Entnommen aus 'Alles Schall und Rauch' 

 

Wie FOX-News über den Krieg in Georgien berichtet

Einer der grössten TV-Nachrichtensender Amerikas, Fox-News, interviewte Zeugen aus dem Kriegsgebiet in Georgien. Als diese sagen, Georgien ist der Aggressor, werden sie ganz schnell abgeklemmt.

In ihrer Nachrichtensendung präsentiert FOX-News ein 12-jähriges Mädchen und Ihre Tante, die gerade in Südossetien die Kriegsgeschehnisse erlebt haben und nach San Francisco zurückgekommen sind. Am Anfang beschreibt der Moderator in aller Länge und voller Emotionen, wie schrecklich es sein muss, bombardiert zu werden. Das Mädchen wird gefragt, was es erlebt hat.

Es erzählt ihre Geschichte und sagt dann, "bevor ich weiter erzähle, möchte ich sagen, ich lief von georgischen Truppen davon, es waren die Georgier, die unsere Stadt bombardiert haben und nicht russische Truppen. Ich möchte mich bei den russischen Truppen bedanken, die uns heraus geholfen haben." Und ihre Tante sagt: "Es war schrecklich für uns alle. Das wichtigste, was ich sagen will, hier im TV, ist, wer der Schuldige für diesen blutigen Konflikt ist, es ist Herr Saakashvili, der diesen Krieg angefangen hat, er ist der Aggressor, und für zwei Tage sind meine südossetischen Landsleute bombardiert worden, 2'000 Menschen wurden dabei getötet ...". Der Moderator unterbricht das Interview und sagt, wir müssen für eine Werbepause wegschalten. Sie bekommen nach der Werbung nur noch wenige Sekunden, um zu sagen "Nicht die georgische Bevölkerung ist dafür verantwortlich, sondern die georgische Regierung, und sie muss zurücktreten." Der Moderator sagt dann, die Zeit ist abgelaufen, und das Interview war ganz schnell fertig.

Offensichtlich ist den Fox-Leuten ein Fehler passiert und sie haben die "falschen Zeugen" aus dem Kriegsgebiet ins Studio gebeten, nämlich die, welche die Georgier als die Kriegsverbrecher beschreiben und nicht die, welche die Propagandalüge, es waren die bösen Russen, bestätigen. So was kann bei einer Live-Schaltung schon passieren, dass die Interview-Partner sich nicht an die Vorgaben halten. Sie wollten sicher hören, wie die Russen die Bomben geworfen haben und nicht, dass sie die Retter waren. Die Wahrheit passt überhaupt nicht ins Bild und wird abgeklemmt.

Die Strippenzieher hinter Georgiens Präsident Saakaschwili

von F. William Engdahl


Der Streit über den georgischen Überraschungsangriff auf Südossetien und Abchasien am 8. August 2008 macht es umso wichtiger, sich den umstrittenen georgischen Präsidenten einmal genauer anzusehen. Der 41-jährige Michail Saakaschwili erweist sich als rücksichtsloser und korrupter Politiker, der nicht nur Verbindungen zum NATO-Establishment, sondern auch zum israelischen Militär und Nachrichtendienst unterhält. Die berühmte »Rosen-Revolution« vom November 2003, die den alternden Eduard Schewardnadse aus dem Amt jagte und den damals 36-jährigen Absolventen einer amerikanischen Universität an die Macht brachte, wurde vom US-Außenministerium, den Soros-Stiftungen und Kreisen um das Pentagon und die US-Geheimdienste gelenkt und finanziert.

Michail Saakaschwili wurde bewusst in einer höchst ausgeklügelten amerikanischen Operation zum Regimewechsel an die Macht gebracht. Damals waren scheinbar private NGOs (Nicht-staatliche Organisationen) am Werk, die eine Atmosphäre öffentlichen Protests gegen das bestehende Regime des ehemaligen sowjetischen Außenministers Eduard Schewardnadse schufen, der für Washington nicht mehr nützlich war, weil er mit Moskau über Gas- und Ölpipelines sowie Privatisierungen ins Geschäft kam.

Der professionell in Szene gesetzte Staatsstreich, der Saakaschwili an die Macht brachte, sollte Georgien in die NATO verhelfen und die Öllieferungen aus Baku sichern.

Saakaschwili wurde von einem US-gesteuerten Putsch ins Amt gehievt, den NGOs lanciert hatten, die mit amerikanischen Geldern finanziert wurden. Diese NGOs wendeten dabei die neuesten US-Methoden zur Destabilisierung von Regimes an, die von Washington als amerikafeindlich eingestuft wurden. Laut dem Wall Street Journal vom 24. November 2003 war der Sturz von Schewardnadses Regime das Werk »einer Reihe nicht-staatlicher Organisationen …, die von amerikanischen und westlichen Stiftungen finanziert werden.« Diese NGOs, so das Journal, hätten »eine Klasse junger englischsprachiger Intellektueller hervorgebracht, die pro-westliche Reformen wollten«; diese neue politische Klasse legte dann den entscheidenden Grundstock für den unblutigen Staatsstreich.

NGO-Putsch

Aber da ist noch mehr. Die damaligen Aktivitäten dieser NGOs in Tiflis wurden von dem neuen US-Botschafter in Georgien, Richard Miles, koordiniert, der soeben aus Belgrad eingetroffen war, wo er kurz zuvor den erfolgreichen Sturz Slobodan Milosevics mithilfe der gleichen NGOs bewerkstelligt hatte. Miles, der als Spezialist für verdeckte Geheimdienstoperationen gilt, betreute auch den Staatsstreich von Saakaschwili.

Daran beteiligt waren auch die Stiftung 'Open Society Georgia Foundation' des US-Milliardärs George Soros sowie das in Washington ansässige 'Freedom House', das unter der Leitung des ehemaligen CIA-Chefs James Woolsey steht. Darüber hinaus flossen großzügig gewährte Gelder der vom US-Kongress finanzierten Stiftung 'National Endowment for Democracy' nach Tiflis – diese NED wurde von Ronald Reagan in den 1980er-Jahren geschaffen, um »auf privater Ebene Dinge zu tun, die früher die CIA erledigt hat«, nämlich Coups gegen Regimes zu lancieren, die der US-Regierung nicht genehm sind.

Die Stiftungen von George Soros waren gezwungen, mehrere osteuropäische Länder, darunter auch Russland sowie China, nach dem Studentenaufstand auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Sommer 1989 zu verlassen. Zusammen mit dem US-Außenministerium finanziert Soros auch die Organisation 'Human Rights Watch', ein in Amerika beheimateter und von dort finanzierter Arm des gesamten NGO-Apparats, der Staatsstreiche wie die »Rosen-Revolution« in Georgien lanciert hat sowie die »Orangene Revolution« in der Ukraine 2004. Einige Analysten halten Soros für einen hochrangigen Agenten des US-Außenministeriums oder der US-Geheimdienste, der seine Stiftungen lediglich als Tarnung benutzt.

Das US-Außenministerium finanzierte z.B. das 'Georgia Liberty Institute' (Freiheitsinstitut Georgiens), dem Saakaschwili vorstand, der von Washington zum Nachfolger für den nicht mehr kooperativen Schewardnadse auserkoren worden war. Dieses 'Liberty Institute' schuf die Bewegung Kmara!, zu deutsch »Es reicht!« Nach einem damaligen Bericht der BBC wurde Kmara! im Frühjahr 2003 gegründet, als Saakaschwili zusammen mit einigen handverlesenen georgischen Studenten und Aktivisten auf Kosten der Soros-Stiftung nach Belgrad reiste, um von den Aktivisten der US-finanzierten Bewegung 'Otpor' zu lernen, die Milosevic gestürzt hatte. Saakaschwili und seine Freunde wurden vom Belgrader Zentrum für gewaltfreien Widerstand in Gene Sharps »Gewaltfreiheit als Methode der Kriegsführung« ausgebildet.

Saakaschwili als Mafioso-Präsident

Als Saakaschwili im Januar 2004 sein Amt als neuer georgischer Staatspräsident angetreten hatte, machte er sich daran, das Regime mit seinen Kumpanen und Verwandten zu besetzen. Der Tod seines Premierministers Surab Schwania im Februar 2005 bleibt ein Rätsel. Die offizielle Version – Vergiftung durch einen schadhaften Gasofen – wurde von amerikanischen FBI-Spezialisten nach zweiwöchiger Untersuchung übernommen. Jedem, der die Killermethoden der georgischen Unterwelt, das organisierte Verbrechen und die anderen Anzeichen gesellschaftlichen Verfalls kennt, ist diese Version nie glaubwürdig erschienen. Kurz nach Schwania starb auch ein Funktionär aus dem Präsidentenapparat, Georgi Khelashvili; angeblich erschoss er sich am Tag nach dem Rücktritt seines Chefs. Der Chef von Schwanias Forschungsstab wurde später ebenfalls tot aufgefunden.

Kräfte, die mit Saakaschwili in Verbindung standen, hatten angeblich beim Tod des Premierministers die Hand im Spiel. Die russische Journalistin Marina Perevoskina zitierte den georgischen Ökonomen Gia Khurashvili. Vor dem tödlichen Unfall hatte Khurashvili einen Artikel in der Zeitung 'Resonans' veröffentlicht, in dem er sich gegen die Privatisierung und den Verkauf der wichtigsten georgischen Pipeline aussprach. Zehn Tage, bevor der Premierminister tot aufgefunden wurde, wurde Khurashvili tätlich angegriffen und sein Chefredakteur – der sich auf Druck von Personen aus dem »Sicherheitsdienst« berief, deren Identität er nicht preisgeben wollte – übermittelte ihm eine Warnung.

Es wurde vermutet, dass die Haltung des verstorbenen Premierministers der direkte Grund für den Mord an Schwania war. Dessen Bruder Georgi erzählte Perevoskina auch, sein Bruder habe kurz vor seinem Tod eine Warnung erhalten, jemand plane, Surab Schwania zu ermorden. Saakaschwili wurde Berichten zufolge fuchsteufelswild, als das US-Außenministerium Schwania zur Verleihung einer Freiheitsmedaille des regierungsnahen 'National Democratic Institute' nach Washington einlud. Saakaschwili toleriert anscheinend keinen Machtrivalen.

Als Präsident berief Michail Saakaschwili, der sich vorher geschickt als »Korruptionsgegner« angepriesen hatte, mehrere Familienmitglieder auf lukrative Regierungsposten; einer seiner Brüder wurde Chefberater für die innenpolitischen Fragen beim Baku-Ceyhan-Pipelineprojet, das von British Petroleum (BP) und anderen Ölmultis unterstützt wird.

Seit Saakaschwili 2004 mit der Hilfe der USA in Tiflis an die Macht kam, hat es unter seiner Regierung Verhaftungen, lange Haftstrafen und Folter gegeben; außerdem hat die Korruption zugenommen. Unter seiner Führung wurde ein De-facto-Einparteienstaat geschaffen, in dem eine Pseudo-Opposition eine winzige Zahl von Abgeordneten ins Parlament entsendet. Saakaschwili selbst lässt für sich am Stadtrand von Tiflis einen Präsidentenpalast à la Ceaucescu bauen. Nach Angaben der Zeitschrift Civil Georgia (22. März 2004) wurden bis 2005 die Gehälter für Saakaschwili und viele seiner Minister angeblich vom NGO-Netzwerk des in New York ansässigen Spekulanten Soros bezahlt – zusammen mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen.

Israelisches und amerikanisches Militär bilden die georgischen Streitkräfte aus

Der militärische Angriff auf Südossetien und Abchasien – den Saakaschwili Ende letzter Woche befohlen hatte, obwohl er doch stets behauptet hatte, er strebe eine diplomatische und keine militärische Lösung des Gebietskonflikts an – wird von amerikanischen und israelischen militärischen »Beratern« unterstützt. Die israelische Zeitung Haaretz berichtete, am 10. August habe der georgische Minister für Wiedereingliederung, Temur Jakobschwili, »in einem Interview mit dem Radio der [israelischen] Armee die israelischen Streitkräfte für die Ausbildung georgischer Truppen gelobt und betont, Israel solle auf seine militärische Stärke stolz sein. ›Israel sollte stolz auf sein Militär sein, das die georgischen Soldaten ausgebildet hat‹, erklärte Jakobschwili auf hebräisch dem Radio der Armee, und bezog sich dabei auf eine private Gruppe aus Israel, die Georgien angeheuert hatte.«

Der russlandfeindliche Obama-Berater Zbigniew Brzezinski fordert wegen des Kriegs im Kaukasus ein totales wirtschaftliches und politisches Embargo gegen Russland.

Eines der Ziele der russischen Bombenangriffe auf Tiflis war nach Angaben von IsraelNN.com »ein georgischer Rüstungsbetrieb, in dem israelische Experten Kampfjets für die georgischen Streitkräfte aufrüsten … Russische Kampfjets bombardierten Pisten in dem nahe Tiflis gelegenen Betrieb, wo die israelische Sicherheitsfirma Elbit an der Aufrüstung georgischer SU-25-Jets arbeitet.«

Israels Außenministerin und mögliche Nachfolgerin des zurückgetretenen israelischen Premierministers Olmert, Tzipi Livni, erklärte am 10. August, dass »Israel Georgiens territoriale Integrität achtet« – eine verschlüsselte Erklärung, die bedeutet, dass man Georgiens Versuch, Südossetien und Abchasien militärisch einzunehmen, unterstützt.

Israels Außenministerin Tzipi Livni, hier mit Condoleezza Rice, unterstützt Georgiens Krieg um Südossetien und Abchasien.

Die 1.000 Militärberater in Georgien, von denen in der Presse berichtet wurde, waren nicht allein. Am 15. Juli verbreitete die Nachrichtenagentur Reuters folgende Information: »VAZIANI, Georgien – Eintausend US-Soldaten begannen am Dienstag in Georgien vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Georgien und dem benachbarten Russland ein Militärmanöver namens Immediate Response 2008 (zu deutsch: Sofortige Antwort). Das zweiwöchige Manöver fand auf der Militärbasis in Vaziani nahe der Hauptstadt Tiflis statt, einer ehemaligen russischen Basis, von der sich die Russen im Rahmen eines europäischen Abrüstungsvertrags zurückgezogen hatten … Georgien hat ein 2.000 Mann starkes Kontingent zur Unterstützung der US-geführten Koalition im Irak stationiert; Washington liefert Ausrüstung und Ausbildung an das georgische Militär. Die Vereinigten Staaten sind Verbündeter Georgiens und haben Russland mit ihrer Unterstützung für den Antrag Georgiens auf Mitgliedschaft in der NATO-Militärallianz irritiert … ›Hauptzweck dieser Manöver ist, die Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen den amerikanischen und georgischen Streitkräften zu intensivieren‹, erklärte Brig. Gen. William B. Garrett, Kommandant der Southern European Task Force der US-Streitkräfte gegenüber Reportern.«

Da Russland offen das einheimische Militär in Südossetien und Abchasien unterstützt und ausbildet, um Russlands Präsenz in der Region aufrecht zu erhalten – besonders seit der Machtübernahme des von den USA unterstützten NATO-freundlichen Saakaschwili-Regimes Anfang 2004 –, gleicht der Kaukasus zunehmend dem Spanien der Zeit des Bürgerkriegs von 1936 bis 1939, als die Sowjetunion, Nazideutschland und andere Staaten Geld, Waffen und Freiwillige nach Spanien in einen verheerenden Krieg entsandten, der zum Vorläufer des Zweiten Weltkriegs wurde.

Eine kuriose Fußnote zu dem Beginn der Kampfhandlungen genau am Eröffnungstag der Olympischen Spiele, als Putin, George W. Bush und viele andere Staatschefs und hohe Politiker weit weg in Peking weilten, ist ein Bericht in IsraelNN.com von Gl Ronen, in dem es heißt: »Das Vorgehen Georgiens gegen Südossetien war von politischen Erwägungen motiviert, die mit Israel und dem Iran zu tun haben; nach Angaben von Nfc. habe sich der georgische Präsident entschlossen, die Kontrolle über die abtrünnige Region zu erkämpfen, um Israel zu zwingen, seine Entscheidung zu überdenken, die Unterstützung für das georgische Militär herunterzufahren.«

Ronen fügte hinzu: »Russische und georgische Medien berichteten vor wenigen Tagen, Israel habe beschlossen, die Unterstützung für Georgien einzustellen, nachdem Moskau gegenüber Jerusalem und Washington klargestellt habe, dass Russland eine weitere Unterstützung für Georgien damit beantworten werde, Flugabwehrsysteme an Syrien und den Iran zu verkaufen.« Israel plant, über die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline aus der kaspischen Region Öl- und Gaslieferungen zu erhalten.

Ob nun der Streit über die Pipelines oder Russlands Kampfansage an Israel der unmittelbare Auslöser für Saakaschwilis gefährliches Spiel gewesen sein mag: klar ist, dass der impulsive Georgier und seine Strippenzieher sich auf ein Spiel eingelassen haben, dessen Ausgang niemand kontrollieren kann.

Erbeutete Landkarten zeigen, Georgien plante Invasion von Abchasien

Russische Truppen entdeckten in einem erbeuteten georgischen Armeefahrzeug Pläne, die ihrer Ansicht nach beweisen, wie Abchasien erobert werden sollte. Am Mittwoch haben abchasische Streitkräfte erfolgreich georgische Truppen aus dem oberen Kodori-Tal zurückgedrängt, in der Absicht, diesem Angriff zuvorzukommen.

In den letzten Tagen war die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf den Angriff der Georgier in Südossetien gerichtet. Aber die erbeuteten Dokumente zeigen offensichtlich, dass Georgien auch die Invasion von Abchasien plante, einer Provinz am Schwarzen Meer doppelt so groß wie Südossetien..

Der Kaukasus – Washington riskiert Atomkrieg durch Fehlkalkulation 

von
F. William Engdahl 

Der dramatische Angriff der Streitkräfte der Republik Georgien auf Südossetien Ende der letzten Woche hat die Welt durch eine Fehlkalkulation dem schlimmsten Schrecken aus der Zeit des Kalten Krieges einen großen Schritt näher gebracht – einem Atomkrieg zwischen Russland und den Vereinigten Staaten. Was jetzt im Kaukasus geschieht, wird von den US-Medien in ein beängstigend irreführendes Licht gerückt, denn Washington versucht, Moskau als alleinigen Aggressor darzustellen. Die Frage ist, ob George W. Bush und sein Vize Dick Cheney den wenig stabilen Präsidenten Michail Saakaschwili zu seinem militärischen Abenteuer ermuntert haben, um auf diese Weise den nächsten US-Präsidenten zu zwingen, die NATO-Militäragenda der »Bush-Doktrin« zu unterstützen. Dieses Mal könnte Washington die Möglichkeiten, ähnlich wie im Irak, völlig falsch eingeschätzt zu haben – allerdings eventuell mit Konsequenzen, die nuklearer Natur sind.

Wie ich in meinem Aufsatz vom 11. Juli Georgien, Washington, Moskau: Atomarer geopolitischer Machtpoker beschrieben habe, besteht das fundamentale Problem in der Tatsache, dass seit der Auflösung des Warschauer Paktes 1991 ein ehemaliges Mitgliedsland nach dem anderen sowie ehemalige Staaten der UdSSR überredet und in vielen Fällen mit falschen Versprechungen bestochen worden sind, sich dem gegnerischen Militärbündnis, der NATO, anzuschließen.

Anstatt nach der Auflösung des Warschauer Paktes 1991 eine Diskussion über eine systematische Auflösung der NATO zu beginnen, hat Washington die NATO gezielt in ein Instrument verwandelt, das man nur als Militärvehikel globaler imperialer Herrschaft Amerikas bezeichnen kann und das durch ein ganzes Netzwerk von Militärbasen vom Kosovo über Polen, die Türkei, Irak bis Afghanistan reicht. 1999 schlossen sich die ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten Ungarn, Polen und die Tschechische Republik der NATO an. Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien und die Slowakei folgten im März 2004. Jetzt macht Washington enormen Druck bei den EU-Mitgliedsstaaten, besonders Deutschland und Frankreich, im kommenden Dezember der Aufnahme von Georgien und der Ukraine in die NATO zuzustimmen.

Die Wurzeln des Konflikts

Der Konflikt zwischen Georgien und Südossetien bzw. zwischen Georgien und Abchasien hat einige Wurzeln, die im Folgenden dargestellt werden sollen. Zunächst einmal streben die Südosseten, die bis 1990 eine autonome Region innerhalb der Sowjetrepublik Georgien waren, nach einem gemeinsamen Staat mit ihren ethnischen Brüdern in Nordossetien, einer autonomen Republik der Russischen Sowjetrepublik und heute der Russischen Föderation. Es gibt eine historisch begründete Angst der Osseten vor einem gewalttätigen georgischen Nationalismus. Außerdem haben sie Anfang der 1990er-Jahre den Hass der Georgier gegenüber ethnischen Minderheiten unter der Führung des Swiad Gamsachurdia erlebt, ein Hass, der sich nun wieder unter dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili zeigt. Saakaschwili wurde im Dezember 2003 mit amerikanischer Finanzhilfe und einem US-gesteuerten verdeckten Regimewechsel, der sogenannten »Rosen-Revolution«, an die Macht gebracht. Nun reißen die Dornen dieser Rosen blutige Wunden.

Ein Blick auf die Landkarte zeigt, warum Moskau eine NATO-Mitgliedschaft Georgiens oder der Ukraine nicht zulassen darf.

Abchasien und Südossetien – das erste ein traditionelles Erholungsgebiet am Schwarzen Meer; das zweite ein verarmtes, dünn besiedeltes Gebiet, das im Norden an Russland grenzt – haben jeweils ihre eigenen Sprache, Kultur und Geschichte. Als die Sowjetunion zusammenbrach, versuchten beide Regionen, sich in blutigen Konflikten von Georgien zu lösen – Südossetien 1990 bis 1991 und Abchasien 1992 bis 1994.

Im September 1990 schickte Georgien unter Gamsachurdia Truppen nach Südossetien, nachdem die Region ihre Unabhängigkeit erklärt hatte. Dieser Vorstoß Georgiens wurde von Truppen des sowjetischen Innenministeriums zurückgeschlagen. Dann widerrief Georgien die Autonomie der Region Südossetien und verleibte sie sich ein. Beide Kriege endeten mit einem von Russland ausgehandelten Waffenstillstand und mit der Entsendung von Friedenstruppen der damals gerade etablierten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Die Lage verhärtete sich bis zum Zustand »eingefrorener Konflikte«, vergleichbar dem Zypernkonflikt. Ende 2005 unterzeichnete Georgien mit Abchasien ein Abkommen, wonach Tiflis auf jegliche Gewaltanwendung verzichtete und Abchasien im Gegenzug zustimmte, dass die über 200.000 ethnischen Georgier, die vor der Gewalt geflohen waren, schrittweise zurückkehren konnten. Dies Abkommen wurde jedoch 2006 gebrochen, als Saakaschwili Truppen nach Abchasien entsandte, um das Kodori-Tal zurückzuerobern. Seit dieser Zeit hat Saakaschwili die Spannungen geschürt und eine Militäraktion vorbereitet.

Kritisch ist Russlands Unterstützung für die Südosseten. Russland ist nicht bereit, den NATO-Beitritt Georgiens hinzunehmen. Darüberhinaus sind die Osseten die ältesten Alliierten der Russen im Kaukasus und haben der russischen Armee in vielen Kriegen Soldaten zur Verfügung gestellt. Russland will die Osseten und Abchasen nicht aufgeben, schon um die Ausbreitung der ethnischen Unruhen unter ihren Landsleuten im russischen Nordossetien zu verhindern. Bei einem Referendum im November 2006 stimmten 99 Prozent der Südosseten für die Unabhängigkeit von Georgien; die meisten Einwohner Südossetiens hatten damals bereits seit langer Zeit russische Pässe. Das erlaubte es jetzt Russlands Präsident Medwedjew, seinen militärischen Gegenangriff auf Georgien am letzten Freitag als Schritt zum »Schutz des Lebens und der Würde russischer Bürger, wo immer sie sich aufhalten« zu bezeichnen.

Für Russland ist Ossetien seit der Zarenzeit eine wichtige strategische Basis nahe der türkischen und iranischen Grenze. Die USA betrachten Georgien als wichtiges Transitland für Öl, das vom Kaspischen Meer zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan gepumpt wird, und auch als potentielle Basis für Washingtons Bemühungen, den Iran einzukreisen.

Die russische Antwort auf die georgische Invasion in Bezug auf Südossetien war eindeutig.

Die Georgier betrachten Südossetien und Abchasien einfach als Teil ihres Territoriums, das zurückerobert werden muss, koste es, was es wolle. Das Versprechen der NATO-Führung, Georgien in die Allianz zu holen, und die ostentativen Unterstützungserklärungen Washingtons haben Saakaschwili offenbar ermutigt, seine Militäroffensive gegen die beiden Provinzen Südossetien und Abchasien zu lancieren. Saakaschwili und wahrscheinlich auch das Büro von US-Vizepräsident Cheney im fernen Washington scheinen sich übel verrechnet zu haben. Russland hat klargestellt, dass es keine Absicht hat, seine Unterstützung für Südossetien und Abchasien aufzugeben.

Stellvertreterkrieg

Im März dieses Jahres, als Washington vorpreschte und die Unabhängigkeit des Kosovo im früheren Jugoslawien anerkannte – was Kosovo gegen den Willen des UN-Sicherheitsrats und besonders entgegen den Protesten Russlands de facto zum NATO-Mitglied machte –, antwortete Putin mit Anhörungen in der Russischen Duma über die Anerkennung Abchasiens, Südossetiens und Transnistriens, einer pro-russischen abtrünnigen Region in Moldawien. Nach Moskaus Ansicht sollte die westliche Logik bezüglich des Kosovo auch für diese ethnischen Gemeinschaften gelten, die sich von der Kontrolle durch einen feindlichen Staat befreien wollten. Mitte April stellte Putin, damals noch Russlands Präsident, die Möglichkeit einer Anerkennung für die abtrünnigen Republiken in Aussicht. Es war ein geopolitisches Schachspiel im strategisch wichtigen Kaukasus um ein sehr hohes Ziel – nämlich die Zukunft Russlands.

Georgiens Präsident Saakaschwili wurde durch eine von Washington gelenkte »Farbenrevolution« an die Macht gehievt, um Georgien in die NATO zu bringen.

Saakaschwili rief damals Putin an und bedrängte ihn, die Entscheidung zurückzunehmen. Er erinnerte den russischen Präsidenten daran, dass sich der Westen auf die Seite Georgiens geschlagen hatte. Im vergangenen April, beim NATO-Gipfel im rumänischen Bukarest, schlug US-Präsident Bush vor, Georgien in das offizielle Beitrittsprogramm der NATO (Membership Action Plan, MAP) aufzunehmen – eine Vorstufe zur NATO-Vollmitgliedschaft. Zu Washingtons großer Überraschung weigerten sich allerdings zehn NATO-Mitgliedsstaaten, diesen Plan zu unterstützen, darunter Deutschland, Frankreich und Italien.

Sie argumentierten, die Aufnahme Georgiens sei wegen des Konfliktes um Südossetien und Abchasien problematisch. In Wirklichkeit sagten Sie damit aber, Georgien deshalb nicht unterstützen zu wollen, weil sich Europa ansonsten gemäß Artikel 5 des NATO-Vertrags – der verlangt, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Mitgliedsland der NATO als Angriff auf alle NATO-Mitglieder angesehen werden muss und deshalb den Einsatz der kollektiven Streitkräfte aller NATO-Mitglieder erfordert – möglicherweise einem Krieg mit Russland über die winzige Kaukasus-Region Georgien mit ihrem unberechenbaren Diktator Saakaschwili stellen müsste. Das würde bedeuten, dass der unruhige Kaukasus dann zum möglichen Auslöser eines Dritten Weltkriegs würde.

Russland bedroht Georgien, aber Georgien bedroht Abchasien und Südossetien. Russland sieht für Georgien wie ein Krokodil aus, aber Georgien sieht für Russland aus wie die Katzenpfote des Westens. Seit Saakaschwili Ende 2003 in Tiflis die Macht übernommen hat, ist das Pentagon in Georgien aktiv und gewährt Militärhilfe sowie Ausbildung. Aber nicht nur US-amerikanisches Militärpersonal ist heute vor Ort in Georgien tätig. Nach Auskunft der israelischen Nachrichtendienstquelle DEBKAfile hatte Georgiens Präsident Saakaschwili bereits 2007 »bei privaten israelischen Sicherheitsfirmen mehrere hundert Militärberater bestellt – vielleicht bis zu 1.000 –, die Georgiens Streitkräfte in der Kommandoführung sowie in der Kampftaktik in der Luft und zur See sowie im Gebrauch der Panzerwaffe und Artillerie ausbilden sollten. Sie haben auch Unterricht in militärischer Aufklärung und Sicherheit für das Zentralregime erteilt. Diese Berater waren ohne Zweifel tief in die Vorbereitungen der georgischen Armee für die Eroberung der südossetischen Hauptstadt am Freitag verwickelt.“

DEBKAfile berichtete weiter: »Moskau hat wiederholt verlangt, dass Jerusalem die Militärhilfe für Georgien einstellt, und schließlich mit einer Krise in den bilateralen Beziehungen gedroht. Israel antwortete, die Tiflis gewährte Unterstützung sei ›defensiv‹.« Die israelische Nachrichtenquelle fügte hinzu, Israels Interesse an Georgien habe sehr wohl mit geopolitischen Erwägungen über die Pipelines im Kaspischen Raum zu tun. »Jerusalem ist sehr daran interessiert, dass das Öl vom Kaspischen Meer zum türkischen Hafen Ceyhan fließt, und nicht nach Russland. Derzeit laufen intensive Verhandlungen zwischen Israel, der Türkei, Georgien, Turkmenistan und Aserbaidschan über Pipelineverbindungen in die Türkei und von dort zum israelischen [Mittelmeer-]Ölterminal Aschkelon und weiter zum Hafen Eilat am Roten Meer. Von dort können Supertanker das Gas und Öl über den Indischen Ozean in den Fernen Osten transportieren.«

Das bedeutet, dass der Angriff auf Südossetien die erste Schlacht in einem neuen Stellvertreterkrieg zwischen anglo-amerikanisch-israelischen Interessen und Russland ist. Die einzige Frage ist, ob Washington sich bezüglich der Schnelligkeit und Intensität der russischen Antwort auf den georgischen Angriff am 8. August 2008 verrechnet hat.

Bisher hat jeder Schritt im dem kaukasischen Drama den Konflikt auf eine höhere Gefahrenebene gehoben. Bei einem nächsten Schritt wird es nicht mehr nur über den Kaukasus, sondern über ganz Europa gehen. 1914 waren es die »Kanonen im August«, die den Großen Krieg einläuteten. Dieses Mal könnten die Kanonen im August 2008 leicht zum Auslöser des Dritten Weltkriegs und einem unaussprechlich grausamen atomaren Holocaust werden.

Atomare Vorherrschaft

Den meisten Menschen im Westen ist nicht bewusst, wie gefährlich der Konflikt über zwei winzige Provinzen in einem entlegenen Teil am Rande Europas geworden ist. Was die meisten Medien nicht erwähnen, ist die Bedeutung, die der Kaukasuskonflikt für den Gesamtzusammenhang der militärischen Sicherheit hat.

In meinem jüngsten Buch Apokalypse jetzt! beschreibe ich die Entwicklungen der NATO und ganz besonders Washingtons seit Ende des Kalten Krieges, die systematisch nach der von Experten so bezeichneten »atomaren Vorherrschaft« streben. Einfach ausgedrückt: Wenn eine der beiden sich derzeit gegenüberstehenden Atommächten in der Lage ist, als erste ein funktionierendes Raketenabwehrsystem zu entwickeln – und sei es auch noch so primitiv –, dann kann dies einen möglichen umfassenden atomaren Gegenschlag der anderen Seite stark abschwächen, und dazu führen, dass die Seite mit der Raketenabwehr den Atomkrieg »gewonnen« hat.

So verrückt das klingt: das war die explizite Politik des Pentagon in der Amtszeit der letzten drei Präsidenten, von Vater Bush 1990 über Bill Clinton, und höchst aggressiv unter George W. Bush. In dieser Frage zieht Russland verständlicherweise klar und deutlich eine rote Linie. Der energische Versuch der USA, Georgien und auch die Ukraine in die NATO zu ziehen, bedeutet für Russland, dass die NATO buchstäblich vor seiner Haustüre stünde; und das ist eine extrem aggressive militärische Bedrohung, die für die russischen Sicherheitsinteressen nicht hinnehmbar ist.

Das macht aus dem scheinbar so obskuren Kampf über zwei Provinzen von der Größe Luxemburgs einen möglichen Auslöser – durch Fehlkalkulation – eines neuen Atomkriegs, so wie Sarajewo 1914 den Ersten Weltkrieg einläutete. Der Auslöser eines solchen Krieges ist nicht Georgiens Anspruch, Südossetien und Abchasien zu annektieren. Es ist vielmehr das Beharren der USA, die NATO und ihre Raketenabwehr bis vor Russlands Haustür vorzuschieben.
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Quelle: Internet
 

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