Reinhart Paetz erwartet Entschuldigung vom Bürgermeister / Offener Brief von Dagmar Ammon
Dabei gebe es jetzt
sogar eine "Lex Vlotho", weiß Paetz, eine Bestimmung also, die ihren
Ursprung in der Weserstadt hat. Der Vlothoer hatte kritisiert, dass bei
der jüngsten Europawahl in seinem Valdorfer Wahlbüro eine Zigarrenkiste
auf der Wahlurne platziert war, sah Wähler unter Druck gesetzt und
sprach von Abzocke (VA berichtete mehrfach). Bestätigt fühlt sich
Paetz, der als freier Autor arbeitet, nun nach einem Schreiben des
Innenministeriums. Danach ist "das Aufstellen einer Zigarrenkiste mit
der Funktion eines Spendentellers - wie in einem Wahllokal in Vlotho
geschehen - auf dem Schlitz der Wahlurne ein Verstoß gegen die
Wahlfreiheit". Denn, so heißt es weiter, in Einzelfällen sei es
durchaus möglich, "dass der Wähler aus diesem Grund von der Wahl
absieht, da er beispielsweise nicht einsieht, für die Beteiligung an
der Wahl Geld zu bezahlen".
Laut Paetz ist der Brief aus Düsseldorf eine schallende Ohrfeige für
Stute. Und er wartet darauf, dass sich der Bürgermeister formell bei
ihm und auch öffentlich entschuldigt. Mündlich sei Reinhart Paetz
mitgeteilt worden, dass Kontrolleure schon beim nächsten Wahltermin im
August sämtliche Vlothoer Wahllokale überprüfen. Weiter werde eine
Hotline eingerichtet, bei der die Wähler selbst festgestellte
Wahlverstöße melden können. Und: Für Stute habe die Geschichte bereits
zu unangenehmen Konsequenzen geführt. "Inzwischen ist bei ihm
ministerielle Post aus Düsseldorf eingetroffen, die ihn streng ermahnt,
künftig nach Recht und Gesetz zu handeln", sagt Paetz. Ansonsten
stünden dem Bürgermeister weitere Sanktionen ins Haus.
Durchaus stolz zeigt sich der studierte Germanist Paetz, dass es nach
seinen Eingaben eine Ergänzung der Wahlbestimmung geben wird. Das
Verbot für Spendenbehälter gelte somit auf, neben, an oder in der Nähe
der Wahlurne oder Wahlkabine.
Bürgermeister Bernd Stute weilt aktuell im Urlaub, hatte den Eingang
eines Schreibens aus Düsseldorf gegenüber dem VA noch bestätigt.
Wahlleiter Gerhard Geier betonte, dass sich die Stadt Vlotho strikt an
die Vorgaben des Innenministeriums halten werde.
In einem offenen Brief reagiert Dagmar Ammon unterdessen auf die
Angriffe von Reinhart Paetz: Seit 25 Jahren sei sie bei zahlreichen
Wahlen im Wahlvorstand im Wahllokal auf dem Bonneberg tätig gewesen.
"Ich hielt und halte diese Tätigkeit immer noch für eine
selbstverständliche Pflicht aller Staatsbürgerinnen und Staatsbürger."
Bei allen Wahlen habe es eine "Kaffeekasse" gegeben. Dagmar Ammon:
"Unser Kästchen oder Tellerchen stand niemals auf der Wahlurne, sondern
eher unauffällig auf dem Tisch des Wahlvorstehers. Wer mochte, hat
etwas hineingelegt, wer nicht mochte, ließ es bleiben. Ohne das eine
Spende - außer einem höflichen Danke - oder das Unterlassen jemals
kommentiert oder registriert worden wäre." Dagmar Ammon fragt zudem, ob
ihm - Paetz - die Tatsache bekannt sei, dass in anderen Bundesländern
Wahlhelfer, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, als
Anerkennung und Ausgleich einen vollen Tag vom Dienst freigestellt
werden?
Ammon: "Wofür soll sich Stute entschuldigen?
Was die von Paetz geforderte Entschuldigung durch den Bürgermeister
betrifft, fragt sich Dagmar Ammon, wofür sich Stute entschuldigen soll.
"Dafür, dass er keine ausdrückliche Anweisung gegeben hat, den guten
Brauch einer kleinen Spenden-Kaffeekasse in den Wahllokalen zu
unterlassen?"
Dagmar Ammon ist vielmehr der Meinung, Reinhart Paetz müsse sich
entschuldigen: für die beleidigende Wortwahl "Duodez-Potentat in
Berlusconi-Manier" und bei allen Wahlhelfern für den "Abzock- und
Betteleinnahmen"-Vorwurf. Für Dagmar Ammon steht es fest: "Sie sind
dran, Herr Paetz, nicht der Bürgermeister."