Versuchsfeld
Deutschland: Die braune Szene ist eine Massenbewegung geworden, die NPD
ist viel gefährlicher als andere rechtsradikale Parteien in Europa. Ein Kommentar von Heribert Prantl
NPD-Demonstration in Bremen: Die braune Szene ist eine Massenbewegung geworden.
Foto: Getty
Es gibt politische Wetterbeobachter, die sehen das
Problem so: Rechtsaußen-Parteien kommen von Zeit zu Zeit über Europa
wie das dreckige Wetter: Dunkle Wolken ziehen auf, das Licht wird fahl,
es donnert und blitzt.
Aber das dauert nicht sehr lang, dann
klart es auf und die Extremisten werden wieder aus dem Parlament
gewählt. Das ist ein beruhigendes Modell. Es nährt sich aus Erfahrungen
Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre, als die NPD in sieben
westdeutschen Landtagen vertreten war.
Das Modell hat erstens den
Nachteil, dass es nicht mehr stimmt. Und es hilft zweitens den Opfern
nicht, die von rechtsextremistischen Tätern tot- oder halbtot gestochen
werden. Die braune Szene ist eine Massenbewegung geworden.
Zu
Nazi-Konzerten kommen Hunderte und Tausende von Leuten. In
Ostdeutschland gibt es eine institutionelle Gewöhnung an
Neonazi-Politik, weil die dort nun schon so lang in den Landtagen
vertreten ist. Seit Mitte der achtziger Jahre, seit der französische
Front National unter Le Pen größere Erfolge erzielte, sind
Rechtsaußen-Parteien in ganz Europa zu festen Größen geworden. Sie
erzielen auf nationaler Ebene nicht selten zwischen zehn und zwanzig
Prozent, gelegentlich noch mehr. Die Grenzen zwischen
rechtspopulistischen und rechtsradikalem Gedankengut verschwimmen.
Was verbindet sie - BZÖ in Österreich, Front
National in Frankreich, Vlaams Blok in Belgien, die Volkspartei DF in
Dänemark, die Lega Nord in Italien, die Fidesz-Partei in Ungarn?
Gemeinsamer Nenner ist Agitation gegen Einwanderer, Islamophobie und
Sündenbock-Polemik gegen Ausländer. Sie stellen nicht die Demokratie
als solche in Frage, agitieren aber gegen deren Werte.
Sie
grenzen aus, sie propagieren das Besser-Sein. Die meisten dieser
Rechtsaußenparteien (mit Ausnahme der französischen FN) schrecken aber
davor zurück, sich exzessiv rechtsextrem zu gebärden; sie nehmen
kräftige Anleihen im braunen Fundus, sind aber nicht militant. Die
deutsche NPD ist anders, viel gefährlicher.
Wie bei allen
Rechtsaußen-Parteien in Europa finden sich in der NPD Elemente des
rechtspopulistischen Gedankenguts der Rechtskonservativen. Diese
verbinden sich aber in der NPD mit den gewaltbereiten
nationalsozialistischen Milieus und geheimbündlerischen Kameradschaften.
Deutschland
ist Versuchsfeld für Europa, auf dem es zu einem kapitalgefährlichen
Bündnis gekommen ist: Zwischen den proletarisierten
nationalrevolutionären Gruppen, den Brutalo-Skinheads, wie es sie
überall in Osteuropa gibt - und den Rechtsaußenkonservativen, wie es
sie überall in West-, Mittel- und Nordeuropa gibt. Die NPD hat die
Symbiose geschafft. Sie deckt das gesamte Rechtsaußen- und
Rechtsdraußenspektrum ab, das bürgerlich rechtspopulistische und das
antibürgerlich rechtsrevolutionäre.
Eine
Polizei-Sonderkommission, wie sie nach dem Anschlag auf den Polizeichef
Mannichl gebildet wurde, wird dagegen nicht viel ausrichten.
"Die NPD hat die Symbiose geschafft, sie deckt das gesamte Rechtsaußen-
und Rechtsdraußen Spektrum ab.." stellt Herr Prantl fest. An anderer
Stelle erfahren wir, dass unter 12 000 Bundesbürgern nur einer ist, der
sie wählt (7000 Mitglieder in der BRD) . Fazit: Unsere Nachbarn müssen
uns beneiden, glücklich das Land mit so wenig Extremisten!
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@girondelle. Naja, wenn man erst Jura studiert haben muß, um zu wissen,
über was man diskutieren darf, dann ist das schonmal
diskussionshemmend.
Zum zweiten ist es ja gut und schön,
daß man in Deutschland eine konstruktive Diskussion über Sozialismus
und Kommunismus führen kann, nur wird wohl jeder zugeben, daß dies
kommunismusskeptische Kreise wenig ansprechen wird.
Ein Eingreifen in die persönlichen Grundrechte sollte diskutierbar sein.
Warum?
Nun, Folter ist ein Beispiel, wenn's drauf ankommt, ist plötzlich jeder bereit zu foltern!
Und so ist es auch mit den
demokratischen Spielregeln. Die würden sofort über Bord geworfen
werden, wenn sich die Leute davon entscheidende Vorteile erhofften.
Nicht über das zu reden was nicht
sein sollte ist wie die Augen zu verschließen in der Hoffnung, daß man
dann nicht gesehen werden könnte und es führt dazu, daß man sich im
Falle eines Falles an die Leitbilder hielte, die heute schon
existieren.
Sehen Sie, wenn jemand solches
befürwortet, so ist er offensichtlich der Meinung, daß großes Unrecht
besteht, welches nur durch grobe Mittel beseitigt werden kann. Wie klug
ist es, jeden solchen dann als Verfassungsfeind mundtot zu machen?
Es besteht dann doch diskussionsbedarf, und eine solche Diskussion sollte wirklich im Interesse ALLER stattfinden.
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23.12.200818:32:47
isarschwimmer:
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