfern seien acht Frauen und sechs Kinder gewesen. Niznansky war zu jener Zeit laut tschechischen Zeitungsberichten auch Führungsmitglied des faschistischen "Edelweiß"-Verbandes in der Slowakei. Nach dem Krieg tauchte Niznansky unter und lebte seit 1947 offensichtlich abwechselnd in Österreich und Deutschland. Zeitweilig arbeitete er als Reporter für den US-Radiosender "Radio Free Europe" in München, wahrscheinlich auch für andere Medien. Bislang sei Niznaskys Biografie nicht lückenlos zu recherchieren gewesen, teilte die Münchner Staatsanwaltschaft mit. Der Verhaftete schweigt bislang. Sicher ist, dass Niznansky 1996 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Später lebte er in einer Wohnung am Münchner Ostpark, wo er am Freitag auch verhaftet wurde. Bereits 1962 war Niznansky in Abwesenheit von einem Gericht im slowakischen Banská Bystrica zum Tode verurteilt worden. Wegen dieser Verurteilung wandte sich das slowakische Justizministerium Anfang 2001 an die deutschen Behörden, nachdem bekannt geworden war, dass Niznansky in München lebt. Er bestritt gegenüber den deutschen Ermittlern jetzt alle Vorwürfe. Daraufhin entsandte die Münchner Staatsanwaltschaft einen Vertreter nach Tschechien und in die Slowakei, der dort Archive und Gerichtsunterklagen einsehen und mehrere Zeugen befragen konnte. Diese Zeugenaussagen lieferten letztlich die Grundlage für die Festnahme des 86-Jährigen. Laut Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld fand sich auch "ein Augenzeuge, der als Kind bei einem der Massaker mit dem Leben davongekommen ist" und der Niznansky identifizieren konnte. Der mutmaßliche Kriegsverbrecher sitzt nun in München in Untersuchungshaft. Eine allzu lange Haft vor Prozessbeginn will die Staatsanwaltschaft allerdings nicht riskieren. Bis zum Frühjahr soll bereits Anklage erhoben werden, sodass noch in diesem Jahr der Mordprozess vor dem Münchner Schwurgericht beginnen könnte. Schmidt-Sommerfeld schätzt den 86-Jährigen als verhandlungsfähig ein. Er sei in einem "altersentsprechend guten Gesundheitszustand". Wenn alle Vorwürfe vor Gericht belegt werden können, wird Ladislav Niznansky das "Gefängnis wohl nicht mehr verlassen", sagte der Oberstaatsanwalt. Dem einstigen Faschistenführer wird Mord in 146 Fällen zur Last gelegt. Niznanskys Verhaftung ist der zweite spektakuläre Erfolg, den die Justizbehörden in Deutschland, Tschechien und der Slowakei bei ihren gemeinsamen Ermittlungen gegen nationalsozialistische Kriegsverbrecher verbuchen können. Im Jahr 2001 war der frühere Aufseher eines Gestapo-Gefängnisses in Theresienstadt, Anton Malloth, wegen Ermordung eines Häftlings zu lebenslanger Haft verurteilt worden. JÖRG SCHALLENBERG

Am 21. Januar 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Nach Festnahme

NS-Verbrecher war Agent

Der festgenommene mutmaßliche NS-Verbrecher Ladislav Niznansky war nach dem Zweiten Weltkrieg erst Agent des tschechoslowakischen und später auch des US-amerikanischen Geheimdienstes. Das sagte ein Mitarbeiter des Innenministeriums in Prag dem tschechischen Fernsehsender CT. Der heute 86-Jährige sei kurz nach Kriegsende von einem slowakischen Gericht wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden, hieß es. Danach habe er sich als Mitarbeiter des tschechoslowakischen Geheimdienstes StB verpflichtet. Möglicherweise sei dies Bedingung für den Freispruch gewesen, sagte der Mitarbeiter. Nach seinem Umzug nach Österreich habe sich Niznansky an den US-amerikanischen Geheimdienst CIC gewandt und für diesen gearbeitet. Etwa 1948 habe er sich in Deutschland niedergelassen und bis 1983 in München beim US-Sender „Radio Free Europe“ gearbeitet. Niznansky war am Freitag festgenommen worden. Er soll für zwei Massaker in der Slowakei 1945 hauptverantwortlich sein. Dem 86-Jährigen mit früher slowakischer und heute deutscher Staatsbürgerschaft wird Mord in 164 Fällen zur Last gelegt.

Am 21. Januar 2004 berichtete 'Radio Slovakia International':

En 1946, par contumace, Ladislav Niznansky a été condamné à mort comme l’un des plus grands criminels de guerre en Slovaquie

La recherche des criminels de guerre qui n’ont pas été punis, c’est le thème de recherches du journaliste tchèque Stanislav Motl. Depuis l’année 1990 il a trouvé 10 criminels de guerre. Les membres de la gestapo ou de NSDAP ne l’intéressent pas. Il s’intéressent aux gens qui eux-mêmes assassinaient ou ordonnaient d‘assassiner.

A la question s’il a une motivation personnelle à cette «chasse», Stanislav Motl répond rigoureusement:«Ma mère est d’origine d’un petit village à proximité de Povazska Bystrica en Slovaquie nord-ouest. Lors de la guerre elle apportait aux partisans à manger. Plusieurs membres de ma famille ont été frappé par le nazisme. J’étais un enfant normal, mais d’un jour à l’autres j’ai commencé à être obsédé par les archives.» Il y a trouvé le nom de Ladislav Niznansky: «Je pensais qu’après plusieurs années du travail au sein de la rédaction Europe libre il vivait quelque part en Amérique. Un ami m’a demandé de trouver des témoins de l’assassinat de son grand-père à Terezin par le criminel de guerre Mallot. A cette occasion j’ai découvert que Ladislav Niznansky vit quelque part en Allemagne.»
Un petit article d’un journal d’après la guerre:
Klak et Ostry Grun, ces deux villages ont été incendiés par l’unité Edelweiss en coopération avec les unités collaboratrices slovaques. 146 personnes ont été assassinées, dont 56 femmes et 38 enfants. Aux dires du témoin Frantisek debnar qui a survécu à cette tragédie au dessous d’un tas de cadavres, l’ordre de réunir les vieillards et les enfants dans une baraque a été donné par Ladislav Niznansky.

Qui est Ladislav Niznansky? Il a fait ses études à l’Académie militaire à Hranice en Moravie. Après l’avènement du premier état slovaque, il est devenu officier, il a combattu et commandé sur le front oriental, il y a gagné 6 grandes distinctions, y compris la croix de guerre. Lors du Soulèvement national slovaque il s’est trouvé parmi les membres de la résistance. En même temps, en 1944 il est devenu commandant de la plus grande unité d’Edelweiss. Edelweiss était l’équivalent slovaque de la milice en France. La chasse aux Juifs, aux partisants et aux gens qui les soutenaient, c’était son domaine.

En 1946, par contumace, Niznansky a été condamné à mort comme l’un des plus grands criminels de guerre en Slovaquie. Surprise? Oui. En 1947 ou 48, il part en émigration au titre d’agent des services de renseignement tchécoslovaques. En Autriche, il s’est mis à la disposition des services américains. Dans les années 1960 il était directeur du département des analyses de la rédaction tchécoslovaque d’Europe libre. Et tout cela bien qu‘un criminel de guerre. Aujourd’hui, il vit âgé de 86 ans avec son épouse dans un appartement luxueux à Münich.

Déjà en 1986, le Ministère tchécoslovaque de la justice a demandé l’extradition de Niznansky, sans suite. Dix ans après, il a obtenu la nationalité allemande. „C’est donc aux instances judiciaires de ce pays de le juger,“ a expliqué le porte-parole du Ministère slovaque de la justice Richard Fides. Toutefois, la Slovaquie peut aider à l’instruction de cette affaire si la partie allemande en exprimait le souhait et le besoin. Qu‘ajouter... Les photos de guerre de Niznansky ont, entre guillemets, disparues, il en restent quelques unes. Après la guerre, le premier frère de Niznansky était l’un des médecins les plus préstigieux à Bratislava et le second chef de la distribution de tabac pour toute la Slovaquie. Ces liens familiaux de personnes bien introduite et riches expliquent-ils qu’il ait pu échapper à la justice pour que celle-ci passe? On ne sait... mais peut-être le passé vient-il de ratrapper Niznansky? Reste à connaître quel sort lui sera réservé.

Am 8. Februar 2004 berichtete'http://holocaust.klup.nl'

Op 20 januari 2004 is in München de 86 jarige Ladislav Niznansky aangehouden. Niznansky, een voormalig Tsjechisch en tegenwoordig Duits staatsburger wordt ervan verdacht 164 Slowaken, onder wie 18 Joodse onderduikers te hebben vermoord. 

Op 20 januari 2004 is in München de 86 jarige Ladislav Niznansky aangehouden. Niznansky, een voormalig Tsjechisch en tegenwoordig Duits staatsburger wordt ervan verdacht 164 Slowaken, onder wie 18 Joodse onderduikers te hebben vermoord. De arrestatie is opmerkelijk omdat de verdachte de laatste 50 jaar een openbaar leven leidde in München waar hij werkte bij de Amerikaanse propagandazender Radio Free Europe. Volgens het Beierse openbaar ministerie stond Niznansky al langer op de nominatie om te worden aangehouden, maar ontbrak tot voor kort de nodige medewerking van de Slowaakse regering. Niznansky werd in 1962 in Slowakije bij verstek ter dood veroordeeld, maar het vonnis kon nooit ten uitvoer worden gebracht vanwege het feit dat hij na de oorlog naar Duitsland was gevlucht. Een commando dat onder zijn bevel stond zou op 21 januari 1945 tijdens een actie tegen het verzet vrouwen en kinderenhebben vermoord en de dorpen Klak en Ostry Grun hebben platgebrand. Het jongste slachtoffer was drie maanden oud en het oudste slachtoffer 89 jaar. In februari van hetzelfde jaar voerde Niznansky het bevel over een executiepeleton in het dorpje Ksinna. Daarbij werden 18 Joodse onderduikers, onder wie 8 vrouwen en 6 kinderen vermoord. Niznansky zou het bevel tot schieten hebben gegeven. Of het 59 jaar na dato eenvoudig zal zijn de verdachte te veroordelen is nog maar de vraag. De in verzetsgeschiedenis gespecialiseerde Slowaakse historicus Dr. Ivan Mrva noemt de zaak uiterst dubieus. "Niznansky heeft naar mijn informatie alleen als vertaler voor de Duitsers gewerkt Zijn eenheid had geen wapens en kan dus niet verantwoordelijk zijn voor deze slachtingen. na de oorlog zijn er in Tsjechoslowakije 900 collaborateurs terechtgesteld. Niznansky niet, hij kon in 1946 naar Duitsland vertrekken en kreeg waarschijnlijk hulp van de geheime dienst. Deze zaak stinkt." Aldus de Mrva. De Münchense hoofdofficier van justitie, Anton Winkler is er echter van overtuigd een zaak te hebben: "We hebben weliswaar nog een aantal bewijzen nodig, maar de akten spreken duidelijke taal. Bovendien zijn er nog getuigen in leven die deze zaak kunnen bevestigen." Hoe deze zaak uitpakt laat zich bijna raden. De verwachting die deze arrestaties steeds wekken bij de nabestaanden van de slachtoffers wordt steeds de grond in geboord, vanwege het feit, dat deze nazimisdadigers zonder uitzondering vrij komen vanwege hun 'slechte gezondheidstoestand'. De zaak Bikker, waarbij zelfs een ooggetuige kon bevestigen dat de verdachte de misdaad had gepleegd, werd om diezelfde reden geseponeerd. Stuk voor stuk zijn deze misdadigers na de oorlog al veroordeeld en hebben zij zich onttrokken aan de uitvoering van het vonnis. Waarom kan het vonnis dat destijds werd opgelegd niet gewoon ten uitvoer worden gebracht? Uiteraard met inachtneming van het feit dat de doodstraf niet meer van toepassing is in de huidige samenleving.

Am 9. Februar 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

NS-Kriegsverbrechen

Haftbeschwerde im Fall Niznansky

Der 86-Jährige müsse mangels dringenden Tatverdachts aus der Untersuchungshaft entlassen werden, fordert Anwalt Steffen Ufer. Der Verteidiger des in München verhafteten mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ladislav Niznansky hat nach einem Bericht des Magazins „Focus“ Haftbeschwerde eingelegt. Der 86-Jährige müsse mangels dringenden Tatverdachts aus der Untersuchungshaft entlassen werden, forderte Anwalt Steffen Ufer. Niznansky war am 16. Januar festgenommen worden. Er soll für zwei Massaker in der Slowakei 1945 hauptverantwortlich sein. Zur Begründung seiner Haftbeschwerde führt Ufer laut „Focus“ an, zahlreiche Zeugenaussagen seien nur unter starkem Druck der Justiz zustandegekommen. Ein slowakisches Gericht hatte Niznansky 1962 in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Dem 86-Jährigen mit früher slowakischer und heute deutscher Staatsbürgerschaft wird Mord in 164 Fällen zur Last gelegt. Als Kommandant einer deutschen Spezial-Einheit zur Partisanen- Bekämpfung soll Niznansky in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges an einem Massaker in den Orten Ostry Grun und Klak mit 146 Toten beteiligt gewesen sein. Er soll zudem im Februar 1945 in dem slowakischen Ort Ksinna die Erschießung von 18 wehrlosen jüdischen Zivilisten befohlen haben.

Am 8. September 2004 berichtete 'stern.de':

Ladislav Niznansky

Haben Sie gestern jemanden umgebracht?

Als Hanus Hajek Anfang der 60er Jahre zum Leiter der tschechoslowakischen Sektion für Forschung und Analyse bei Radio Free Europe in München wurde, machte er Ladislav Niznansky zu seinem Stellvertreter. Zwanzig Jahre lang saß Hanus Hajek mit dem mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky in einem Büro. Zwanzig Jahre lang arbeiteten Hajek, dessen jüdische Eltern von den Nazis ermordet wurden, und "Laco", der in der NS-Zeit 164 Zivilisten umgebracht haben soll, Seite an Seite für den US-Sender Radio Free Europe. "Vielleicht habe ich all die Zeit mit einer Art Eichmann im Zimmer gesessen", sagt Hajek. "Aber ich glaube das nicht."

"Ausgesprochen guter Mann"
Hajek arbeitete von 1953 bis 1980 bei Radio Free Europe in München, das die Bürger der damaligen Ostblockstaaten mit westlichen Nachrichten versorgte. Anfang der 60er Jahre wurde Hajek Leiter der tschechoslowakischen Sektion für Forschung und Analyse. Zu seinem Stellvertreter machte er Niznansky, der bereits seit 1954 für den Sender tätig war. "Er war ein ausgesprochen guter Mann", sagt der heute 84-jährige Hajek. "Er hatte die besten Qualifikationen aus meiner Mannschaft. Vor allem konnte er sehr gut Amerikanisch." Nachdem Hajek 1980 in den Ruhestand gegangen war, übernahm Niznansky sogar seine Position als Leiter, bis er 1983 selbst in Rente ging. Niznansky soll Anfang 1945 als Mitglied einer Hilfstruppe zur Partisanenbekämpfung maßgeblich an drei Massakern in der Slowakei beteiligt gewesen sein. Laut Anklage wurden damals in den Dörfern Ostry Grun und Klak 146 Bewohner, darunter Frauen und Kinder, zusammengetrieben und erschossen. Wenig später befahl er laut Anklage bei Ksina in der Slowakei die Erschießung von 18 jüdischen Zivilisten. Seit Mitte der 50er Jahre lebt Niznansky in Deutschland, seit 1996 mit deutschem Pass. Im Januar 2004 wurde er in München festgenommen. Über die Vergangenheit seines Stellvertreters habe er "nichts Detailliertes" gewusst, berichtet Hajek. "Darüber wurde nicht gesprochen", sagt der gebürtige Tscheche mit US-Pass. Für Furore im Sender sorgte allerdings, dass ein tschechoslowakisches Gericht Niznansky 1962 in Abwesenheit zum Tode verurteilte. Damals, sagt Hajek, hätten ihn seine amerikanischen Chefs aufgebracht zu sich gerufen und gefragt: "Nun, was sollen wir mit Laco machen?" Darauf habe er geantwortet: "Nichts." Auch heute noch ist Hajek davon überzeugt, dass es sich damals um einen "typisch kommunistischen Prozess" mit "unglaubwürdigen Zeugen" gehandelt habe, der in einer "Atmosphäre der Hysterie" stattgefunden habe. Deshalb habe er zu den Amerikanern gesagt: "Wir werden doch nicht auf einen solchen Prozess hereinfallen!"

Mitglied der "Abwehrgruppe Edelweiß"
Nach anfänglichem Zögern habe Niznansky von seiner Vergangenheit erzählt und gegenüber den Kollegen beteuert, dass er nur aus Not zur SS gegangen sei: Als slowakischer Offizier habe er 1944 am Aufstand gegen die deutschen Besatzer teilgenommen und sei im selben Jahr in Uniform von den Deutschen festgenommen worden. Seiner Erschießung sei er nur dadurch entkommen, dass er Mitglied der "Abwehrgruppe Edelweiß" geworden sei. Die Vorfälle in Ostry Grun und Klak habe er ganz anders geschildert, berichtet Hajek: Zwar hätten "Edelweiß"-Leute die Häuser in den Dörfern angezündet, doch seien diese leer gewesen. Die Bewohner seien zuvor in die Berge geflohen. Dass Niznansky Verbrechen begangen hat, glaubt Hajek nicht: Schließlich sei er von der Security-Sektion des Senders, die die Vergangenheit der Mitarbeiter untersucht habe, angenommen worden. "Ich dachte, wenn er von denen akzeptiert wurde, ist er in Ordnung", erklärt Hajek. "Natürlich ist es theoretisch möglich, dass ich mich geirrt habe", sagt er und lächelt. "Haben Sie gestern jemanden umgebracht?" fragt er. "Ich glaube es nicht. Sie sehen nicht aus wie eine Mörderin. Aber ich weiß es nicht genau." Hajek beschreibt seinen Kollegen als einen intelligenten, fleißigen und sorgfältigen Journalisten. Zu den Juden im Sender sei Niznansky besonders nett gewesen, "vielleicht, um nicht unter Verdacht zu geraten", sagt Hajek spöttelnd. Doch über eine kollegiale Beziehung sei sein Verhältnis zu Niznansky nie hinausgegangen. "Privat hatten wir nichts miteinander zu tun."

Eltern von Nazis ermordet
Hajeks Eltern wurden von den Nazis deportiert und ermordet, wie der Großteil seiner Verwandtschaft. Dennoch wünscht er seinem Ex-Kollegen, dass er frei gesprochen wird. "Ich denke, 2004 ist nicht mehr die Zeit, um die Geschehnisse von 1944 zu rekonstruieren", sagt Hajek. Außerdem habe ich Bilder// von Niznansky gesehen, er sieht schrecklich aus. Was hat man davon, einen alten Greis in den Knast zu stecken?" Noch eine Frage hat Hajek: "Wieso hat man Niznansky erst 2004 verhaftet, nach 50 Jahren in Deutschland?"
Angela Stoll/AP

Am 9. September 2004 berichtete 'stern.de':

Niznansky-Prozess Herr über Leben und Tod Massenmörder oder Sündenbock? 

Die Anklage wirft Ladislav Niznansky vor, als Kommandant einer SS-Hilfsgruppe 1945 in der Slowakei 164 Menschen ermordet zu haben. Der 86-Jährige beteuert seine Unschuld.

Der Staatsanwalt trägt den Namen und das Alter jedes Mordopfers vor. Eine Viertelstunde lang hören die Prozessbeteiligten im Schwurgericht München Namen und Alter von 164 Männern, Frauen und Kindern und verstehen so das Ausmaß des Verbrechens erst richtig. Anfang 1945 sollen Angehörige der "Abwehreinheit Edelweiß" unter dem Kommando von Ladislav Niznansky die Menschen in der Slowakei erschossen haben. Doch der 86-jährige Angeklagte sagt: "Ich bin unschuldig!" Fast 60 Jahre nach den Massakern wird es für das Gericht schwer werden, die Wahrheit herauszufinden. Staatsanwalt Konrad Kuchenbauer wirft Niznansky vor, die 164 Zivilisten "unbarmherzig, gefühllos" und grausam umgebracht zu haben, weil sie Partisanen unterstützt hätten oder weil sie Juden waren. Verteidiger Steffen Ufer hält seinen Mandanten für unschuldig und erwartet einen klaren Freispruch. Zum Prozessauftakt klärte das Gericht am Donnerstag zunächst einmal den unstrittigen Rahmen. Niznansky war Hauptmann in der slowakischen Armee und nach dem slowakischen Aufstand 1944 in deutsche Gefangenschaft geraten. Anschließend kommandierte er die slowakische Kompanie in der deutschen "Abwehrgruppe Edelweiß" unter Major Erwein Graf Thun-Hohenstein, einer Sondereinheit zur Partisanenbekämpfung. Ende Januar kesselten "Edelweiß"-Kämpfer die Dörfer Ostry Grun und Klak ein und erschossen 146 Einwohner. Anfang Februar erschossen sie 18 jüdische Männer, Frauen und Kinder, die sich in einem Wald bei Ksina versteckt hatten.

"Willkürlicher Mord"
Niznansky habe seinen Männern in Ostry Grun befohlen, "keine lebendige Seele entkommen" zu lassen, sagte Kuchenbauer. Er habe sich "willkürlich als Herr über Leben und Tod" aufgeführt und "mindestens 20 Personen mit seiner Maschinenpistole" eigenhändig ermordet. Die Opfer hätten der Tötung ihrer Familien, Freunde und Nachbarn zusehen müssen, während sie auf ihre eigene Erschießung warteten. In Ksina habe Niznansky auf Thuns Befehl das Hinrichtungskommando zusammengestellt. Insgesamt 24 Zeugen hat der Staatsanwalt benannt. Kronzeuge ist ein ehemaliger slowakischer "Edelweiß"-Soldat, der Niznansky der eigenhändigen Tötungen bezichtigte. Der Verteidiger sprach von einer "polemischen" Anklage. 1946 war Niznansky von einem slowakischen Volksgericht freigesprochen, 1962 aber in einem zweiten Prozess in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Doch weder der Kronzeuge noch die anderen Zeugen hätten Niznansky damals als Todesschütze belastet, sagte Ufer, obwohl sie als Angeklagte damals erheblichen Strafrabatt dafür bekommen hätten. Denn Niznansky, der 1946 als tschechoslowakischer Spion in Österreich zu den Amerikanern übergelaufen war und beim US-Sender Radio Free Europe in München arbeitete, galt in der CSSR 1962 als Verräter. Ufer betonte einen zweiten Punkt: Alle Überlebenden des Massakers von Ostry Grun sagten aus, dass "ein Offizier mit deutscher Uniform" die Menschen erschossen habe.

"Ich bin unschuldig!"
Niznansky hatte oft Mühe, die Fragen des Richters zu verstehen - der Verteidiger brüllte ihm dann die Frage noch einmal ins Ohr. Seit einem Schlaganfall spricht Niznansky auch etwas stockend und undeutlich. Aber den Reportern und Kamerateams, die ihn beim Betreten des Gerichtssaals bestürmten, sagte er auf ihre Fragen, es gehe ihm gesundheitlich gut. Und auf weitere Fragen sagte er ruhig: "Ich bin unschuldig!" Das Gericht umkreiste diese Frage am Donnerstag in einigem Abstand. Auf Fragen des Richters erklärte Niznansky, er sei nach seiner Gefangennahme 1944 vor die Wahl gestellt worden, in der Partisanenabwehr zu dienen oder aber sich vorzubereiten auf "KZ oder Militärgericht". Darauf habe er als einziger slowakischer Offizier die etwa 120 Slowaken bei "Edelweiß" angeführt. "Edelweiß" sei von fünf deutschen Offizieren und etwa 40 deutschen Fallschirm- und Gebirgsjägern geführt worden. Außerdem hätten russische, ukrainische und kaukasische Trupps zu "Edelweiß" gehört. Aber sie hätten "immer unter deutschem Befehl, nie allein, immer unter deutscher Aufsicht" gehandelt. Tötungen bestritt Niznansky nicht. Aber er sei nie gegen Frauen oder Kinder vorgegangen, noch habe er den Befehl dazu gegeben, sagte Ufer. Nachdem kein SS-Täter der berüchtigten Einsatzgruppe H in der Slowakei zur Verantwortung gezogen worden sei, solle Niznansky jetzt als Sündenbock herhalten.

Nur noch vier Zeugen erwartet
Bis Ende Oktober will sich das Gericht ein Urteil bilden. Am 27. September will es den Kronzeugen hören. Doch nur vier Zeugen hätten bislang zugesagt, nach München zu reisen, sagte Danka Zanovitova von der slowakischen Generalstaatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur CTK. "Die meisten lebenden Zeugen sind alt und können aus Gesundheitsgründen nicht reisen." Das Simon Wiesenthal Center hat den Prozessbeginn gegen Niznansky begrüßt. Der Leiter des Wiesenthal-Büros in Jerusalem, Efraim Zuroff, äußerte die Hoffnung, dass das Verfahren zu Ende geführt werden könne und der Beschuldigte seine gerechte Strafe erhalte. "In einem Fall wie diesem ist es wichtig festzustellen, dass die lange Zeit, die seit den Taten vergangen ist, aus Verbrechern des Holocaust keine unschuldigen Zivilisten macht", hieß es in einer in München veröffentlichten Erklärung von Zuroff. Die Tatsache, dass Niznansky es über 50 Jahre geschafft habe, der Gerechtigkeit zu entgehen, mindere nicht seine Verantwortung für die ihm vorgeworfenen Taten.

Am 9. September 2004 berichtete die 'ARD' in der Sendung 'Report-München':

Späte Gerechtigkeit 

Kriegsverbrecher nach 59 Jahren in Haft 

Autorin : Claudia Pils

Es ist ein eisiger Morgen in den Bergen der Slowakei. Doch der 72jährige Frantisek Debnar kommt wie fast jeden Tag zu der Gedenkstätte in Ostry Grun ein Ort, an dem vor 59 Jahren Schreckliches geschah. Frantisek Debnar, der das Massaker von 1945 überlebt hat, zeigt auf die auf der Gedenktafel aufgeführte Namensliste:

Dies hier sind meine Angehörigen. Mein Vater Isidor, er wurde 38 Jahre alt, meine Mutter 36 Jahre. Der ältere Bruder Emil. Mein jüngerer Bruder Juraj, meine Schwester, sie wurde 8. Mein anderer Bruder, 7 Jahre. Und mein jüngster Bruder und überhaupt das jüngste Opfer hier mein 14 Monate alter Bruder Filip.

Frantisek Debnar hat als einziger überlebt an diesem Sonntag im Januar 1945, da war er gerade 13 Jahre alt. Zusammen mit seiner Familie starben 146 Dorfbewohner von Ostry Grun und dem wenige Kilometer entfernten Ort Klak es starben Zivilisten: viele Frauen und Kinder überfallen von dem Kommando Edelweiß, einer Militäreinheit, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs Jagd auf Partisanen machte. Die Dorfbewohner wurden erschossen, weil sie die Widerstandskämpfer mit Lebensmitteln versorgt hatten. Die Slowakei 1939 zur Unabhängigkeit erklärt. Ein Staat von Hitlers Gnaden, in dem es im Sommer `44 zum Nationalaufstand kam. Auf Hitlers Druck hin erteilte Staatspräsident Tiso die Erlaubnis zum Einmarsch der deutschen Truppen. Partisanenbekämpfungseinheiten zogen plündernd und mordend durchs Land. Anführer der Gruppe „Edelweiß war Hauptmann Ladislav Niznansky. Nach fast sechzig Jahren hat ihn nun die Münchner Staatsanwaltschaft festnehmen lassen. Die deutschen Behörden halten Niznansky für dringend tatverdächtig, 20 Menschen selbst getötet zu haben und weitere 146 gemeinschaftlich - aus niederen Beweggründen und grausam handelnd. Guido Limmer vom Landeskriminalamt Bayern schildert die Taten der Gruppe "Edelweiß": Sie haben sich unter Außerachtlassung von allen sog. Regeln der Kriegskunst, wobei es bei der Partisanenbekämpfung eigentlich keine Regeln gibt, unter Verwendung von falschen Uniformen eingeschlichen, haben sich also als Angehörige der slowakischen Armee ausgegeben. Sie sind dann in die Dörfer eingesickert, haben sie ausgekundschaftet, haben versucht Informationen über Partisanen zu erhalten und haben dann anschließend die Dörfer umzingelt, die Bevölkerung in eine gewisse Richtung hinausgetrieben. Die meinten, sie könnten eine gute Flucht antreten, tatsächlich sind sie aber somit ins offene Messer gelaufen und wurden da entsprechend grausam umgebracht. Seit seiner Festnahme Anfang des Jahres sitzt Niznansky in Untersuchungshaft der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim. Rechtsanwalt Steffen Ufer sagt über dessen Verschulden:

Herr Niznansky sagt dasselbe zu den Beschuldigungen, was er immer gesagt hat. Er ist gleich nach dem Krieg von den Tschechen befragt worden. Man hat ihn 1964/65 von den deutschen Behörden eingehend befragt. Er war zum Teil bei den hier vorgeworfenen Taten nicht dabei, zum Teil hatte er eine periphere Rolle wie viele andere slowakische Soldaten auch, dass sie halt in der Nähe quasi abgesichert haben, was hier die deutschen SS-Leute an leider schlimmen Gräueltaten wohl begangen haben.

Wieviel Glauben kann man den Aussagen des 86jährigen Niznansky schenken? Recherchen führen report München nach Prag. Dort treffen wir den Historiker Stanislav Motl. Er beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit dem Fall:

Nach all dem, was ich herausgefunden, was ich in den Archiven gefunden habe und insbesondere aus Gesprächen mit seinen früheren Unterstellten aus der Edelweißgruppe habe ich den Eindruck, dass Niznansky ein Mensch ist, der sich aus - wer weiß was für inneren Anreizen heraus in den Dienst der hitlerfaschistischen Armee, den Nazi-Geheimdienst begeben hat und die Taten beging, die er begangen hat.

1962 wurde Ladislav Niznansky vom slowakischen Gericht in Banska Bystrica zum Tode verurteilt. Zu dem Zeitpunkt allerdings befand sich Niznansky bereits in Deutschland, nachdem er kurz nach dem Krieg geflüchtet war. In den Archiven von Banska Bystrica finden sich weitere Dokumente. In einem Vernehmungsprotokoll aus dem Jahr 45 sagt Graf Erwin von Thun-Hohenstein, deutscher Major der Abwehrgruppe 218, genannt Edelweiß, folgendes aus:

Niznansky [...] gehörte seit dem November 1944 zur Abwehrgruppe 218. Dort war er Kommandant der slowakischen Einheit und nahm einige Male an Aktionen gegen Partisanen teil.

Als der Krieg zuende war, flüchtete Niznansky nach Österreich. Dort soll er unter dem besonderen Schutz des tschechoslowakischen und des amerikanischen Geheimdienstes für den Sender Radio Freies Europa gearbeitet haben. 1957 versetzte ihn der Sender nach München. Hier lebte Niznansky ohne Angst auf einen weiteren Prozess bis zu seiner Festnahme im Januar. Doch warum mussten 59 Jahre vergehen? Christian Schmidt-Sommerfeld von der Staatsanwaltschaft München erklärt:

Es hat in den 60iger Jahren schon einmal ein Verfahren hier im Hause gegeben. Das konnte nicht zu einem Ende gebracht werden, weil nach unserem rechtstaatlichen Vorstellungen die Beweismittel und die Erkenntnisse einfach nicht ausgereicht haben. Jetzt sind wir ein ganzes Stück weiter. Wir hatten eine sehr gute Kooperation mit den slowakischen Behörden insbesondere. Es war ein Mitarbeiter aus dem Hause hier drüben, hat Vernehmungen gemacht, hat Unterlagen, Archive gesichtet und dergleichen mehr. Das sind natürlich Dinge, die von entscheidender Bedeutung sind, um ein Verfahren zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Für Frantisek Debnar kam die Nachricht aus Deutschland überraschend. Er hatte nicht mehr damit gerechnet, dass der für den Tod seiner Eltern und Geschwister wohl verantwortliche Niznansky jemals vor Gericht kommen würde - für ihn eine späte Gerechtigkeit:

Wenn ich ihn sprechen könnte, würde ich ihn fragen, ob er über einen gesunden Menschenverstand verfügt und ob er überhaupt ein Gewissen hat. Denn er musste doch wissen, was er hier mit seiner Gruppe angerichtet hat.

So werden noch heute lebende Kriegsverbrecher auch weiterhin damit rechnen müssen, ausfindig gemacht und verurteilt zu werden. Allein in Bayern laufen derzeit weitere Verfahren gegen 16 beschuldigte Personen.

Am 10 September 2004 berichtete die 'Junge Welt':

Kriegsverbrecher vor Gericht

München: Slowakischer Nazikollaborateur bestreitet Beteiligung an Massakern

Claudia Wangerin

Am Donnerstag begann vor dem Münchner Schwurgericht der Prozeß gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky. Er war Anfang des Jahres in München verhaftet worden, wo er zuletzt lebte. Gegenstand der Verhandlung sind drei Massaker an insgesamt 164 Menschen Anfang 1945 in der Slowakei. In zwanzig Fällen soll der heute 86jährige Ladislav Niznansky laut Anklageschrift selbst die Todesschüsse abgegeben haben, während die restlichen Morde von ihm willkürlich befohlen worden seien. Ladislav Niznansky sieht aus wie ein Befehlsempfänger, der sich ungerecht behandelt fühlt. Eine Erklärung, die Rechtsanwalt Steffen Ufer in seinem Namen vorträgt, bestätigt diesen Eindruck. Der Angeklagte selbst ist schwerhörig und kann nicht mehr allzu deutlich sprechen. Die slowakische Abteilung der »Abwehrgruppe 218 Edelweiß«, der Niznansky im Rang eines Hauptmanns vorstand, sei »vollständig von deutschen Befehlsstrukturen abhängig« gewesen, führt Ufer im Namen seines Mandanten aus, der im übrigen nicht freiwillig der »Spezialeinheit Edelweiß« beigetreten sei. Er habe nur die Wahl zwischen einem »KZ-ähnlichen Arbeitslager« und der Partisanenbekämpfung gehabt – die er allerdings auch für sinnvoll hielt. Zum »Schutz der Zivilbevölkerung«, wohlgemerkt. Allgemein bekannt – auch für einen deutschen Staatsanwalt – ist die Tatsache, daß Massaker der Wehrmacht an der Zivilbevölkerung besetzter Gebiete grundsätzlich mit deren Sympathien oder Unterstützungshandlungen für Partisanen legitimiert werden sollten. Am 21. Januar 1945 zog die Einheit »Edelweiß« laut Anklage mit dem Ziel in den Ortschaften Ostry Grun und Klak ein, alle Bewohner zu töten und beide Dörfer zu zerstören. Niznansky habe seinen Leuten befohlen, daß keine lebendige Seele entkommen dürfe. Die Anklageschrift bescheinigt ihm Rassenhaß und ein Handeln »auf der Grundlage der menschenverachtenden nationalsozialistischen Ideologie«. Bei dieser Formulierung geht erstmals der Anflug eines Grinsens über sein Gesicht. Am 7. Februar 1945 soll er willkürlich die Hinrichtung von 18 wehrlosen Juden befohlen haben, die sich nahe der Ortschaft Ksina in Erdbunkern versteckt hielten. Niznansky dagegen bestreitet nicht nur die Verantwortung für die Verbrechen, sondern auch seine persönliche Beteiligung als Ausführender. In einem Fall gibt er an, mit seiner Einheit »auf den Hügeln ringsum« gewesen zu sein und im Tal deutsche Einheiten, womöglich SS, gesehen zu haben. Außerdem legt er Wert darauf, zu keinem Zeitpunkt »politisch verblendet« gewesen zu sein: Er habe weder der »nationalsozialistischen« noch der kommunistischen Ideologie angehangen. In den 60er Jahren arbeitete er journalistisch für den US-Sender Radio Free Europe, ging 1983 in Rente und erhielt 1996 die deutsche Staatsbürgerschaft. 1962 hatte ihn ein tschechoslowakisches Gericht in Abwesenheit zum Tod verurteilt. Obwohl sein Verteidiger in diesem Zusammenhang kein antikommunistisches Klischee auslässt, bezieht er sich auf Aussagen Überlebender in diesem »Schauprozess«, die Niznansky zumindest nicht als Todesschützen identifizieren konnten. Nur ein einziger Belastungszeuge, der sich damals nicht habe erinnern können, stünde jetzt der Staatsanwaltschaft zur Verfügung. Ufer hält die Anklage für »unsachlich« und an den Haaren herbeigezogen. Sein Mandant ist für ihn ein Sündenbock, da bis heute kein Versuch unternommen wurde, gegen die deutschen Verantwortlichen der »Abwehrgruppe 218 Edelweiß« zu ermitteln. Bis zum 29. Oktober sind 14 weitere Verhandlungstage angesetzt.

Am 17. September 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Kriegsverbrechen

Niznansky bestreitet Teilnahme an Massakern

Mit Vehemenz hat der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky am zweiten Prozesstag sämtliche Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. „Zur Zeit der Massaker war die Gruppe "Edelweiß" nicht mehr in dem Tal“, sagte der 86 Jahre alte ehemalige slowakische Hauptmann im Schwurgericht.
Von Alexander Krug

Ohne es konkret auszusprechen, deutete er damit an, dass eine ganz andere Einheit für die Morde verantwortlich sein soll. Die Anklage wirft Niznansky zwei Massaker in den zentralslowakischen Dörfern Ostry Grun und Klak sowie die Erschießung von 18 jüdischen Flüchtlingen im Tal Ksina im Januar und Februar 1945 vor. Insgesamt soll er an der Ermordung von 164 Menschen beteiligt gewesen sein, in Ostry Grun soll er 20 Zivilisten eigenhändig erschossen haben. Niznansky war damals Hauptmann einer 130 Mann starken slowakischen Abteilung der so genannten Abwehrgruppe 218 Edelweiß unter dem Kommando von Major Erwein Graf Thun-Hohenstein. Der Auftrag von „Edelweiß“ war die Bekämpfung von Partisanen, die sich nach dem gescheiterten Aufstand in der Slowakei rund um Banska Bystrica gesammelt hatten.

Befehle von deutschem Offizier
Niznansky wurde nach eigenen Angaben zur Mitarbeit bei „Edelweiß“ gezwungen, hielt aber auch persönlich nichts von den Rebellen. „Ich sehe den Partisanenkampf als notwendig an. Keine Armee der Welt wird Partisanen in ihrem Gebiet dulden.“ Insofern sei der Kampf gegen sie eine „ganz legale Sache. Das ist keine Nazi-Erfindung“. Von Mitte Dezember 1944 an kam es zu ersten Einsätzen der slowakischen Abteilung. Dabei, so betont er, habe stets ein deutscher Offizier die Befehlsgewalt gehabt. Im Januar 1945 sei er in das Tal von Ostry Grun und Klak geschickt worden. Dort habe sich „Edelweiß“ geteilt. Der Einsatzbefehl lautete: „Bekämpfung von Partisanen.“ Eine rund 100 Mann starke Gruppe mit Major Thun sei im Talgrund vorgerückt, er selbst sei mit etwa 185 Mann unter Führung eines deutschen Leutnants auf dem Hügelrand entlanggezogen. Es sei wie immer ein nächtlicher Einsatz gewesen. „Wir sind im Gänsemarsch gegangen, vorne waren die Deutschen.“ Ihre Gruppe habe auf dem Hügel keinerlei Feindberührung gehabt: „Wir waren sozusagen arbeitslos.“ Aus dem Tal sei jedoch „heftiger Gefechtslärm“ heraufgedrungen. Im Morgengrauen hätten sich die beiden Gruppen in Klak wieder getroffen. Major Thun-Hohenstein habe vor einer „Falle“ der Partisanen gewarnt, und die gesamte Einheit sei deshalb wieder aus dem Tal abgezogen. „In Ostry Grun war ich nie“, sagt Niznansky. Und in Klak habe er keine Zivilisten gesehen. Von den Massakern will er erst „17 Jahre später“ erfahren habe, als er 1962 in Abwesenheit von einem slowakischen Gericht zum Tode verurteilt wurde.

Orden kurz vor Kriegsende
Richter Manfred Götzl findet es „nicht nachvollziehbar“, dass damals im Januar 1945 nicht in der Gruppe über die Massaker gesprochen worden sein soll. „Das waren doch viele Tote?“– „Major Thun hat mir nichts gesagt“, behauptet Niznanksy. Auch von anderen habe er nichts gehört. Außerdem sei „Edelweiß“ zu dem Zeitpunkt nicht mehr in dem Tal gewesen. Auch an der Erschießung der 18 jüdischen Flüchtlinge in einem Erdloch im Februar 1945 will er nicht beteiligt gewesen sein. „Das ist eine gemeine und niederträchtige Lüge“, meint er und ringt dabei erstmals um Fassung. „Edelweiß“ habe sich im April 1945 quasi selbst aufgelöst, nachdem sich die meisten Mitglieder der Gruppe abgesetzt hätten, sagt Niznansky. Major Thun habe ihm vorher noch eigenhändig das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen. „Er hat es mir einfach an die Brust geheftet, ich weiß nicht warum. Ich habe weder in Russland noch bei ,Edelweiß‘ Heldentaten vollbracht.“ Der Prozess wird am 27. September fortgesetzt.

Am 27. September 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

NS-Prozess

Kein dringender Tatverdacht mehr

Am dritten Tag im Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky hat Anwalt Steffen Ufer dessen Freilassung gefordert. Slowakische Zeugen scheuen unterdessen den Weg nach München.
Von Alexander Krug

Der wegen 164-fachen Mordes angeklagte mutmaßliche Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky soll nach dem Willen seines Verteidigers aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Anwalt Steffen Ufer beantragte gestern am dritten Prozesstag die Aufhebung des Haftbefehls gegen Niznansky, da es keinen "dringenden Tatverdacht" mehr gebe. Unterdessen scheint sich auch abzuzeichnen, dass eine Vielzahl von slowakischen Zeugen nicht bereit ist, vor dem Münchner Gericht auszusagen. Einer dieser Zeugen ist Jan Repasky, der als "Kronzeuge" der Anklage gilt. Der heute 78-jährige Repasky soll Mitglied der Einheit "Edelweiß" gewesen sein, die im Januar 1945 in den Dörfern Ostry Grun, Klak und im Tal Ksina bei einem Massaker 164 wehrlose Zivilisten ermordet haben soll. Repasky hatte in seinem eigenen Prozess 1962 - bei dem er zu acht Jahren Haft verurteilt worden war - Niznansky als seinen Hauptmann bezeichnet. Dieser soll damals befohlen haben, dass "keine lebendige Seele aus dem Tal entkommen" dürfe. Anwalt Ufer zieht indes die Glaubwürdigkeit Repaskys stark in Zweifel. Der "Kronzeuge" habe mittlerweile vier verschiedene Aussagen zu dem Geschehen von damals gemacht. Zuletzt, bei einer Vernehmung 2001, hatte Repasky behauptet, dass Niznansky bei dem Massaker in Ostry Grun eigenhändig 20 Menschen mit einer Maschinenpistole erschossen. Ufer präsentierte dem Gericht gestern eine Aussage von Repasky aus dem Jahr 1993, die er "durch Zufall" von einem slowakischen Notar erhalten habe. Darin hat Repasky versichert, er sei mit der Einheit "Edelweiß" niemals in Ostry Grun und Klak gewesen. Er sei bei seinem Prozess 1962 von den Ermittlern zu dieser Aussage "quasi durch Folter genötigt" worden. Angesichts der unterschiedlichen Angaben Repaskys forderte Ufer, Niznansky auf freien Fuß zu setzen. Von Verdunklungs- oder gar Fluchtgefahr könne bei einem 86-jährigen Angeklagten schließlich nicht die Rede sein. Die Staatsanwaltschaft will in den nächsten Tagen zu dem Antrag Stellung nehmen. Probleme haben die Ankläger auch mit der Bereitschaft potentieller Zeugen zur Aussage. Repasky selbst war gestern als Zeuge geladen, hat aber wegen Krankheit abgesagt. Angeblich soll er in seiner Heimat gegenüber slowakischen Journalisten geäußert haben, er sei nicht mehr daran interessiert, dass Niznansky verurteilt werde. Auch andere Zeugen, unter ihnen angeblich auch Überlebende des Massakers, scheuen offenbar den beschwerlichen Weg nach München. Um die Zeugen doch noch zu befragen, könnte die Kammer selbst in die Slowakei reisen, was jedoch erhebliche rechtliche Probleme aufwirft, da deutsche Richter dort kein eigenes Fragerecht haben. Möglich wäre auch ein Vernehmung per Videoschaltung, wie es schon einmal in einem anderen Fall vom Schwurgericht praktiziert wurde. Immerhin: Ein Zeuge wird für Dienstag kommender Woche erwartet. Er soll Mitglied bei "Edelweiß" gewesen sein.

Am 5. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Niznansky-Prozess

Ich wollte nicht die Todesstrafe bekommen

Ein slowakischer Zeuge hat sein Geständnis von 1962 widerrufen. Damals hatte er Niznansky schwer beschuldigt. Er sei erpresst und gefoltert worden, behauptet er nun.
Von Alexander Krug

Er ist der einzige Zeuge, der bereit ist, den Weg aus der Slowakei ins Münchner Schwurgericht anzutreten. Oldrich Vystavel, 81, betritt den Sitzungssaal, nickt dem wegen Mordes in 164 Fällen angeklagten Ladislav Niznansky kurz zu und gibt dann bereitwillig Auskunft. Im Kernpunkt lautet sein Aussage: Er kenne Niznansky kaum, war nicht an den Massakern 1945 in Ostry Grun und Klak beteiligt und überhaupt sei alles eine "Legende", die von den slowakischen Ermittlern in den 60-er Jahren konstruiert worden sei, um Schuldige zu präsentieren. Vystavel war nach eigener Aussage etwa im Oktober 1944 zu der Einheit "Edelweiß" gestoßen, deren slowakische Abteilung Niznansky leitete. Er sei dort nicht freiwillig, sondern auf "Druck" eingetreten. "Man sagte uns, dass wir andernfalls der Gestapo übergeben werden." Er sei hauptsächlich als "Fahrer" eingesetzt worden und "Bursche" von "Edelweiß"-Kommandant Major Erwein Graf Thun-Hohenstein gewesen. Weihnachten 1944 habe ihn der Offizier beauftragt, Geschenke an dessen Kinder in Budweis zu überbringen. Danach habe er sich abgesetzt. In Ostry Grun, Klak und Ksina sei er nie gewesen, von den Massakern habe er erst später erfahren. 1962 klang das noch ganz anders. Die Richter halten ihm Vernehmungsprotokolle von slowakischen Ermittlern aus den 60-er Jahren vor, in denen er seine Teilnahme eingestand. Damals hatte er Niznanksy als überzeugten Nationalisten und "grobe und gewalttätige" Persönlichkeit geschildert, die "nur auf Karriere aus" gewesen sei. Damals hatte er auch berichtet, wie "Edelweiß" im Januar 1945 die Dörfer Ostry Grun und Klak im Morgengrauen "umzingelt" habe. Sie seien aus einem Haus von Partisanen beschossen worden, daraufhin habe die Einheit das Feuer erwidert. "Unter den erschossenen Personen waren sowohl Partisanen als auch Zivilisten", hatte Vystavel seinerzeit gestanden. "Da wurde eine Legende geschaffen". Der 81-Jährige lacht , wenn er heute an dieses "Geständnis" erinnert wird. "Da wurde eine Legende geschaffen" behauptet er. Er sei 1962 zum Bezirksgericht in Banska Bystrica "gelockt" und dort brutal verhört worden. "Sie haben mich plötzlich beschuldigt, dass ich wehrlose Menschen erschossen habe. Das war einfach nicht wahr." Die Vernehmungsbeamten hätten ihn gefoltert und schließlich habe er gestanden. "Ich habe Formulierungen akzeptiert, denn es ging darum, nicht die Todesstrafe zu bekommen." Er habe den Ermittlern deshalb Episoden aus früheren Einsätzen erzählt und sie einfach auf die konkreten Vorwürfe übertragen. Tatsächlich aber sei er nie in den fraglichen Orten gewesen. Außerdem sei seine Unterschrift auf verschiedenen Protokoll gefälscht worden. Vystavel war im November 1962 wegen seiner Teilnahme an verschiedenen Mordaktionen von "Edelweiß" zu 15 Jahren Haft und "Verlust aller Ehrentitel und Auszeichnungen" verurteilt worden. Wie viele andere ehemalige slowakische Mitglieder von "Edelweiß" kämpft auch er noch heute um seine Rehabilitierung. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

Am 11. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Niznansky-Prozess

Es war Krieg, mein Gott, es war Krieg

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky droht zu einem Verwirrspiel zu werden. Der Hauptbelastungszeuge Jan Repasky, 79, hat gestern seine früheren Aussagen zunächst deutlich abgeschwächt. „Ich kann nicht behaupten, ob er geschossen hat oder nicht“, entlastete der Zeuge den Angeklagten. Später schwenkte er wieder um und belastete Niznansky schwer.
Von Alexander Krug

Die Zeugenaussage Repaskys war mit Spannung erwartet worden, weil er bislang der einzige ist, der in den Vorermittlungen den Angeklagten konkret belastet hatte. Niznansky ist angeklagt, im Januar und Februar 1945 in drei slowakischen Dörfern mit der Einheit „Edelweiß“ insgesamt 164 Menschen getötet zu haben. Repasky war damals Mitglied der slowakischen Abteilung von „Edelweiß“ unter dem Kommando von Niznansky. Man habe sie ihn diese Einheit gelockt mit dem Versprechen, nur Brücken, Tunnels und Straßen bewachen zu müssen, so der damals 19-jährige. Plötzlich hieß es, sie müssten gegen Partisanen kämpfen: „Man hat uns benutzt.“ Repasky wurde im Rollstuhl in den Sitzungssaal geschoben, nachdem der sich überraschend doch noch zu einer Aussage in München bereit erklärt hatte. Ursprünglich hatte er die Reise abgelehnt, seine Vernehmung sollte daher per Video-Konferenzschaltung erfolgen. Der 79-Jährige, der nach dem Krieg bei der Eisenbahn arbeitete, machte einen mitunter verwirrten Eindruck und verwechselte immer wieder Namen, Orte und Daten. 1962 war Repasky von einem slowakischen Gericht zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Damals hatte er gestanden, an den Massakern beteiligt gewesen zu sein. Niznansky habe befohlen, dass „keine lebendige Seele entkommen“ dürfe. Bei einer erneuten Vernehmung im Dezember 2001 durch eine slowakische Staatsanwältin hatte er diese Aussage präzisiert und erklärt, dass Niznansky in Ostry Grun eigenhändig mit einer Maschinenpistole 20 Menschen erschossen habe. Von diesen Aussagen rückte Repasky gestern zunächst wieder ab. Seine eigene Person schonte er dabei nicht. Er bestätigte, dass „Edelweiß“ für die Massaker in Ostry Gun und Klak verantwortlich war. Mit dabei soll auch eine Gruppe deutschstämmiger Bewohner aus der Umgebung gewesen sein, der so genannte deutsche Heimatschutz. „Ich habe selber gesehen, wie geschossen wurde.“ Auch er selbst habe gefeuert und dabei Menschen getötet. „Ich kann mich aber nicht erinnern, wie viele es waren.“ Er habe tote Männer, Frauen und Kinder auf den Straßen gesehen, die Häuser seien danach in Brand gesteckt worden. „Es hieß, wenn wir nicht schießen, werden wir erschossen“, sagte Repasky. Wer das gesagt habe, wollte der Richter wissen. „Na, der da“, erwiderte Repasky und nickte kurz in Richtung des Angeklagten. „Auch er war dort, mein Gott, mein Gott.“ Wenig später jedoch revidierte er diese Aussage und meinte, er wisse „nicht hundertprozentig“, ob Niznansky in den Dörfern dabei war. Warum er selbst denn Menschen getötet habe, hakte der Richter nach. „Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es war Krieg, es war Krieg!“ Am Nachmittag schwenkte der Zeuge plötzlich wieder um. „Es ist schon wahr, dass er geschossen hat. Wie viele er getötet hat, weiß ich nicht“, meinte Repasky plötzlich, „ich habe sie nicht gezählt.“ Auf Nachfragen der Richter behauptete er nun, dass außer Niznansky auch der deutsche Befehlshaber von „Edelweiß“, Major Erwein Graf Thun-Hohenstein, geschossen habe. Seine Gruppe habe den Befehl bekommen, aufzupassen, damit niemand aus dem Dorf entkomme. Repasky ist bislang der einzige, der seine Teilnahme an den Massakern zugibt. Alle anderen mutmaßlichen Edelweiß-Mitglieder haben bisher bestritten, überhaupt in den Dörfern gewesen zu sein. Er habe damals gegen seinen eigenen Vater kämpfen müssen, so Repasky, der sei nämlich Mitglied bei den Partisanen gewesen. Ein Pfarrer habe ihm ausdrücklich versichert, es sei keine Sünde, auf den eigenen Vater zu schießen. Die Erinnerung daran ließ den Zeugen schaudern: „Es wäre am Besten gewesen, ich hätte mir eine Kugel in den Kopf geschossen.“ Die Vernehmung Repaskys wird fortgesetzt.

Am 11. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Interview zum Prozess

Ein Akt der Selbstreinigung

Ein Gespräch mit Joachim Riedel von der Zentralstelle zur Fahndung nach Nazi-Verbrechern über den Sinn des Niznansky-Prozesses.
Von Stephan Handel

SZ: Herr Riedel, das Verfahren gegen Ladislav Niznansky beschäftigt München. Wird das der letzte große Nazi-Prozess sein?

Riedel: Das wage ich nicht zu sagen. Im Augenblick ist noch mindestens eine Anklage bei der Staatsanwaltschaft anhängig. Ich will nicht ausschließen, dass in diesem oder im nächsten Jahr weitere Anklagen erhoben werden. Es geht um Massaker in Italien und in Griechenland.

SZ: Das Niznansky-Verfahren ist ja auch deswegen in Gang gekommen, weil die Slowakei kooperiert hat. Hat sich Ihre Arbeit nach dem Ende des Kalten Krieges verändert?

Riedel: Nein, nur erweitert. Wir sind jahrelang durch den West-Ost-Konflikt behindert worden. Das waren teilweise außenpolitische Gründe, deretwegen uns die Bundesregierung regelrecht ausgebremst hat. Nach dem Fall der Mauer stand zunächst im Vordergrund die Auswertung der Stasi-Materialien. Nachdem diese Arbeit im wesentlichen erledigt ist, kommen jetzt auch weitere Archive des ehemaligen Ostblocks ins Visier.

SZ: Beweisnot, fehlende Zeugen, mangelhafte Erinnerungen – welchen Sinn hat es, diese Verbrechen nach 60 Jahren noch vor Gericht zu bringen?

Riedel: Es geht ja, unter Verjährungs-Gesichtspunkten, ausschließlich um die Taten, die als Mord qualifiziert werden müssen. Wir können überhaupt nur noch die schlimmsten, die scheußlichsten Verbrechen verfolgen, aber da erfordert auch die Gerechtigkeit, dass wir zumindest versuchen, den Sachverhalt aufzuklären, die Täter zu benennen und zu einem Schuldspruch zu gelangen, wenn das möglich ist.

SZ: Steht nicht zu befürchten, dass ein eventueller Freispruch aus Mangel an Beweisen größeren Schaden anrichtet, als wenn man die Sache auf sich hätte beruhen lassen?

Riedel: Das ist unser tägliches Schicksal bei der Strafjustiz. Darin sehe ich keinen Schaden. Die Chance zu Verurteilungen besteht ja. Es ist in den letzten Jahren gelungen, bis zu Verurteilungen zu gelangen, und diese Möglichkeit sehe ich immer noch – trotz der langen Zeit, die vergangen ist.

SZ: Interessierte Kreise könnten versuchen, einen Freispruch propagandistisch für sich zu nutzen.

Riedel: Sicherlich, aber ich sehe die größere Aufgabe darin zu versuchen, das aufzuarbeiten, was geschehen ist, was den deutschen Namen auf Jahrzehnte in den Dreck gezogen hat. Alleine schon, dass das bis zum Gericht gebracht wird, ist ein erheblicher Akt der Selbstreinigung.

Am 12. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Zeugenaussage im Niznansky-Prozess

Nicht nur Schmuckstück

Das Mitglied der Einheit "Edelweiß" schildert weitere Details des Massakers in den Dörfern Ostry Grun und Klak. Auch Niznansky habe Schüsse abgegeben.
Von Alexander Krug

Es müssen schreckliche Szenen gewesen sein, damals im Januar 1945 in den Dörfern Ostry Grun und Klak. "Ich habe die Leichen gesehen, es waren viele. Da wo sie der Schuss getroffen hat, blieben sie liegen." Im Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky hat der Hauptbelastungszeuge Jan Repasky gestern weitere Details des Massakers preisgegeben. Gleichzeitig belastete er den Angeklagten schwer. "Auch er hat Schüsse abgegeben, ich habe es genau vor Augen." Repasky stiftete jedoch wie schon am ersten Tag seiner Vernehmung Verwirrung, weil er Namen und Daten verwechselte. Ob seine Aussagen für einen Schuldspruch reichen, scheint mehr als fraglich zu sein. Er habe damals den Befehl bekommen, niemanden aus den Dörfern entkommen zu lassen. Die Bewohner seien zusammengetrieben worden, "es war, wie wenn man Tiere einschließt - wie in einem Gatter." Leute aus der Einheit "Edelweiß" hätten die Häuser geplündert und das Vieh gestohlen. "Die Bewohner haben sich mit Mistgabeln gewehrt, Waffen hatten sie ja keine, mein Gott, mein Gott." Das sage ich ihm hier ins Gesicht". Ob er Niznansky in dem Dorf gesehen habe, fragte der Richter. "Na klar habe ich ihn gesehen, das sage ich ihm hier ins Gesicht." Was der Angeklagte konkret gemacht habe, hakt der Richter nach. "Er soll das sagen, was er gemacht hat", zeigte Repasky in Richtung der Anklagebank. "Er war der Kommandeur, er war nicht nur Schmuckstück." Gleichzeitig versicherte Repasky, dass etwa 60 Gefangene aus den Dörfern fortgeschafft worden seien. In früheren Aussagen hatte er davon nichts gesagt. Niznansky reagierte auf die Aussagen mit keinem Wimpernzucken. Er bestreitet, jemals in Ostry Grun gewesen zu sein. In Klak will er an jenem Morgen nichts von einem Massaker gesehen haben. Als seine Einheit das Tal verlassen habe, sei alles ruhig gewesen. Gestützt wurde diese Behauptung in gewisser Weise gestern von einem weiteren Zeugen, der per Videoübertragung aus seiner Heimatgemeinde dem Gericht zugeschaltet wurde. Jan Hruska war ebenfalls Mitglied von "Edelweiß". Man habe sie damals mit Versprechen in die Einheit gelockt, so der heute 80-Jährige. "Wir sollten 85 Kronen und zehn Zigaretten am Tag bekommen." Für ihn sei das viel Geld gewesen, denn er sei aus einer "bettelarmen" Familie gekommen. Er habe einige Einsätze mitgemacht, "ich wusste aber oft nicht, wohin wir ausrücken. Eine "große Aktion" mit den Deutschen an der Spitze Ob er in Ostry Grun oder Klak gewesen sei, könne er mit Sicherheit nicht mehr sagen. Er erinnere sich aber an eine "große Aktion", bei der "die Deutschen" die Spitze bildeten. Er selbst habe sich "weit hinten" aufgehalten und nur wenig mitbekommen. "Ich weiß nicht, ob dort geschossen wurde und wer geschossen hat." Als er in das Dorf kam, sei schon "alles vorbei" gewesen. "Das haben nicht die slowakischen Jungs gemacht", versicherte der Zeuge. Vor ihnen sei eine deutsche Einheit in dem Tal gewesen. Dies habe er später von anderen Teilnehmern gehört. Dass der Befehl zum Schießen von Niznansky gekommen sei, halte er für ausgeschlossen. "Ich bezweifele das, da waren höhere deutsche Offiziere." Die Richter sollten lieber beim Kommandeur der Einheit, Major Thun-Hohenstein, nachfragen, so der Zeuge. "Das geht nicht, der ist schon tot", entgegnete der Richter.

Am 13. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Zeuge im Niznansky-Prozess

Der Hauptschuldige war der Krieg

Ein ehemaliger slowakischer Staatsanwalt hat als Zeuge ausgesagt. Die Täter tragen aber auch Schuld. Am Freitag entscheidet das Gericht, ob Niznansky aus der Untersuchungshaft entlassen wird.
Von Alexander Krug

Sein Auftritt war mit Spannung erwartet worden: Erstmals hat gestern ein ehemaliger slowakischer Staatsanwalt vor einem Münchner Gericht ausgesagt. Martin Kovac, 71, wurde zu dem Ermittlungsverfahren befragt, das 1962 in der damaligen Tschechoslowakei gegen den jetzt in München angeklagten mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky lief. Niznansky war seinerzeit in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Kovac wehrte sich jetzt gegen Vorwürfe, es habe sich damals um einen "kommunistischen Schauprozess" gehandelt. "Niemand hat uns behindert, niemand hat von Außen in das Verfahren eingegriffen", versicherte der Zeuge. Der heute 71-Jährige war damals als "Neuling" in der Behörde und sei anfangs "ziemlich unsicher" gewesen. Um 1960 herum habe er erstmals von den Vorwürfen gegen Mitglieder der berüchtigten Gruppe "Edelweiß" gehört. Ein Angehöriger der Truppe habe in einem Wirtshaus mit seinen Erlebnissen geprahlt, daraufhin habe sich die Staatssicherheit eingeschaltet. Er habe insgesamt etwa 350 Mitglieder von "Edelweiß" ausfindig gemacht und Ermittlungen gegen sie eingeleitet. Dass letztlich 1962 nur 14 Mitglieder verurteilt worden seien, zeige, dass man nur "objektive" Beweise zugelassen habe. Viele Verfahren seien eingestellt worden, weil man keine konkreten Tatumstände mehr habe feststellen können. Selbst bei manchen Mord-Geständnissen habe man von einer Ahndung abgesehen, weil man die Toten nicht mehr finden beziehungsweise identifizieren konnte. "Es hat mich geärgert und befremdet, dass hier von einem 'inszenierten Prozess' gesprochen wird", so Kovac. Eine Menge" Taten gab es" Mehrere Angehörige von "Edelweiß" hätten sich damals "sehr geschämt" über ihre Taten, von denen es "eine Menge" gab. An ihrer Schuld bestehe kein Zweifel, so Kovac, "aber der Hauptschuldige war der Krieg. Wenn es ihn nicht gegeben hätte, müsste man sich hier an keine Gräber, Namen oder Leiden erinnern." Verteidiger Steffen Ufer forderte unterdessen erneut, den Haftbefehl gegen Niznansky aufzuheben. Es gebe in Jan Repasky bislang nur einen einzigen Zeugen, der ihn belastet habe. Und Repasky habe sich in seiner drei Tage andauernden Vernehmung als absolut unzuverlässig erwiesen, habe Namen und Orte verwechselt und "objektiv falsche Angaben" gemacht. Ein Gutachter bestätigte gestern, dass es begründete Zweifel an Repaskys Glaubwürdigkeit gebe. Niznansky werde in wenigen Tagen 87 Jahre alt und für ihn "zählt jeder Tag" in Freiheit, meinte Ufer daraufhin. Die Staatsanwaltschaft habe sich zu sehr auf die Ermittlungsergebnisse von 1962 gestützt, und "das war eine Fehleinschätzung". Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer widersprach dieser Darstellung vehement. Der Haftbefehl sei immer wieder von verschiedenen Gerichtsinstanzen bestätigt worden, er gehe daher auch weiterhin von einem "dringenden Tatverdacht" gegen den Angeklagten aus. Außerdem bestehe bei Niznansky noch immer "Fluchtgefahr", da er "mobil" sei und über "Vermögen verfügt, um im Ausland zu leben". Das Gericht wird voraussichtlich am Freitag entscheiden, ob Niznansky aus der Untersuchungshaft entlassen wird.

Am 15. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Niznansky-Prozess

Wenn nicht mehr Wahrheit zu finden ist

Wende im Münchner Prozess um NS-Massaker: Nach widersprüchlichen Aussagen des Kronzeugen hat das Gericht den Haftbefehl gegen Ladislav Niznansky aufgehoben. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr. Mit einem Lächeln verließ der mutmaßliche Kriegsverbrecher den Gerichtssaal.
Von Michael Nienaber


"Ich habe immer gesagt, ich bin unschuldig" - der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky mit seiner Ehefrau.
Foto: dpa
Im Münchner Kriegsverbrecherprozess um Massaker in der Slowakei hat das Schwurgericht den Haftbefehl gegen den 86-jährigen Ladislav Niznansky aufgehoben. Nach rund neun Monaten Untersuchungshaft kam der wegen mehrfachen Mordes angeklagte Deutsche noch am Freitag frei. Nach dem derzeitigen Stand der Verhandlung könne nicht mehr von einem dringenden Tatverdacht ausgegangen werden, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl. "Das bedeutet, dass Sie heute auf freien Fuß kommen", erklärte er an Niznansky gerichtet. Tatverdacht bestehe aber weiterhin. Zusammen mit seiner Ehefrau verließ der mutmaßliche Kriegsverbrecher lächelnd den Gerichtssaal. "Ich habe von Anfang an gesagt, ich bin unschuldig", sagte Niznansky im Gespräch mit sueddeutsche.de. Die Entlassung aus der Untersuchungshaft sei eine große Erleichterung, fügte er hinzu. Für ihn sei die Entscheidung des Richters ein Vorzeichen, dass nun doch noch alles gut ausgehen werde. Der gebürtige Slowake Niznansky ist seit 1996 deutscher Staatsbürger und feiert in neun Tagen seinen 87. Geburtstag. Die Staatsanwaltschaft wirft Niznansky vor, als führendes Mitglied der Einheit "Edelweiß" Anfang 1945 für den Tod von 164 Zivilisten verantwortlich gewesen zu sein. Er selbst soll eigenhändig 20 Menschen erschossen haben. Unter den Opfern befand sich auch eine Gruppe jüdischer Flüchtlinge. Der Hauptbelastungszeuge Jan Repasky, der damals der Einheit angehörte, hatte allerdings vor Gericht widersprüchliche Aussagen gemacht. Bei seiner mehrtägigen Befragung verwechselte der Slowake immer wieder Namen und Orte. Ein Gerichtspsychologe attestierte dem 79-jährigen Kronzeugen Erinnerungslücken auf Grund seines hohen Alters. Richter Götzl sagte am Freitag, Repasky habe auch seine vorherigen Aussagen nicht aufrechterhalten, wonach er selbst gesehen habe, dass Niznansky eigenhändig 20 Menschen getötet habe. Niznansky hatte während der Verhandlung immer wieder seine Unschuld beteuert. Ein tschechoslowakisches Gericht hatte ihn dagegen 1962 in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Damalige Mitangeklagte sagten jedoch, dass Aussagen und Geständnisse erpresst worden seien. Niznanskys Verteidiger Steffen Ufer sprach am Freitag von einer Signalwirkung für den Prozessausgang. Er rechne mit einem klaren Freispruch für seinen Mandanten. "Am Ende werden wir feststellen: Wenn nicht mehr Wahrheit zu finden ist, stößt auch die Justiz an ihre Grenzen", sagte Ufer mit Hinblick auf die Schwierigkeit, NS-Gräultaten 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges aufzuklären. Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer verwies jedoch darauf, dass die Beweisaufnahme noch lange nicht abgeschlossen sei. Die Aufhebung des Haftbefehls sei daher nur eine Momentaufnahme. "Ich persönlich schließe nicht aus, dass sich der Prozess noch bis ins nächste Jahr hinziehen wird", sagte Kuchenbauer. Ursprünglich war der 29. Oktober als letzter Verhandlungstermin angesetzt worden. Aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen wie der Entfernung von slowakischen und tschechischen Zeugen sowie der lange zurückliegenden Tatzeit der Massaker ist mit einem Richterspruch nun erst frühestens im November zu rechnen.

Am 17. Oktober 2004 berichtete der 'Bayerische Rundfunk':

Gericht setzt Niznansky auf freien Fuß

Der als Kriegsverbrecher angeklagte Ladislav Niznansky wird aus der Untersuchungshaft entlassen. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, teilte das Schwurgericht München mit. Die Staatsanwaltschaft hatte sich gegen eine Entlassung Niznanskys ausgesprochen. Sie sieht weiterhin Fluchtgefahr. Der Prozess wird wie geplant fortgesetzt.

Von einem dringenden Tatverdacht gegen den des Mordes in 164 Fällen angeklagten Niznansky "kann nach dem derzeitigen Stand des Verfahrens nicht mehr ausgegangen werden", begründete Vorsitzender Richter Manfred Götzl den Beschluss der Kammer. Niznansky verließ den Gerichtssaal in Begleitung seiner Ehefrau, um in seine Wohnung im Münchner Stadtteil Neuperlach zurückzukehren. Der 86-Jährige saß seit Januar dieses Jahres in Untersuchungshaft. Der Angeklagte sei zwar nach wie vor verdächtig, betonte Götzl. Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer hält die Aufhebung des Haftbefehls nicht für eine Vorentscheidung über den Prozessausgang: "Diese Ansicht ist verfrüht", erklärte der Vertreter der Anklage. "Ich bin sehr erleichtert", sagte Niznansky vor laufender Kamera. Zugleich beteuerte er erneut seine Unschuld. Niznanskys Verteidiger Steffen Ufer bezeichnete die Haftentlassung als "logisch". Ohne Zweifel sei sein Mandant in die damaligen Vorfälle verstrickt - ob dies aber schuldhaft geschehen sei, lasse sich nach fast 60 Jahren kaum noch klären.

Zeuge nimmt frühere Aussagen zurück
Im Laufe des Prozesses hatte der Hauptbelastungszeuge Jan Repasky mehrfach frühere Aussagen zurückgenommen und sich in Widersprüche verwickelt. Er könne sich nicht mehr erinnern, so der 79-Jährige vor dem Münchner Gericht. Der psychologische Sachverständige erklärte, Repasky lüge nicht, leide aber unter altersbedingten Erinnerungslücken. Seine Wahrnehmung sei pauschal und undifferenziert. "Er füllt die Lücken mit anderen, mehr oder weniger plausiblen Inhalten. Das ist ein durchgängiger Befund." Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, 164 Zivilisten getötet zu haben. Er soll die Verbrechen als Mitglied der "Abwehrgruppe 218 Edelweiß" begangen haben. Diese Einheit war unter deutscher Leitung gegründet worden, um in der Slowakei Partisanen zu bekämpfen. Der heute 86 Jahre alte Niznansky sei Kommandant der slowakischen Abteilung in der Abwehrgruppe gewesen. Laut Kuchenbauer war die "Kampfführung der Abwehrgruppe 218 'Edelweiß' durch besondere Hinterlist und Brutalität gekennzeichnet."

Rachefeldzug gegen die Dorfbevölkerung
Luftaufnahme des slowakischen Dorfes Ostry Grun 1945
Als die "Edelweiß"-Gruppe am 21. Januar 1945 zu den kleinen Orten Ostry Grun und Klak zog, um die dortige Bevölkerung wegen ihrer angeblichen Unterstützung von Partisanen auszulöschen, soll Niznansky befohlen haben, "dass keine lebendige Seele entkommen dürfe", so Kuchenbauer. Dies hatte Repasky bei einer Gerichtsverhandlung 1962 im slowakischen Banska Bystrika ausgesagt. Damals wurde er zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Bei einem Antrag auf Revision seines Urteils 1993 hatte er dagegen erklärt, er sei in Ostry Grun gar nicht dabei gewesen. Jüngstes Opfer war ein dreimonatiges Baby

Bei den Massakern in den beiden Dörfern wurden in Ostry Grun 62 Personen - darunter 23 Frauen und 15 Kinder - und in Klak 84 Personen - darunter 25 Frauen und 33 Kinder - ermordet. Im Gerichtsaal herrschte zum Prozessauftakt betroffenes Schweigen, als der Staatsanwalt die Namen und Geburtsdaten aller Opfer einzeln vorlas. Das jüngste Opfer war ein drei Monate altes Baby namens Jozefina, das älteste Opfer ein 79 Jahre alter Mann.

Niznansky: KZ oder Mitglied der Gruppe"Edelweiß"
Niznansky selbst erklärte im Prozess, er sei unschuldig. Er lieferte eine detaillierte Beschreibung seines persönlichen Werdegangs sowie seiner militärischen Laufbahn in der slowakischen Armee. Danach war er zunächst als Berufssoldat an der Vorbereitung des slowakischen Aufstandes gegen die deutsche Besatzung beteiligt. Nachdem der Aufstand gescheitert war, sei er vor die Wahl gestellt worden, sich an der Bekämpfung von Partisanen zu beteiligen oder in ein KZ-ähnliches Arbeitslager gebracht zu werden. Daraufhin habe er sich der Gruppe "Edelweiß" angeschlossen. Sein Verteidiger Steffen Ufer unterstrich, dass Niznansky nicht an den drei Massakern beteiligt gewesen sei. Der gebürtige Slowake Niznansky, der seit 1996 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wurde im Januar in München festgenommen. Dort lebte er mit seiner Frau 33 Jahre lang unauffällig in einer Eigentumswohnung. Ein Urteil in diesem Prozess wird für Ende Oktober erwartet.

Geschichtlicher Hintergrund
Die Slowakei hatte in Absprache mit dem Deutschen Reich im März 1939 kurz vor dem deutschen Einmarsch in Böhmen und Mähren ihre Autonomie erklärt und sich unter deutschen Schutz gestellt. Doch der Staat, der unter anderem von Polen und auch der UdSSR anerkannt wurde, war nur ein Vasallenstaat des Deutschen Reiches. Vor allem, als sich die slowakische Regierung am nationalsozialistischen Programm der Judenverfolgung beteiligte, wuchs der Widerstand in der Bevölkerung gegen die eigene Regierung. Ende August 1944 kam es zum Aufstand in der Slowakei, der zunächst auch erfolgreich war. Doch die slowakische Regierung rief die deutsche Wehrmacht zu Hilfe. Bis dahin war die Slowakei nicht von der Wehrmacht besetzt. Der Aufstand wurde im Oktober 1944 niedergeschlagen. Viele Partisanen zogen sich in die Berge zurück und kämpften dort gegen die deutschen Besatzer. SS und Wehrmacht nahmen schreckliche Rache an der Zivilbevölkerung, zündeten Bergdörfer an, verschleppten oder ermordeten die Bewohner. Vor diesem Hintergrund fanden auch die Massaker in den slowakischen Dörfern Ostry Grun, Klak und Ksinna statt.

Am 19. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Zwölfter Prozesstag

Historiker entlastet Niznansky

Ein slowakischer Museumsleiter attestiert dem Angeklagten, er habe damals als Dolmetscher gearbeitet. Somit habe der mutmaßliche Kriegsverbrecher nur Befehle übersetzt - nicht erteilt.
Von Alexander Krug

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky ist von einem slowakischen Historiker zum Teil entlastet worden. Jan Stanislav, Leiter des Museums des slowakischen Nationalaufstandes in Banska Bystrica, gab gestern am zwölften Prozesstag sein Gutachten ab. Aufgrund von Aussagen stehe wohl fest, dass Niznansky bei den Einsätzen gegen die Dörfer Ostry Grun und Klak dabei gewesen sei. Er habe jedoch nur Befehle seiner deutschen Vorgesetzten übersetzt und nie eigene erteilt. Stanislav musste jedoch konzedieren, dass er einen Großteil ausländischer Quellen bisher nicht auswerten konnte. Niznansky ist angeklagt, an Massakern in drei slowakischen Dörfern im Januar und Februar 1945 teilgenommen zu haben, bei denen insgesamt 164 Menschen ermordet wurden. Als Hauptmann befehligte er eine 131 Mann starke slowakische Abteilung innerhalb der Einheit "Edelweiß", die zur Partisanenbekämpfung eingesetzt wurde. Nach dem Gutachten des Historikers war der Einsatz lange vorbereitet worden und eine Reaktion auf die Erschießung von einigen Vertretern der deutsch-freundlichen Hlinka-Partei gewesen. Stanislav betonte, dass "Edelweiß" nicht nur aus einer slowakischen, sondern auch aus einer kaukasischen (moslemisch geprägten) und einer kosakischen Abteilung bestand, deren Tätigkeit bislang nur wenig erforscht sei. Diese etwa 100 Männer seien "besonders professionell" gewesen und hätten dem Edelweiß-Kommandeur Major Erwein Graf Thun-Hohenstein direkt unterstanden. Vor allem diese Männer hätten sich an den Massakern beteiligt, vermutet Stanislav. Die slowakische Abteilung habe sich fast alles aus Katholiken rekrutiert, viele hätten daher nach jeder Aktion eine Beichte abgelegt. Ihn habe stutzig gemacht, dass die Kirche in Klak zerstört worden sei. Dies sei ein klares Indiz für die Täterschaft der moslemischen Abteilung. Stanislav erwähnte auch die bislang unbekannten Aussagen von vier Angeklagten in einem Prozess 1963 in der Slowakei. Die Männer hatten damals übereinstimmend ein Massaker an 18 Juden geschildert, die sich bei Ksina in einem Erdloch versteckten, aufgespürt und hingerichtet wurden. Der Befehl dazu sei ausdrücklich von Graf Thun-Hohenstein gekommen, so Stanislav. "Keiner hat Niznansky erwähnt." Über die moralische Verantwortung Niznanskys wurde indes heftig gestritten. Der Angeklagte hatte geltend gemacht, 1944 unter Todesdrohungen zum Eintritt in die Einheit "Edelweiß" gezwungen worden zu sein. Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer hielt ihm jedoch mehrere Dokumente vor, wonach es keinen Zwang gab. Niznansky selbst hatte bei einer Vernehmung 1965 in München erklärt, er sei aufgrund seiner Verdienste für die Wehrmacht im Russlandfeldzug ausgewählt worden. Sein slowakischer Vorgänger war von den Deutschen abgesetzt worden, weil er offenbar Skrupel hatte, gegen Landsleute zu kämpfen. Der Prozess wird am 28. Oktober fortgesetzt.

Am 28. Oktober 2004 berichtete die 'Süddeutsche Zeitung':

Niznansky-Prozess

Schauprozess mit Drehbuch

Der Anwalt des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Niznansky hat geheime Unterlagen präsentiert. Das Verfahren gegen die Mitglieder von "Edelweiß" im Jahr 1962 wurde wohl vom Zentralkomitee gesteuert.
Von Alexander Krug

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ladislav Niznansky droht ein wichtiger Baustein der Anklage endgültig wegzubrechen. Es handelt sich dabei um den Prozess von 1962 in der Slowakei, bei dem 14 Mitglieder der berüchtigten Sondereinheit "Edelweiß" nach Geständnissen verurteilt wurden, unter ihnen auch Niznansky, der in Abwesenheit die Todesstrafe erhielt. Nach neuen Unterlagen, die Verteidiger Steffen Ufer gestern dem Gericht vorlegte, wurde der Prozess offenbar von oberster Stelle regelrecht dirigiert. Ufer präsentierte die Kopie eines als "streng geheim" deklarierten Berichts von einer Sitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei (KP) der Slowakei vom Oktober 1962. Darin wurde einen Monat vor Prozessbeginn in Banska Bystrica gegen die "Edelweiß"-Mitglieder dessen Ablauf penibel festgelegt. Alle Richter und Staatsanwälte gehörten der KP an, außerdem die Mehrzahl der bestellten Verteidiger. Angeregt wurde auch, das Oberste Gericht direkt nach Banska Bystrica zu verlegen, um umgehend auf mögliche prozessuale Beschwerden der Angeklagten reagieren zu können. Das Gericht tagte damals vom 12. bis 22. November 1962. Die letzten beiden Tage waren für die Urteilsberatung vorgesehen. Ausgerechnet für den 21. November ordnete die KP eine "Besprechung" aller am Prozess Beteiligten an. Dabei sollten sie "Instruktionen über eine wirksame Auswertung des Prozesses" im In- und Ausland erhalten. Für Anwalt Ufer steht damit zweifelsfrei fest, dass es sich um einen "Schauprozess mit Drehbuch" handelte. Auch die Richter des Schwurgerichts äußerten erhebliche Bedenken. "Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Partei den Prozess gesteuert hat", formuliert es Richter Alfred Tüting. Davon jedoch will der Zeuge nichts wissen. Martin Kovac, 71, war damals Staatsanwalt in Banska Bystrica und ist zum zweiten Mal aus der Slowakei als Zeuge angereist. Er betont erneut, dass es seinerzeit keinerlei Einflüsse von außen gegeben habe, die vorgelegten Dokumente seien ihm völlig neu. "Ich höre das hier zum ersten Mal", so Kovac. Er sei bei dieser Besprechung am 21. November nicht dabei gewesen, im Übrigen handele es sich bei dem Dokument lediglich um eine "Anweisung", wie der Prozess progagandistisch auszuwerten sei. "Es ging um die mediale Nutzung des Verfahrens", sagt der Zeuge, alles andere sei "irrelevant". Kovac betont, dass es Anfang der 60er Jahre in der Tschechoslowakei einen "neuen Geist" gegeben habe. "Fehler" der früheren Jahre seien beseitigt worden, beispielsweise sei die Strafprozessordnung modifiziert worden. Die Ermittlungsorgane seien deshalb direkt der Staatsanwaltschaft unterstellt und von ihr kontrolliert worden. Kovac spricht damit die Vorwürfe ehemaliger Angeklagter an, die behaupteten, 1962 mit Drohungen und Folterungen zu Geständnissen gezwungen worden zu sein. Er könne sich an keine Verstöße in dieser Richtung erinnern, meint Kovac. "Ich habe nie eingreifen müssen." Der Prozess wird am Freitag mit der Vernehmung einer slowakischen Staatsanwältin fortgesetzt.

Am 29. Oktober 2004 berichtete 'Yahoo Nachrichten':

Überlebende vor Zeugenaussage im Niznansky-Prozess

München (AP) Im Münchner Kriegsverbrecherprozess will das Schwurgericht demnächst zwei slowakische Überlebende der Massaker vom Januar 1945 als Zeugen hören. Per Videokonferenz wollten sie am 18. und 19. November aussagen, gab das Gericht am Freitag bekannt. In dem Prozess ist der 87-jährige Ladislav Niznansky des Mordes an 164 Männern, Frauen und Kindern angeklagt. Als Kommandeur der slowakischen Kompanie der Wehrmachts-Abwehrgruppe Edelweiß soll er an drei Massakern maßgeblich mitgewirkt haben. Die slowakische Staatsanwältin Danka Zanovitova sagte am Freitag aus, bei Vernehmungen 2001 hätten alle drei Überlebenden der Massaker berichtet, dass die Täter deutsche Uniformen und Tarnanzüge getragen hätten. Zwei Überlebende hätten deutsche und slowakische Stimmen gehört, die dritte Überlebende nur deutsche. Der Augenzeuge Frantisek Debnar sagte der slowakischen Staatsanwältin zufolge, Edelweiß-Chef Major Thun habe eigenhändig 64 Menschen erschossen. Bei dem tschechoslowakischen Kriegsverbrecherprozess 1962 seien die beiden überlebenden Frauen aber nicht als Zeugen gehört worden. Staatsanwalt Konstantin Kuchenbauer erwartet, dass der Prozess bis Frühjahr 2005 fortgesetzt wird. Das Gericht werde wohl nach Slowenien reisen müssen, um alle Zeugen zu hören. Möglich sei auch, dass slowakische Richter die Zeugen im Beisein eines Münchner Richters verhörten.                                                                               

 

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Freitag, 4. Februar 2005

 

Wien. Schwurgericht lässt im Fall Niznansky nachermitteln

Zu prüfen sind unter anderem, ob Niznansky 1962 in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war. Gegen den 87-jährigen wird seit September 2004 wegen dreier Massaker an der Zivilbevölkerung im Januar 1945 verhandelt. Die Hauptpfeiler der Anklage ­ das Urteil von 1962 und die an Widersprüchen reiche Aussage eines Angehörigen der Gruppe hatten der Überprüfung nicht stand gehalten. Der Haftbefehl gegen Niznansky war deshalb aufgehoben worden. Seither bemüht sich das Schwurgericht um die Ermittlung noch lebender weiterer Zeugen der Massaker.

Am Freitag wurde die Aussage eines inzwischen verstorbenen „Edelweiß“-Mitglieds aus dem Jahre 1962 verlesen. Der Mann hatte unter anderem an der Aktion in Klak teilgenommen. Nach seinen damaligen Angaben hat Niznansky am Vorabend des Einsatzes seiner Abteilung befohlen, der Stab der Partisanen in dem Dorf müsse „liquidiert“ werden. Von Anweisungen gegen die Zivilbevölkerung berichtete der Zeuge 1962 aber nicht. Im Dorf habe es einen Schusswechsel gegeben, darauf habe die Einheit das Feuer eröffnet und bei Tagesanbruch eingestellt. Er habe vor dem Abrücken 15 bis 20 Tote gesehen.

Der Prozess wird am 25. Februar fortgesetzt, ein Ende ist noch nicht abzusehen.

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Quelle: Internet
 

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