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23.12.2008    19:07 Uhr Drucken  |  Versenden  |  Kontakt
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Fall Mannichl

Verdächtige sind wieder frei

Die Sonderkommission sucht jetzt nach fünf Männern, die am Fürstenzeller Friedhof gesehen wurden.
Von Susi Wimmer und Max Hägler


vergrößern Einige hundert Bürger demonstrierten am Montagabend in Fürstenzell gegen Rechtsradikalismus. Sie bekundeten damit ihre Solidarität mit dem vermutlich von einem Rechtsextremisten niedergestochenen Passauer Polizeichef.
Foto: ddp
 

Im Fall Mannichl haben die Ermittler einen Rückschlag hinnehmen müssen. Das mutmaßlich tatbeteiligte Pärchen Sabrina und Manuel H. aus München wurde am Dienstagvormittag aus der Haft entlassen. "Das Ehepaar selbst bestreitet nach wie vor jede Tatbeteiligung", erklärte die Staatsanwaltschaft. Die in den letzten Tagen vorgenommenen Überprüfungen hätten deren Alibi nicht weiter entkräftet, sondern eher bestätigt.

Der Anwalt von Manuel H., André Picker, bestätigte der Süddeutschen Zeitung, er habe "überraschend" ein Fax mit der Haftaufhebung erhalten. Bereits direkt nach der Tat hatte es zwei Festnahmen in der rechtsextremen Szene gegeben. Diese Verdächtigen waren nach wenigen Stunden frei gekommen.

Der 50 Beamte starken Sonderkommission "Fürstenzell" fehlt damit gut eine Woche nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef jede heiße Spur. "Wir ermitteln in alle Richtungen, aber weiter vor allem im rechtsextremistischen Bereich", sagte Bayerns Landespolizeipräsident Waldemar Kindler.

Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass sich die Aufklärung des Falles hinziehen wird. Wenn ein Täter nach einer Woche nicht gefasst sei, dauere die Fahndung erfahrungsgemäß sehr viel länger, äußerten mehrere Ermittler. Noch Ende vergangener Woche hatte Soko-Chef Anton Scherl angesichts der festgenommenen Tatverdächtigen und der veröffentlichten Phantombilder die Hoffnung geäußert, es gehe voran bei den Ermittlungen.

Doch inzwischen sind nicht nur die beiden einzigen Tatverdächtigen wieder auf freiem Fuß, die Sonderkommission bezweifelt auch, ob die erstellten Phantombilder wirklich weiterhelfen.


Zeugen hatten zwei Männer mit Tätowierungen - einer grünen Schlange und einem Kreuz - beschrieben. Unklar sei jedoch, ob die aus der Erinnerung entstandenen Zeichnungen überhaupt zutreffen. Die Sonderkommission betonte am Dienstag darüber hinaus, es sei unklar, ob der oder die Männer in Zusammenhang mit dem Mordanschlag stünden.

Sie sollen zu einer fünfköpfigen Gruppe gehören, die sich im Tatzeitraum am Friedhof in Fürstenzell aufgehalten haben soll, darunter die zwei tätowierten Personen. Nach allen wird mittlerweile gefahndet. Die Polizei wies allerdings darauf hin, die Gruppe könnte "sowohl dem rechten Spektrum, als auch dem Punker- oder Rockermilieu oder der Gothic-Szene angehören".

Das Opfer Alois Mannichl bestätigte unterdessen im Gespräch mit dem Passauer Wochenblatt nochmals, es habe sich um einen rechtsextremen Angriff gehandelt. "Ich lasse mich von den Rechtsradikalen nicht klein kriegen." Die Wunde unterhalb des Rippenbogens mache ihm weiter Probleme, sagte der Polizeidirektor, der am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen worden war. Dabei fühle er sich "in keinster Weise als Held".

Nach den neuesten Entwicklungen würden nun wieder alle Informationen "geschüttelt und abgeglichen", hieß es aus der Passauer Polizei. "Die Kollegen dort machen eine engagierte und solide Arbeit", sagte Landespolizeichef Kindler der SZ. "Ich habe überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln."

Tatsächlich werfen die bisherigen Erkenntnisse im Fall Mannichl aber verschiedene Fragen auf: Der Täter soll laut Mannichl ein sehr auffälliges Muttermal haben, möglicherweise auch die Tätowierung, wie sie die Zeugen beschrieben haben. Zugleich beleidigte er den Polizeichef mit bayerischem oder österreichischem Akzent, bevor er ihm das Messer in den Bauch rammte. Die gut vernetzte bayerische und österreichische Polizei kennt jedoch keine Rechtsextremen mit den beschriebenen Tätowierungen.

"Es ist merkwürdig, dass man sich in Passau von Anfang an nur auf eine Tätergruppierung konzentriert hat", sagt ein Kriminaler, der außerhalb der Soko arbeitet. Dass ein Mann mit einer angeblich derart auffälligen Tätowierung immer noch nicht gefunden sei oder vor der Tat aufgefallen sei, lasse nur zwei Schlüsse zu: Entweder stamme er nicht aus der bayerischen Extremisten-Szene - oder es handle sich nicht um einen Rechtsradikalen.

In der Soko verteidigt man sich unterdessen mit dem Hinweis, man habe stets in alle Richtungen ermittelt. Die frühe Festlegung der Politik auf einen rechtsextremen Täter erschwere jedoch die Arbeit.

Als unprofessionell werden in Münchner Polizeikreisen die Umstände gewertet, unter denen die Festnahme des rechtsradikalen Münchner Paares Sabrina und Manuel H. in München erfolgte: Eine Sondereinheit brachte die 22-Jährige und ihren 33-jährigen Mann am Dienstag ins Münchner Polizeipräsidium zur Vernehmung.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch teilte noch am Abend der Lokalzeitung die Festnahme der Verdächtigen mit. "Da der Täter noch flüchtig war, war er spätestens nach Verbreitung dieser Meldung gewarnt", schimpft nun ein Münchner Ermittler. Unterdessen bestätigte der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD), die NPD habe für den 3. Januar eine Kundgebung mit dem Titel "Gegen polizeiliche Willkür und Medienhetze" angemeldet. Die Stadt will ein Verbot prüfen lassen und notfalls eine Gegendemonstration veranstalten.


(SZ vom 24.12.2008/liv)

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