Nachdem Lehman
Brothers pleite ging, schien das Investmentbanking den absoluten
Tiefpunkt erreicht zu haben. Der Kollaps der US-Bank brachte die ganze
Branche ins Schleudern. Verluste häuften sich auf, und die Straßen von
Manhattan und London waren übersät mit entlassenen Bankern. Dieser
Aufruhr scheint aber noch nicht den Boden markiert zu haben. Es sieht
nun so aus, als ob er bloß der Wegweiser in einen noch steilen Abstieg
gewesen ist.
Lehman-Mitarbeiter räumen nach er Pleite der US-Investmentbank ihre Büros. Die Lehman-Pleite hat noch nicht den Tiefpunkt des Investment-Bankings markiert, glaubt Jeffrey Goldfarb. Foto: Reuters
Der Dezember erweist sich als ein verheerender Monat. Vermeintliche Überlebende haben bereits größere Probleme enthüllt. Die Deutsche Bank
,
die durch die Krise geschickter als andere steuerte, verlor fast fünf
Milliarden Euro im vierten Quartal durch schlechten Aktien- und
Rentenhandel. Barclays
,
die ihre Angestelltenzahl stabil halten wollte, um Marktanteile im
Investmentbanking zu gewinne, entließ am Dienstag in dieser Sparte
2 100 Angestellte, weitere 2 100 wurden am nächsten Tag in
der Privatkunden- und Gewerbesparte freigesetzt.
Bank of America
, die Merrill Lynch
zu Hilfe kamen, steht Berichten zufolge kurz vor dem Erhalt weiterer
Dollar-Steuermilliarden zur Stützung der taumelnden Investmentbank.
Sogar die Investmentbank von JP Morgan
verbuchte hohe Verluste.
Die meisten Geschäftsbereiche haben gelitten. Finanzdienstleister,
die ganz oder überwiegend auf die Bedienung von Hedgefonds ausgerichtet
sind, werden davon aufgeschreckt sein, dass allein im letzten Monat ein
Rekordvolumen von 150 Milliarden US-Dollar, das entspricht zehn Prozent
der Branchenvermögenswerte, aus den Hedgefonds abgezogen wurde, für die
sie tätig sind. Thomson Reuters
zufolge war es der schlechteste Dezember für Wertpapieremissionen seit
2002, November und Dezember waren die zwei schlechtesten Monate für
Fusionen und Übernahmen seit September 2004. JPMorgan-Chef Jamie Dimon
hat sogar angedeutet, dass sich die früher lukrativen Geschäfte mit
fremdfinanzierten Ausleihungen und Wertpapierverbriefungen niemals
erholen werden.
Das könnten besonders schlechte Vorzeichen für Goldman Sachs und Morgan Stanley
sein. Die beiden früher als Investmentbanken bekannten Bankholdings
haben bereits Verluste erlitten und Arbeitsplätze gestrichen, ihre
Quartale endeten aber im November. Das bedeutet, das Goldman und Morgan Stanley
ihre neuen Rollen in einem neuen Loch begonnen haben, wenn die sich abzeichnende Momentaufnahme der Märkte richtig ist.
Breiter betrachtet scheint der wachsende Berg schlechter Nachrichten anzudeuten, dass die Bedingungen im gesamten Investmentbanking noch schlechter werden könnten, bevor sie sich bessern. Gewinne werden trügerischer sein, als man zuvor dachte. Die Stellenverluste werden zunehmen. Der Boden, der bereits nah zu sein schien, scheint außer Sichtweite geraten zu sein.























