Langen - Edith Erbrich hat kein Mitleid mit dem Mann, der am Dienstag mit einem Flugzeug aus den USA in München gelandet war und umgehend in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht wurde. Von Frank Mahn

John Demjanjuk, 89 Jahre alt und nach Aussagen seines Sohnes sehr krank, soll in Deutschland der Prozess gemacht werden – wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 29 000 Juden im Vernichtungslager Sobibor. „Er darf nicht wieder davonkommen“, sagt Erbrich, die als Kind nur knapp der Ermordung durch die Nazis entkam. „Er hat ja auch keine Rücksicht genommen.“
Die heute 71-
Sie selbst ist den Massenmördern nur um Haaresbreite entkommen. Die gebürtige Frankfurterin war sieben Jahre alt, als sie im Februar 1945 mit dem letzten Transport nach Theresienstadt verschleppt wurde. Drei Monate später befreite die Rote Armee das KZ auf tschechischem Boden – und Edith Erbrich gehörte zu jenen, die der Ermordung durch die Nazis entgangen waren. Wie knapp, erfuhr sie erst viel später: Am Tag nach der Befreiung hätte sie nach Auschwitz geschickt werden sollen.
Damit die Gräueltaten des Hitler-
Erbrich brauchte lange, bis sie über die schrecklichen Ereignisse sprechen konnte. Und auch heute fällt es ihr manchmal schwer. „Ich tue es auch für die, die es nicht mehr tun können“, sagt die Zeitzeugin. Für ihr Engagement, sie ist unter anderem auch im Studienkreis Deutscher Widerstand von 1933 bis 1945 aktiv, wurde die Langenerin von Bundespräsident Horst Köhler im Oktober 2007 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.