09. Jan 2009, 17:37 Uhr
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Alois Mannichl: „Ich gehe durch ein tiefes Tal“

Alois Mannichl steht nun selbst in der Kritik. Von vielen Seiten gibt es mittlerweile Zweifel am Tathergang. Die AZ sprach mit ihm.
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  • Foto: dpa
Erstmals nach dem Anschlag äußert sich der Passauer Polizeichef Alois Mannichl ausführlich in dem AZ-Interview. Der 52-Jährige berichtet nicht nur, wie er den Anschlag erlebte, sondern nimmt auch zu den umlaufenden Gerüchten und Spekulationen Stellung, die seine Glaubwürdigkeit in Frage stellen.
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MÜNCHEN, PASSAU  -  AZ: Herr Mannichl, wie geht es Ihnen nach den jüngsten Berichten, in denen Ihre Glaubwürdigkeit und der von Ihnen geschilderte Tatablauf in Frage gestellt wird?

ALOIS MANNICHL: Ja, da ist man natürlich nicht erfreut. Seit einigen Tagen sind die Spekulationen virulent. Aber das ist normal, wenn der Täter nicht gleich gefasst wird. Man erwartet von den Ermittlern, dass in alle Richtungen ermittelt wird und nun auch das Opfer genau unter die Lupe genommen wird. Das ist professionelle Polizeiarbeit.

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Ihnen wird Unverständnis entgegengebracht, weil Sie als erfahrener Polizist nicht in der Lage waren, den Täter genauer zu beschreiben.

Da kann ich nur lachen. Wenn’s ums blanke Überleben geht, denkt man nicht darüber nach, welche Schuhgröße der Täter hat. Ich bin im Gegenteil froh, dass ich so vieles erinnere. Ich wünsche niemandem, dass er so etwas erleben muss. Ich bin heilfroh, dass ich das überlebt habe.

Viele Fragen gibt es zur Tatwaffe, dem „Lebkuchenmesser“...

Mit dem Brauch, den es da angeblich bei uns gibt – das ist absoluter Käse im Quadrat, das ist der größte Krampf aller Zeiten! Ich habe keine Ahnung, wie diese Geschichte in Umlauf gekommen ist. Meine Nachbarn haben mich schon darauf angesprochen und gesagt, ,Du Alois, welchen Brauch hast du denn da geschaffen?’ Die Rechten haben ja gleich einen Historiker eingeschaltet, der recherchiert hat, dass es diesen Brauch gar nicht gibt, um mich als Person unglaubwürdig zu machen.

Wie war es dann?

Wir haben einen schönen Zusammenhalt in Fürstenzell. Wir haben schon seit ein paar Jahren einen begehbaren Adventskalender. Jeden Tag wird ein Fenster schön geschmückt und am Abend kommen alle Nachbarn zusammen und dann wird der Rollladen hochgezogen. Bei der Gelegenheit wird Glühwein oder Punsch ausgeschenkt und es gibt Lebkuchen, Brötchen und so was. So war es auch am Mittwoch bei uns.

Am Mittwoch vor der Tat?

Ja. Am Mittwoch war unser Fenster geöffnet und meine Frau hat Punsch hergerichtet. Da muss man zusammenhelfen. Es waren 60 bis 70 Personen da. Ich habe Tassen rausgetragen und habe auch ein Messer...

... ein Küchenmesser?

... ja, ein Küchenmesser zum Aufschneiden rausgetragen. Als alle weg waren und ich zusammengeräumt habe, fiel das Messer von der Tischdecke. Ich habe es auf die nächstbeste Ablage gelegt, das war die Fensterbank. Das Messer kann noch dort gewesen sein.

Was schätzen Sie, wie viel Zeit verging zwischen dem Türöffnen und dem Angriff?

Das waren nicht Minuten, das war im Sekundenbereich. Es war ja verhältnismäßig dunkel. Da war nur die Beleuchtung von einem Busch.

Sie öffneten die Tür, der Täter sagte diese wenigen Sätze („Schöne Grüße vom Nationalen Widerstand. Du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum“ – Anm. d. Red.) und dann hatten Sie bereits das Messer im Bauch?

Zum genauen Tatablauf kann ich nichts sagen. Aber ungefähr so war es.

Einige Medien stellten Ihre Frau als verdächtig dar. Unbestätigten Berichten zufolge soll gegen sie ermittelt werden.

Davon weiß ich nichts. Aber es ist normal, dass, wenn der Täter nicht schnell ermittelt wird, auch die andere Seite genau beleuchtet wird. Zum privaten Umfeld gehört alles dazu.

In manchen Medien wird spekuliert, Sie könnten gelogen oder nicht alles gesagt haben.

Das sehe ich mit einer gewissen Gelassenheit. Es nutzt ja nichts.

Belastet Sie das nicht?

Ich gehe durch ein tiefes Tal. Jeden Tag kommt ein neues. Ich hoffe, dass das bald vorbei ist. Wenn der Täter gefasst ist, werden sich die Medien auf ihn stürzen.

Kam Ihnen der Täter bekannt vor, haben Sie ihn schon einmal gesehen?

Nein.

Sie hatten viel Rückhalt in Fürstenzell. Ist das noch so?

Ich bin nicht alleine, Gott sei Dank! Ich habe unheimlich viel Rückhalt. Durch den Artikel in der SZ wurde nun wieder alles hochgeputscht. Ich hatte gehofft, nachdem ich am Mittwoch in den Dienst zurückgekehrt bin, wieder in Ruhe leben und arbeiten zu können. Aber da muss ich jetzt durch.

Interview: Nina Job

Leser Kommentare
  • von Rotlichtmillieu vor 27 Minuten
    Das LKA ermittelt jetzt auch im Rotlichtmillieu.

    Denkt mal an den Fall Mooshammer ! Machts KLICK ?
    antworten
  • von HPH vor 35 Minuten
    Dieser Fall STINKT bis dorthinaus!antworten

Kommentare

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