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Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau droht Verfall


14.01.2009

Deutschland will bei Sanierung helfen - Warnung vor „falscher Ästhetisierung“ auf Kosten der historischen Spuren


Berlin/Warschau (dpa) - Deutschland will sich an der Sanierung der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen beteiligen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. „Wir betrachten es weiterhin als eine Kernaufgabe Deutschlands, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten“, betonte sie. Vor Jahren hat Deutschland bereits 15 Millionen Euro für den Unterhalt der Gedenkstätte zur Verfügung gestellt. Polen hat sich verpflichtet, die laufenden Kosten zu tragen.

Auch Volkhard Knigge, Historiker und Direktor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar, setzt sich dafür ein, dass sich die Bundesregierung weiter finanziell am Erhalt der Überreste des Vernichtungslagers Auschwitz beteiligt. Deutschland und Polen hätten in dieser Frage bereits Anfang der 90er-Jahre konstruktiv zusammengearbeitet.

Die ehemaligen Konzentrationslager seien schwierig zu erhalten, sagte Knigge. In Auschwitz sei in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel verloren gegangen. Jede Restaurierung vernichte historische Spuren, auf die es ankomme. Denn es gebe auch das Problem der „falschen Ästhetisierung“ der Gedenkstätten, meinte Knigge. Gerade Auschwitz-Birkenau habe durch Sanierungen und durch landschaftsgärtnerische Maßnahmen etwas von seiner Schroffheit verloren. Knigge sprach sich dafür aus, die Bausub­stanz im derzeitigen Zustand zu konservieren. In keinem Fall sei eine Rekonstruktion sinnvoll. Dies sähe nur nach Neubau und Baumarkt aus und öffne Holocaust-Leugnern möglicherweise Tür und Tor.

Ohne ausländische Hilfe droht der Gedenkstätte Auschwitz der Verfall. Museumsdirektor Piotr Cywinski hatte bereits im vergangenen Sommer die internationale Gemeinschaft um Finanzhilfe ersucht. Für anstehende Renovierungen brauche die Gedenkstätte rund 50 Millionen Euro. Aus dem polnischen Staatshaushalt bekomme sie jährlich umgerechnet nur 2,5 Millionen Euro, weitere 2,5 Millionen erwirtschafte das Museum aus Bücherverkauf, Führungen und Parkgebühren. Bislang hatte es keine offizielle Reaktion aus Deutschland auf diesen Appell gegeben, sagte ein Mu­seumssprecher. 2008 gab es einige kleinere Initiativen: Die Stadt München schenkte der Gedenkstätte einen Bus, ein weiteres Fahrzeug übergab der Automobilkonzern VW. Zudem wurden mit Unterstützung Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens zwei Projekte - Renovierung des Zauns und der Dokumente - realisiert. Auf EU-Ebene wird derzeit über die Schaffung einer internationalen Stiftung mit einem Gründungskapitel von 120 Millionen Euro verhandelt. Die Zinsen sollten zur Erhaltung der Gedenkstätte eingesetzt werden.

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