Anstieg der Arbeitslosigkeit überrascht sogar das AMS

WIEN. Ausgehend vom sehr niedrigen Niveau des Vorjahres schnellt die Arbeitslosigkeit jetzt nach oben. Österreichweit betrug der Anstieg 24 Prozent, in Oberösterreich gar 44 Prozent.

Üblicherweise sinkt im Februar die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Jänner wieder. Aufgrund der Wirtschaftskrise passiert das derzeit nicht. Gegenüber dem Vormonat ist die Arbeitslosigkeit mit 301.695 um 166 Betroffene gestiegen. Dazu kommen 58.000 Menschen, die eine Schulung absolvieren.

Die Februar-Zahlen haben gestern geschockt: Mit diesem schnellen Anstieg hatte selbst das Arbeitsmarktservice (AMS) nicht gerechnet. Die Arbeitslosenquote lag Ende Februar bei voraussichtlich 8,3 Prozent und stieg damit im Jahresvergleich um 1,5 Prozentpunkte.

Besonders stark betroffen waren die Jobs von Männern, von Leiharbeitern, in der Industrie und am Bau. Die meiste verbale Aufmerksamkeit widmen Parteien und Sozialpartner der um mehr als ein Drittel gestiegenen Jugendarbeitslosigkeit. Wer schon den Einstieg ins Berufsleben nicht schafft, sei auch später weit stärker von Arbeitslosigkeit bedroht, sagte etwa ÖGB-Präsident Erich Foglar.

Um ein Ansteigen der Armut zu verhindern, forderten Grüne und Gewerkschaft eine Anhebung des Arbeitslosengeldes. Das Arbeitslosengeld müsse von derzeit 55 auf 70 Prozent erhöht werden, so der grüne Sozialsprecher, Karl Öllinger.

Aus dem Büro von Sozialminister Rudolf Hundstorfer kam die Ankündigung, dass 127 Millionen Euro mehr für Schulungsmaßnahmen zur Verfügung stehen würden. Wie viel davon in Oberösterreich ankommen wird, sei noch offen, sagte dazu der oberösterreichische AMS-Chef Roman Obrovski. Bezugsgröße dürften jedenfalls nicht die Bestandsziffern aus 2008, sondern müsse der aktuelle Anstieg sein, sagt der AMS-Chef.

Gefordert wird allerorts auch ein rasches Umsetzen der angekündigten konjunkturfördernden Maßnahmen. Aber selbst beim AMS, das seinen Beraterstab binnen eines Jahres um 200 ausbauen darf, wird es Monate dauern, bis das einen Effekt haben wird. Die ersten 50 werden sofort gesucht. Bis diese Kräfte produktiv einsetzbar sind, werde es aufgrund notwendiger Einschulungen Monate dauern, relativierte der Chef des AMS Oberösterreich, Roman Obrovski. In den regionalen Geschäftsstellen in Oberösterreich werden 27 zusätzliche Kräfte eingesetzt werden.

Braunau: plus 78 Prozent
In Braunau schnellte die Arbeitslosigkeit um 78 Prozent, im Bezirk Ried/Innkreis um 63 Prozent und in Steyr um 58,3 Prozent in die Höhe.
Das Land Oberösterreich will Nachbesetzungen beim Land und in den Landesbetrieben vorziehen, um Arbeitsplätze zu schaffen. „200 weitere Arbeits- und Ausbildungsplätze wird es geben“, so Landeshauptmann Josef Pühringer.Für SP-Chef Erich Haider ist die Kreditklemme für den Anstieg der Arbeitslosigkeit mitverantwortlich. Für ihn seien Landeshaftungen für Investitionen in Unternehmen vorstellbar. „Dafür stehen 400 Millionen Euro zur Verfügung. Davon wurde bisher nichts ausgeschöpft“, sagt Haider.