Zivilcourage gefordert – Kritik an wikipedia

Presse

SPD: „Offensiv gegen Rechtsradikale vorgehen“

Der SPD- Ortsverein Stadtmitte beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung vor allem mit dem Thema Rechtsextremismus. Auslöser war ein Vorfall in der Karmelitenstraße. Junge Männer sangen dort vor einer Kneipe antisemitische Lieder und grölten Nazi- Parolen.

„Es darf nicht sein, dass in Würzburg Passanten an solchen Leuten vorbeilaufen und das nicht der Polizei melden. Nur ein Anwohner hat den Vorfall auf Video aufgenommen und sofort die Polizei gerufen. Wir brauchen mehr Zivilcourage wie diese“, so Marco Schneider, stellvertretender Vorsitzender der Würzburger SPD.

Mit einer Podiumsdiskussion will der Ortsverein Stadtmitte das Thema Rechtsextremismus in Würzburg wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. „Nazis dürfen nicht mehr hoffähig werden in unserer Gesellschaft. Auch nicht durch die Hintertüre“, so Schneider. Vielmehr müsse die breite Öffentlichkeit „offensiv gegen Rechtsradikale vorgehen“. Ein Beispiel für den zu laxen Umgang mit der NS- Zeit und ihren Folgen wurde in der Sitzung auch diskutiert: der Eintrag über Würzburg im Internet- Lexikon wikipedia.de. „Dort stehen unter der Rubrik Söhne und Töchter der Stadt Nazis wie Gottfried Feder (Wirtschaftstheoretiker der NSDAP), Roderich Fick (u.a. SS- Architekt), SS- Männer wie Oskar Dirlewanger und Emil Popp, sowie verurteilte Kriegsverbrecher wie Ernst Jodl in einer Reihe mit Opfern der Nazis. Das ist geschmacklos und wirft auch kein gutes Licht auf unsere Stadt“, so Schneider.

Die Auflistung „Söhne und Töchter der Stadt“ enthält laut Lexikoneintrag eine „Übersicht (über) bedeutende, in Würzburg geborene Persönlichkeiten“. „Wir wollen nicht, dass unsere Stadt sich im Internet mit Nazi- Verbrechern schmücken muss und haben daher die wikipedia- Betreiber aufgefordert, künftig genauer zu kontrollieren, was auf ihren Seiten geschieht“, so Schneider. „Natürlich muss man aus Chronistenpflicht auch diese Personen auflisten bzw. vermerken. Nur sollte das nicht in einem Kapitel geschehen, das mit der Überschrift „Söhne und Töchter der Stadt“ eindeutig positiv besetzt ist“, ergänzt Schneider. „Das könnte man am Ende als Leser so verstehen, als sei unsere Stadt stolz auf diese Söhne. Und das ist sie eben nicht.“

Auch Oberbürgermeister Georg Rosenthal wurde gebeten, den Internet- Eintrag mit Hilfe seiner Pressestelle genauer unter die Lupe zu nehmen. „Denn wer weiß, wie viele Fehler und Geschmacklosigkeiten noch im Artikel stehen“, gibt Schneider zu bedenken. Die Nutzer würden oft keinen Unterschied machen zwischen offiziellen Internetseiten und Einträgen wie bei wikipedia, die von Laien geschrieben werden.

 
 

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