Für die Sanierung der Pleitebank HRE fließen zweistellige
Milliardensummen aus Steuergeldern. Aber die Regierung hält die Namen
der Kreditgeber geheim, die auf Staatskosten freigekauft wurden. Die
Bürger müssen zahlen, aber für wen, das sollen sie nicht wissen. Wir
dokumentieren die Liste der Geretteten – die bisher keinen Cent zur
Rettung beitragen müssen.
Japans
Bauern und ihre Genossenschaften sind noch mal davongekommen.
Zweieinhalb Milliarden Euro hatte die Norinchukin Bank, das
Zentralinstitut der japanischen Genossenschaftsbanken, bei der Depfa
plc im irischen Dublin geparkt, als diese im September 2008 ihren
Mutterkonzern, die Hypo Real Estate Holding (HRE), an den Rand der
Pleite gewirtschaftet hatte. Wäre es dazu gekommen, wäre ein großer
Teil der Milliardeneinlage gewiss verloren gewesen.
Das gleiche Problem hatte die italienische Großbank Unicredit. Auch
deren Tochter Hypo-Vereinsbank hatte der HRE, die sie einst per
Abspaltung ins Leben gerufen hatte, mehr als zwei Milliarden Euro
geliehen, ohne jede Sicherheit. Und genauso war es bei der Deutschen
Bank, dem Versicherungskonzern HUK Coburg, der Allianz AG und Hunderten
weiterer Gläubiger der HRE im In- und Ausland. Sie alle hatten eines
gemeinsam: Sie hatten ohne Prüfung und „unbesichert“, also ohne
Rückgriff auf andere Wertpapiere oder Immobilien für den Fall der
Insolvenz, ihr Geld zu guten Zinsen an die HRE verliehen. Weit mehr als
100 Milliarden Euro, davon 83 Milliarden nur für Tage und Wochen, hatte
die HRE so bei Finanzinstitutionen aller Art eingesammelt.
Die Liste reicht vom US-Bankriesen J. P. Morgan bis hin zur Emder
Zusatzversorgungskasse für Sparkassenangestellte. Sie alle hätten viel
Geld verloren, wenn der Bund und seine Steuerzahler nicht für 87
Milliarden Euro neuer Kredite der HRE gebürgt hätten, mit denen diese
ihre Gläubiger auszahlen konnte. Weil die Bank gleichzeitig enorme
Verluste schrieb, musste sie anschließend auch noch verstaatlicht
werden, um die Insolvenz und damit das Fälligwerden der Garantien zu
verhindern. Bis zur endgültigen Sanierung werden voraussichtlich
bis zu 20 Milliarden Euro für neues Eigenkapital aus der Staatskasse fällig.
Aber war diese teure Rettung wirklich zwingend nötig? Es waren diese
Listen der unbesicherten Gläubiger, auf deren Basis Finanzminister Peer
Steinbrück (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag, den
28. September 2008, entschieden, die Regeln der Marktwirtschaft
außer Kraft zu setzen und all jene freizukaufen, die der HRE das Geld
für ihre Fehlspekulationen zur Verfügung gestellt hatten. Zur
Begründung hieß es, die Bank sei „systemrelevant“, also zu groß, um sie
Pleite gehen zu lassen. Die Verluste bei den anderen Banken wären so
groß geworden, dass das Vertrauen in das System insgesamt
zusammengebrochen wäre und am folgenden Tag „keine deutsche Bank mehr“
gestanden hätte, warnte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an jenem
Sonntag. Nicht die Banker, sondern die Bürger habe man retten müssen,
verkündete die Kanzlerin später. Und Hannes Rehm, der Leiter des kurz
darauf eingesetzten Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin),
verstieg sich sogar zu der Behauptung, die „über 100 Milliarden Euro
ungesicherten Verbindlichkeiten“ würden „zum überwiegenden Teil bei
Renten-, Sozialversicherungen und Kirchenkassen liegen“.
Doch anstatt den Beweis für ihre Behauptungen zu führen, erklärten sie
die Daten über die Begünstigten der Bankenrettung zum Staatsgeheimnis.
Es gehe um „Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse, deren Bekanntwerden den
Unternehmen Schaden zufügen könnte und für die eine gesetzlich
verankerte Verschwiegenheitspflicht gilt“, erklärt ein Sprecher des
Finanzministeriums zur Begründung. Tatsächlich liegt der Schaden jedoch
vor allem beim Steuerzahler. Und die Beweispflicht der Regierung
gegenüber dem Bürger sollte für eine Ausnahmeregelung ausreichen.
Dabei sind die hier dokumentierten Angaben vermutlich nicht
vollständig. Denn im Finanzministerium hatte es keinerlei Planung für
den Ernstfall gegeben. So mussten die Aufseher der Bundesbank in aller
Eile die Daten zusammentragen, die erst wenige Stunden vor der
Entscheidung zur Übernahme von Staatsgarantien nach Berlin übermittelt
wurden. Gleichwohl kann die Debatte über den Sinn der HRE-Rettung und
die Verteilung der Lasten nun mit belastbaren Daten geführt werden.
Klar ist zum Beispiel, dass nicht in erster Linie „Kirchenkassen“
(Einlage: 392 Millionen Euro), sondern ausländische Großbanken und
Fondsverwalter gerettet wurden, die mehr als 40 Milliarden Euro im
Feuer hatten. Deutlich wird auch, dass die Bayerische Staatsregierung
der Kanzlerin einmal mehr dankbar sein muss, weil ihrer ohnehin maroden
Landesbank weitere zwei Milliarden Euro Verlust erspart blieben.
Gefragt werden kann aber auch, warum so viele öffentliche
Pensionskassen oder der WDR das Geld ihrer Beitragszahler riskierten.
Und endlich kann nun anhand harter Zahlen die Debatte geführt werden,
ob und wie die Geretteten an den Kosten beteiligt werden können. Die
Diskussion ist wieder offen.
hsc
Unbesicherte Geldmarktaufnahmen und Schuldscheindarlehen der
Hypo-Real-Estate-Gruppe zum Stichtag 26.9.2008 (Laufzeit kürzer als ein
Jahr, Angaben in Millionen Euro)
Alle in- und ausländischen Investoren insgesamt 83 410
Davon private deutsche Banken: 12 853
darunter Unicredit SA (Hypo-Vereinsbank) 2 024
Deutsche Post AG, Bonn (Postbank) 976
DZ Bank AG, Frankfurt 471
Deutsche Bank AG, Frankfurt 274
Commerzbank AG, Frankfurt 246
Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Düsseldorf 261
Genossenschaftsbanken 1 084
öffentliche deutsche Banken (ohne Sparkassen) 4 406
darunter BayernLB Holding AG, München 2 125
NRW Bank, Düsseldorf 750
Landwirtschaftliche Rentenbank, Frankfurt 553
KfW Bankengruppe, Frankfurt 393
Nassauische Sparkasse, Wiesbaden 210
LBBW, Stuttgart 198
Lfa Förderbank Bayern, München 191
HSH Nordbank AG, Hamburg 116
Norddeutsche Landesbank, Hannover 111
Sachsen-Finanzgruppe, Leipzig 40
Sparkassen 1 311
ausländische Banken 23 348
(s.a.
Liste der unbesicherten Einleger der Depfa plc)
ausländische Notenbanken, multilaterale
Entwicklungsbanken, Zentralregierungen 4 153
ausländische Sonstige 15 314
deutsche Versicherungen und Pensionskassen 10 498
darunter HUK Coburg 1 486
Allianz SE, München (inklusive Dresdner Bank) 833
Vereinigte Hannoversche Versicherung, Hannover
422
HDI Haftpflichtverband, Hannover 275
Debeka Koblenz 237
Münchener Rück AG, München 234
AXA SA, Paris 138
Alte Leipziger LV und Hallesche KV 2
deutsche öffentliche Stellen 8 205
darunter Bayerische Versorgungskammern (BVK) 555
Freistaat Sachsen 500
Stadt München 418
Land Baden-Württemberg 400
Land Niedersachsen 400
Land Berlin 288
Landschaftsverband Westfalen-Lippe 236
Verwaltungsberufsgenossenschaft Hamburg 226
Evangelische Kirche 202
Schleswig-Holstein 200
Katholische Kirche 190
Berufsgenossenschaft Chemische Industrie 168
Westdeutscher Rundfunk 147
Rheinische Zusatzversorgungskasse 135
Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder 130
Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten 130
Versorgungseinricht. d. Ärztekammer Sch.-Holst. 120
Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung 113
Stadt Hamburg 80
Landschaftsverband Westfalen-Lippe 80
Landesärztekammer Hessen Versorgungswerk 80
Versorgungswerk der Architektenkammer NRW 75
Versorgungsverband der bayerischen Gemeinden 75
Bayerischer Rundfunk 69
Kassenärztliche Vereinigung Bayern 62
Kommunaler Versorgungsverband B.-Württemberg 45
Stadt Frankfurt am Main 35
Landkreis Karlsruhe 9
andere deutsche Einleger 2 238
Inhaber unbesicherter Schuldverschreibungen der HRE-Gruppe zum 26.
September 2008 („Medium Term Notes“, 2–10 Jahre Laufzeit, Angaben in
Millionen Euro)
Deutsche Bank, London, Frankfurt, Zürich 1 541
Barclays Bank, London 815
Unicredit, Hypo-Vereinsbank, Zürich, München 707
ABN Amro, Zürich 616
J. P. Morgan Chase Bank, London 511
Credit Suisse, London, Zürich 188
Hongkong Schanghai Banking Corp., HSBC, London 71
Banco Bilbao Vizcaya 37
Zürcher Kantonalbank 31
Meinl Bank, Wien 5
Inhaber unbesicherter Namensschuldverschreibungen der
HRE-Gruppe zum Stichtag 26. September 2008 („Registered Notes”, 10–40
Jahre Laufzeit, in Mio. Euro).
Debeka Lebensversicherungsverein 235
Debeka Krankenversicherungsverein 205
AXA Leben 210
Deutsche Ärzteversicherung 136,5
HDI Gerling Lebensversicherung 85
DBV Winterthur Lebensversicherung 80
Emder Zusatzversorgungskasse für Sparkassen 60
Inter Krankenversicherung 40
Hamburger Pensionskasse von 1905 VVa 30
Bayerische Ärzteversorgung 22
HDI Gerling Firmen und Privat 20
ARAG 20
Nürnberger Lebensversicherung 20
Bayerische Apothekerversorgung 11
Bayerischer Versorgungsverband 11
Bayerische Architektenversorgung 5
Versorgungseinrichtung der Ärztekammer München 5
FSD Bank Regensburg 5
Hamburg-Mannheimer Pensionskasse 5
Deutsche Rückversicherung 5
Victoria Pensionskasse 4
Versorgungsanstalt der deutschen Kultur 3,5
Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen 3,5
Bayerische Rechtsanwalts- und Steuerversorgung 3
Hamburger Pensionsrückdeckungskasse VVa 2,5
Debeka Allgemeine Versicherung 2
Sächsich-Thüringische Apothekerversorgung 1,7
Debeka Zusatzversorgung 1,5
Inter Allgemeine Versicherung 1
Freie Arzt- und Medizinkasse der Angehörigen 1
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 13.09.2009)
Kommentare [ 9 ] Kommentar hinzufügen »
Für die Regierung ist das blamabel.
nun wurde der verlust der unternehmen auf z.b. meinen privathaushalt abgewältzt.
aber es stellt sich immernoch die frage wie es soweit kommen konnte und wer dafür gerade steht.
89 waren wir das glücklichste Volk, und am 27. September 2009, zwanzig Jahre später, wird sich zeigen, dass wir auch das blödeste sind.
Wenn uns aber schon ein Viertel der Commerzbank gehört, können wir da nicht wenigstens den Anteil der Hyper Real Escape Bank als Gewinn verzeichnen??
Na ja, früher wurden schon aus weniger Anlass größere Kriege geführt,
Schade, dass die Hyper Real Escape Bank keine Erdölfirma ist, da würden die Retter Schlange stehen oder uns befreien.
Der 27. September muß das Armageddon für CDU und SPD werden.
Die haben uns an die Bänker verraten und verkauft!
Die Mitglieder der Regierung haben mit den Banken gemeinsame Sache gemacht und sich das Gesetz auch noch von einer Anwaltskanzelei erstellen lassen die Bänker berät.
Das nennt man Verschwörung, Amtsmissbrauch und Bruch des Amtseids.
Die Regierung sollte des Amtes enthoben und vor Gericht gestellt werden.
Ich finde man kann sogar von einer kriminellen Vereinigung zum Zwecke der Umleitung von Staatsgeldern in private Taschen ausgehen.
Das erklärt auch die Abwrackprämie die zugunsten der Autowirtschaft eingeführt wurde und die schon lange die Parteien schmiert. Kein einziger Arbeitsplatz wurde dadurch gesichert. Nur Steuergelder in die Kassen der Konzerne geleitet.
Der Grad der Korruption ist wirklich abenteuerlich.
Die Verschwörer klopfen sich gegenseitig auf den Rücken und bestätigen sich wie toll sie es gemacht haben. Und die Presse-Michels stehen rum und senden den MIST!