Auszüge
aus "Zeugen aus der Todeszone"
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Das erste Zentrum der totalen Vernichtung und "Auswertung" der
Juden in Auschwitz war das alte Krematorium, in dem unter der Aufsicht von
SS-Oberscharführer Walter Quakernack ... seit 1940 die Toten des Lagers
verbrannt wurden. Diese Arbeit verrichtete das so genannte
Krematoriums-Kommando, das im September 1940 aus nicht mehr als drei
Häftlingen bestand, die man al "Heizer" für die Bedienung der
Öfen angelernt hatte. Der Kapo des Krematoriums-Kommandos war seit Juni
1941 der polnische Häftling Mieczyslaw (Mietek) Morawa. ... Als ab Herbst
1941 das Alte Krematorium mit der ersten in Auschwitz installierten
Gaskammer nicht mehr nur der Lagerung und Verbrennung von Leichen, sondern
auch der systematischen Massentötung diente, fielen neue schreckliche
Aufgaben an, die von den wenigen Heizern nicht bewältigt werden konnten.
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In den Anfangsmonaten der Massenvernichtung bildete die SS daher
zusätzliche Arbeitskommandos aus jüdischen Häftlingen, die nur
anlässlich von Vernichtungsaktionen im Alten Krematorium eingesetzt wurden.
... Neben einer Gruppe von drei jüdischen Heizern war das erste bekannte
Arbeitskommando dieser Art das nach seinem Vorarbeiter Fischl benannte
"Fischl"-Kommando. Dieses ... wurde Anfang Juni 1942 mit den
Heizern ... unter Kapo Morawa vereinigt. ... Die nicht-jüdischen Heizer -
drei Polen - waren getrennt von den Juden des Fischl-Kommandos
untergebracht, die wie alle Juden im Lager und wie die Häftlinge der
Strafkompanie unter verschärften Bedingungen im isolierten Block 11 leben
mussten. ... Die einzelnen Arbeitsaufgaben des Krematoriums-Kommandos
bestanden darin, die Ermordeten aus der Gaskammer zu schleppen, sie zu
entkleiden, ihre zurückgelassene Habe zu sortieren, die Leichen zu den
Öfen zu tragen und sie zu verbrennen. ... war die SS bestrebt, die genauen
Vorgänge bei den Massenvergasungen geheim zu halten.
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Im Mai 1942 wurde [der Überlebende Filip Müller] zur Arbeit im Alten
Krematorium eingeteilt und gehörte bis 1945 zu den Häftlingen, die von der
SS gezwungen wurden, die Körper der Ermordeten zu beseitigen. Zuerst wurde
er im Alten Krematorium eingesetzt, später musste er in den Krematorien von
Auschwitz-Birkenau arbeiten.
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Was Filip Müller in dem Moment durchlitt, als SS-Unterscharführer Hans
Stark ihn zum ersten Mal dazu zwang, die vergasten Menschen zu entkleiden,
lässt sich als "Zugangsschock" bezeichnen.
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So begann für Filip Müller die Arbeit im "Fischl-Kommando", zu
dem sieben jüdische Häftlinge gehörten. ... Die Häftlinge ...
entkleideten zuerst die Ermordeten. Dann schleppten sie die Leichen in den
Verbrennungsraum. ... Das Fischl-Kommando lebte völlig isoliert in der
Zelle Nummer 13 im Häftlingsblock 11. Durch ihre Arbeit im Krematorium
waren sie zu Geheimnisträgern geworden, deshalb wurde jeglicher Kontakt mit
anderen Häftlingen unterbunden. Aus diesem Grund entfiel für das
Fischl-Kommando auch der morgendliche gemeinsame Zählappell mit den
übrigen Gefangenen des Blocks 11.
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So mussten Filip Müller und die anderen Männer [des Fischl-Kommandos] nun
nicht mehr außerhalb ihrer Arbeitszeiten im Krematorium isoliert in ihrer
engen Zelle sitzen, sondern durften ab und zu im Hof des Blocks 11 frische
Luft schnappen.
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Die tägliche Lebensmittelration für einen Häftling enthielt ca. 1300-1700
Kalorien ...Im Spätsommer 1942 starb Fischl an Typhus ... Von da an
unterstanden Filip Müller und die anderen Häftlinge seiner Gruppe
unmittelbar Mietek Morawa ... Morawa war kein Jude ... Während die zwei
nicht-jüdischen Polen Jozef Ilczuk und Waclaw Lipka, die als Heizer im
Kommando arbeiteten, von den brutalen Attacken des Kapos verschont blieben,
...
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Als "Ersatz" für zu Tode geprügelte, an Krankheiten gestorbene
oder an Entkräftung zugrunde gegangene Häftlinge kamen im November 1942
auch Stanislaw Jankowski und zwei weitere jüdische Häftlinge in das
Krematoriums-Kommando. Damit arbeiteten zu dieser Zeit neun Juden im Alten
Krematorium.
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"Im November 1942 meldete sich bei mir [Jankowski] ein Schreiber vom Arbeitsdienst
mit Namen Wiktor, und fragte mich, ob ich nicht als Ziviler in der Fabrik
"Bata", ungefähr 200 km von Auschwitz entfernt, arbeiten wolle.
Natürlich hatte ich Interesse, und zusammen mit neun anderen Juden von
starkem Körperbau, führte man mich zum Arzt, der uns untersuchte. Danach
brachte man drei von uns in die Blockführerstube, und dort erhielt ich
meine Zuteilung zur Arbeit im Krematorium." ... Am 9. Dezember 1942
erklärte man ihm [Shlomo (szlama) Dragon], er werde von nun an in einer
Gummifabrik eingesetzt. Kurze Zeit später musste er bei der Verbrennung
vergaster Menschen helfen.
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Es ist davon auszugehen, dass das Alte Krematorium im Spätsommer und Herbst
des Jahres 1942 ein Schauplatz des Massenmords blieb. Allerdings fanden zu
dieser Zeit wahrscheinlich kaum noch Vergasungen statt, denn im Mai und Juli
1942 hatte Höß [Lagerkommandant] erst zwei und dann noch einmal vier
weitere Gaskammern auf dem Gelände des ehemaligen Dorfes Birkenau in
Betrieb nehmen lassen.
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Im Februar 1943 wurde das Arbeitskommando im Alten Krematorium plötzlich
erheblich vergrößert. Zu dieser Zeit bestand es lediglich aus sieben Juden
- darunter Stanislaw Jankowski - und drei Polen, zu denen auch Kapo Mietek
Morawa gehörte. Nun kamen 20 junge jüdische Männer als Neuzugänge. Einer
von ihnen war ... Henryk Tauber. Er gehörte zu denjenigen, die die Arbeit
in den Krematorien überlebten ... Die SS bezeichnete von da an das schon
länger im Alten Krematorium eingesetzte Kommando als Krematoriums-Kommando
I". Die Gruppe der 22 neuen Häftlinge erhielt den Namen
"Krematoriums-Kommando II". Einen Monat lang - bis zum 4. März
1943 - blieb das Krematoriums-Kommando II im Alten Krematorium. In dieser
Zeit durchliefen die Häftlinge eine Art "Lehre". Ihr zukünftiger
Einsatzort, so plante es die SS, sollten die großen, neuen Krematorien in
Auschwitz-Birkenau sein, von denen das erste am 31. März fertig gestellt
wurde.
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Doch von den 22 starken jungen Männern, die für das Krematoriums-Kommando
II ursprünglich ausgesucht worden waren, überlebten nur zwölf die
"einmonatige "Lehrzeit". Am 4. März 1943 wurden diese zwölf
Häftlinge - unter ihnen Henrik Tauber - nach Birkenau verlegt. Begleitet
wurden sie von Kapo Mietek Morawa. Im Juli 1943 wurden die Öfen des
Alten Krematoriums schließlich endgültig stillgelegt. Die Häftlinge, die
noch als Bedienungsmannschaft dort zurückgeblieben waren - zwei Polen und
sechs Juden - darunter auch Stanislaw Jankowski - wurden ebenfalls nach
Birkenau verlegt ...
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Dazu kam, das das Alte Krematorium ursprünglich und vorrangig für die
Einäscherung der zahllosen Lagertoten bestimmt war.
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Auch im Hinblick auf die Geheimhaltung der Vergasungen war das Alte
Krematorium aus Sicht der SS auf Dauer als Vernichtungsstätte ungeeignet.
Beispielsweise waren die Todesschreie der Opfer in der Gaskammer so laut,
dass sie noch im gegenüberliegenden SS-Lazarett sowie in den angrenzenden
Werkstätten und Büros, in denen auch Häftlinge arbeiteten, zu hören
waren. ... Lagerkommandant Höß traf daher vermutlich im März 1942 die
Entscheidung, das Zentrum für die Vernichtung der Juden so schnell wie
möglich nach Auschwitz-Birkenau zu verlegen. ... In dem Dorf Brzezinka
(Birkenau) fand Höß .. ein einfaches, typisches Bauernhaus. ... in eine
Vergasungsanlage umbauen, um es schließlich im Mai 1942 unter der
Bezeichnung "Bunker 1" in Betrieb zu nehmen.
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Wahrscheinlich Ende August oder Anfang September 1942 .. errichtete man
neben der Scheune zwei große Baracken, die von da an als Auskleideräume
für die Opfer dienten. .. Die Lagerkommandantur erließ am 12. August 1942
einen Sonderbefehl ... dass insbesondere beim Öffnen der vergasten Räume
von SS-Angehörigen ohne Maske wenigstens 5 Stunden hindurch ein Abstand von
15 Metern von der Kammer gewahrt werden muss.
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Wie schon bei Bunker 1 entschloss man sich erneut, ein ehemaliges Bauernhaus
... als Vernichtungsstätte zu nutzen. Das Haus ... befand sich etwa 8oo m
von Bunker 1 entfernt. Nach der Vergasung wurden die zwei Türen jeder Kammer
geöffnet, so dass der entstehende Durchzug für eine schnelle Belüftung
sorgte. .. Später beschleunigte man die Räumung der Gaskammern .. noch
dadurch, dass man die dafür eingeteilten Häftlinge mit Gasmasken
ausstattete.
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Wie schon im Alten Krematorium setzte die SS auch bei den Bunkern jüdische Häftlinge für die schreckliche Arbeit der
Leichenbeseitigung und "Verwertung" der vergasten Menschen ein. Sie lebten ebenfalls in isolierten Häftlingsblocks,
Kontakte mit Häftlingen aus anderen Kommandos waren nahezu unmöglich. Als unmittelbare Zeugen der Massenvernichtung
galten sie für die SS als "Geheimnisträger", die regelmäßig ermordet und durch neue Häftlinge ersetzt werden sollten.
Doch im Sinne der Effizienz des Vernichtungsprozesses war der SS daran gelegen, die bei der Massenvernichtung
"eingearbeiteten Fachkräfte" zunächst leben zu lassen,
länger als ursprünglich von den verantwortlichen Stellen beabsichtigt. Eine vollständige Liquidation dieser Gruppe fand erst nach
sieben Monaten im Dezember 1942 statt. Von den Häftlingen, die zwischen Mai
und Dezember zur Arbeit bei den Bunkern und Massengräbern gezwungen worden waren, sind - soweit bekannt - nur zwölf Männer
der totalen Liquidation des Arbeitskommandos entronnen. Das
gelang ihnen, indem sie geistesgegenwärtig eine jeweils günstige Situation ausnützten, um in ein anderes Kommando zu gelangen.
... Erstmals tauchte in Bezug auf diese besondere Gruppe von Arbeitssklaven
nun auch der Begriff "Sonderkommando" auf. ... Das bis zu fünfzig
Häftlinge pro Bunker zählende und direkt an den Gaskammern eingesetzte
Arbeitskommando wurde von Anfang an als Sonderkommando bezeichnet. ... Seit
Mai 1942 waren 150 bis 200 jüdische Häftlinge ... permanent beim Ausheben
von weiteren Massengräbern eingesetzt.
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Im Juli und September wurde das Arbeitskommando ... auf zirka 400 Mann
verstärkt. ... Einer von denen zu dieser Arbeit Gezwungenen war der 1913 geborene
Arnost (Ernst) Rosin. ... Durch Bestechung eines Funktionärshäftlings gelang es ihm allerdings schon nach wenigen Tagen, einem anderen
Kommando zugeteilt zu werden. [Rosin beschrieb] ... Zwei Wochen später
wurden nach dem Abendappell 200 kräftige Männer aus unserem Transport
ausgewählt und zu einer isolierten Baracke gebracht. ... Der SS-Mann
erklärte ... wir seien für das Sonderkommando ausgewählt. Was dies
bedeutete, wurde uns erst am nächsten Tag klar, als wir von unserem etwa 2
km entfernten Arbeitsort in Birkenau ankamen.
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Samuel Hejblum arbeitete 14 Tage lang im Sonderkommando. Schließlich gelang es ihm, einer anderen Häftlingsgruppe - der sogenannten
Maurerschule - zugeteilt zu werden. ... Auch André Balbin, der am 27. Juni 1942 mit einem französischen
RSHA-Transport aus Pithiviers in Auschwitz eingetroffen war und etwa drei Wochen lang
im Begrabungskommando arbeiten musste, überlebte. Er rettete sein
Leben, indem er in das Elektrikerkommando wechselte, wo bessere Bedingungen herrschten. Das war jedoch nur
möglich, weil der
Kapo des Elektrikerkommandos einen besonders schwachen Häftling zwang, das Kommando zu verlassen.
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Insgesamt betrug die Stärke des Häftlingskommandos, das direkt an den Bunkern
und Gruben eingesetzt war, im September 1942 etwa 400 Mann.
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In der Nacht trieb der Wind den unerträglichen Qualm dicht über die Erde hin. Auf der betreffenden Seite hielt es kein Posten
aus. Diesen Umstand hatten sich zwei Häftlinge zu Nutze gemacht, die wussten, dass sie nur
noch etwas zu gewinnen, aber nichts mehr zu verlieren hatten, und waren im Schutze des Qualms von der Brandstelle in den dicht angrenzenden Wald gesprungen.
Ihr Fehlen fiel erst anlässlich einer zwei Stunden später durchgeführten Zählung auf. Mehrere Häftlinge wurden als Zeugen vernommen, eine
großangelegte Suchaktion wurde gestartet, aber umsonst, die Häftlinge waren entkommen. Der Kommandant tobte. Wie sollte man
das dem Reichsführer beibringen?
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Häftlinge, deren Flucht aus dem Sonderkommando scheiterte, wurden nach ihrer Ergreifung
ihrer Ergreifung in den Keller von Block 11 in Auschwitz gesperrt.....
Ende November, nachdem alle Massengräber beseitigt waren, überlegten Grabner
und Höß, ob nicht das gesamte Sonderkommando - also sowohl die Häftlinge, die an den
Gruben bei der Exhuminierung und Verbrennung gearbeitet hatten, als auch
diejenigen, die seit Mai permanent an den Bunkern 1 und 2 eingesetzt wurden - aufgrund der Fluchtversuche umgebracht werden sollte. Die
Herren kamen jedoch zu dem Schluss, vorerst alles beim Alten zu belassen, da die Häftlinge
"eingearbeitet" waren und die Aufstellung eines neuen Sonderkommandos den Ablauf des Massenmords gestört hätte.
... In den frühen Morgenstunden des 7. Dezember 1942 flohen die Häftlinge Ladislaus Knopp und Samuel Culea aus dem Sonderkommando und blieben zunächst - trotz verstärkter
Fahndung - unauffindbar. Vermutlich als Reaktion auf diese Flucht beschloss die Lagerleitung die totale Liquidierung des Sonderkommandos.
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Diese Aktion war die Vergasung des gesamten Birkenauer Sonderkommandos, die die SS am 9. Dezember durchführen wollte.
An diesem Tag ließ man das Sonderkommando nicht zur Arbeit an den Bunkern und Verbrennungsgruben ausrücken,
sondern riegelte den Block, in dem die Männer untergebracht waren, ab. Trotzdem gelang es sechs Häftlingen zu fliehen.
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... das Sonderkommando ... war damals 300 Mann stark. ... Die letzten
überlebenden Männer des Sonderkommandos wurden. ... in das Alte
Krematorium nach Auschwitz getrieben und dort in der vorher geräumten
Leichenhalle vergast.
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Noch am Abend des 9. Dezember, also etwa zu der Zeit, als die Leichen der Männer des ersten Sonderkommandos in den Öfen des Alten
Krematoriums zu Asche verbrannten, wählte SS-Hauptscharführer Otto Moll etwa 300 jüdische Männer aus gerade
eingetroffenen Transporten aus, damit sie an die Stelle ihrer Vorgänger treten konnten.
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Im am 9. Dezember aufgestellten Sonderkommando erhielt den Posten des Blockältesten .. der Franzose Serge Szawinski.
..Über Szawinski, der seine Funktion als Blockältester des Sonderkommandos bis Januar 1945 ausübte, existieren sehr unterschiedliche Einschätzungen.
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Am Morgen des 10. Dezember führte SS-Hauptscharführer Otto Moll das neue Sonderkommando persönlich zu den Bunkern.
Die Gruppe wurde von etwa 15 SS-Leuten mit Hunden streng bewacht. Diese Bewachung unterband jeden Kontakt zwischen den Häftlingen des Sonderkommandos
und anderen Gefangenen, auch schon auf ihrem Weg von Block 2 zum Tor des Lagers Birkenau. Bis zu den
Bunkern musste dann ein Fußmarsch von etwa 1,5 km am Wald entlang zurückgelegt werden.
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Bis zum Frühjahr 1943 litten Eliezer Eisenschmidt, Shlomo Dragon, Abraham Dragon und ihre Gefährten
[Häftlinge im 2. Sonderkommando] bei den Bunkern 1 [dieses Gebäude,
genannt "rotes Haus", wurde Ende 1942 abgebrochen] und 2 [genannt
"weißes Haus", ab Mai 1944 "Bunker V"] unter extrem schlechten
Arbeitsbedingungen.
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Die Häftlinge des Sonderkommandos waren nach über vier Monaten Einsatz bei den Bunkern in ihre speziellen Aufgaben "eingearbeitet". Das erklärt, warum man ab Frühjahr 1943 diesen Häftlingen bessere Lebensbedingungen einräumte.
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Die erhalten gebliebenen Unterlagen der Zentralbauleitung zeigen allerdings, dass die SS nicht unbedingt von Anfang an daran dachte, in den neuen Krematorien die
Ermordung und Verbrennung der Opfer unter einem Dach zu vollziehen. .... Das heißt, man plante wohl nicht sofort Gaskammern ein, aber man plante Räume, die
alle Voraussetzungen erfüllten, um sie bei Bedarf in Gaskammern umzuwandeln.
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Am 5. oder 6. März [1943] stieß der deutsche Häftling August Brück zu der Bedienungsmannschaft im Krematorium I. Brück ....kam aus dem Konzentrationslager Buchenwald. Dort hatte man ihn als Facharbeiter im Krematorium eingesetzt. In
Auschwitz übertrug die SS ihm die Aufgabe des Oberkapos für das Sonderkommando in den vier Krematorien von Birkenau.
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Die ursprünglich etwa 300 Häftlinge des [zweiten] Sonderkommandos wurden in den Monaten März bis Juni gruppenweise von ihren bisherigen Einsatzorten bei den Bunkern und im
Alten Krematorium abgezogen und den vier neuen Krematorien in Birkenau zugeteilt, ...Am 4. März 1943 ... selektierte die SS hundert jüdische Männer
aus einem RSHA-Transport .... für die Arbeit am Bunker. Zu [diesen] gehörte auch Chaim Herman, der im November 1944 ermordet wurde.
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Ab dem 4. März 1943 gehörten etwa 400 Häftlinge zum Sonderkommando - eine Zahl, die bis Februar 1944 konstant
blieb. ...änderte sich immer wieder die individuelle Zusammensetzung der Gruppe, da viele Sonderkommando-Häftlinge an
Krankheiten starben oder ermordet wurden. Häftlinge, die aufgrund ihrer Entkräftigung oder durch Krankheit nicht
mehr in der Lage waren, die harte Arbeit in den Vernichtungsanlagen zu verrichten, wurden in einer eigenen "Krankenstube" isoliert.
... Daher hatte das Sonderkommando ein eigenes Lazarett innerhalb des Isolierblocks, in dem man zur Behandlung der Kranken
schon seit Januar 1943 Häftlinge einsetzte, die eine Ausbildung als Pfleger oder Arzt hatten.
Ab Frühjahr 1943 übernahm Dr. Jacques Pach, ein jüdischer Arzt aus Paris, diese Aufgabe. Im November 1944 wurde er von der SS ermordet.
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Die Medikamente aus der Apotheke des Sonderkommando-Arztes kamen jedoch nicht nur den in den Krematorien arbeitenden
Männern zugute, sondern Dr. Pach sorgte auch dafür, dass ein Teil davon aus der Todeszone geschmuggelt wurde, um damit
Häftlinge im Lager zu behandeln. ... Wenn sich die Stärke des Sonderkommandos durch Todesfälle zu sehr reduziert hatte, selektierte die SS aus ankommenden Transporten, aber auch unter den Häftlingen
in anderen Kommandos ...neue Arbeitssklaven für die vier Krematorien.
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Die Neuzugänge wurden, ... in die isolierte Häftlingsbaracke des Sonderkommandos geführt. Bis zum 12. Juli 1943 war das der Block 2 des Lagerabschnitts B Ib.
... Am 12. Juli 1943 wurden die jüdischen Häftlinge des Sonderkommandos ...in Block 13 - im neu errichteten Männerlager in Lagerabschnitt B IId überstellt,
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Im Fall des Sonderkommandos waren neben vier weiteren Häftlingen die Brüder Abraham und Shlomo Dragon als Stubendienst eingesetzt. Sie putzten, machten die Betten
und holten für alle Häftlinge des Blocks die tägliche Portion Suppe und Brot aus der Lagerküche. ...
Morris Kesselman, der 1944 als 17-jähriger von der SS dem Sonderkommando zugeteilt wurde, war als jüngster Häftling des Kommandos
ebenfalls häufig für den Gang in die Lagerküche zuständig.... "Wir Häftlinge gingen immer zu viert und transportierten
die Suppenkessel und das Brot auf einem Karren."
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Da der holländische SS-Mann die ganze Zeit bei uns war, wurden wir nicht durchsucht, wenn wir das Lager verließen.
... "Darf ich das Brot hinüber in das Frauenlager werfen? O.K., antwortete er, du marschierst vor und wirst das Brot los! Die anderen haben mir dann geholfen.
Wir nahmen das Brot und warfen es über den Zaun in das Lager der Frauen. ... Die nicht-jüdischen Häftlinge des Sonderkommandos wurden - wie schon bei der Belegschaft des Alten Krematoriums üblich -
von den jüdischen Häftlingen getrennt. Die SS brachte diese Männer nicht in Block 13, sondern in Block 2 unter.
Dieser so genannte "Prominentenblock" war nicht isoliert, die Häftlinge konnten sich außerhalb ihrer Arbeitszeiten frei im Lager bewegen. In Block 2 lebten unter anderem
die polnischen Kapos des Sonderkommandos Mieczyslav Mietek Morawa, Waclaw Lipka und Jozef Ilczuk. Der Oberkapo August Brück lebte ... in einem Block, der ausschließlich
für reichsdeutsche Häftlinge reserviert war.
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August Brück starb am 27. Dezember 1943 an Fleckfieber. Zu seinem Nachfolger als Oberkapo für die Krematorien I und II bestimmte
die SS im April 1944 Karl Konvoent, einen reichsdeutschen Häftling, der aus dem Konzentrationslager Majdanek nach
Auschwitz überstellt wurde und wie Brück Facharbeiter im lokalen Krematorium gewesen war.
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Diese benachbarte Waschbaracke sowie eine gegenüberliegende Baracke mit Latrinen durften von den Sonderkommando-Häftlingen
außerhalb der kurzen morgendlichen und abendlichen Öffnungszeiten für die übrigen Häftlinge aus den benachbarten Blöcken
frei genutzt werden. Dieser unbeschränkte Zutritt zu Latrinen und Waschgelegenheiten ... war in Birkenau eine absolute Ausnahme.
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Zur gleichen Zeit [11. April 1944] bestand das Sonderkommando nur noch aus etwa 200 Häftlingen, denn am 24. Februar 1944
waren 200 Sonderkommando- Häftlinge in das Konzentrationslager Majdanek überstellt worden. ... Deshalb wählte die SS aus der Gruppe der griechischen Juden, die gerade
aus der Quarantäne entlassen worden waren, 150 bis 200 Männer aus und brachte sie in den isolierten Block 13, die
Unterkunft des Sonderkommandos. Einige der Männer wurden in dem ebenfalls isolierten Block 11 untergebracht. Zu [diesen]
griechischen Juden gehörten unter anderem Shlomo Venezia, Jaakov Gavbai, Leon Cohen, Shaul Chasan und Josef Sackar.
Gemeinsam mit sechs weiteren Männern bildeten sie die kleine Gruppe der griechischen Sonderkommando-Häftlinge,
die das Kriegsende erlebten.
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Mit diesen neu [am 21. Mai 1944] hinzugekommenen [250] ungarischen Häftlingen setzte die SS nun insgesamt etwa 900 Männer in den Krematorien
und an Bunker V bei der Massenvernichtung ein.
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Morris Kesselman musste an seinem ersten Tag im Sonderkommando an den Gruben bei Bunker V arbeiten
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Allerdings gibt es auch Berichte von überlebenden Sonderkommando-Häftlingen, die den Schluss zulassen, dass die SS es
manchmal sogar offiziell gestattete, jüdische Feiertage einzuhalten... Jaacov Gabai beschreibt die Feier von "Jom Kippur" in den Krematorien von Birkenau:
"Ich erinnere mich, dass "Jom Kippur" auf den Vierten des Monats Oktober 1944 fiel. Montagabend sah ich, wie die
polnischen Juden im Sonderkommando alles vorbereiteten - Thorarolle, Gebetbücher usw. Die Deutschen gaben uns frei, und wir beteten."
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...denn wenn alle russischen Kriegsgefangenen, die als Häftlinge im Sonderkommando
arbeiteten, für die SS als Nicht-Juden galten, ... dann ist es möglich, dass die
gesamte Gruppe nach ihrer Ankunft in Auschwitz in Block 2 des Birkenauer Männerlagers B IId, dem sogenannten "Prominentenblock" untergebracht wurde.
Damit hatten sie ... mehr Bewegungsfreiheit und konnten Kontakte zu der schon in Birkenau aktiven russischen Widerstandsgruppe und zum allgemeinen Lagerwiderstand knüpfen.
... So konnten Nachrichten zwischen den Russen aus dem Sonderkommando und der russischen Widerstandsgruppe über die Lagerküche in Birkenau ausgetauscht werden,
wo zahlreiche russische Kriegsgefangene arbeiteten. Da verschiedene Sonderkommando-Häftlinge regelmäßig aus der Lagerküche
die Essenration für das Sonderkommando abholten, konnten auf diese Weise die Kontakte aufrecht erhalten werden.
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Die Russen waren - schon aus sprachlichen Gründen - innerhalb des Sonderkommandos sicherlich eine relativ isolierte Gruppe.
Dazu kam, dass sie als Kriegsgefangene auf einem besonderen Status bestanden. Shlomo Dragon erinnerte sich zum
Beispiel daran, dass sich die in Birkenau gefangenen russischen Soldaten weigerten, ihre Uniformen abzulegen. ...
Filip Müller arbeitete zu dieser Zeit häufig für den Leiter der Krematorien, SS-Oberscharführer Voss, als Leibbursche.
Diese Position eröffnete ihm größere Bewegungsfreiheit. So konnte er - wenn er für Voss Aufträge erledigte - die isolierte Unterkunft des Sonderkommandos verlassen. Seine Botengänge
nutzte er dann als Vorwand, um die Schlosserei [des Lagers Auschwitz-Birkenau] aufzusuchen und sich mit seinen Landsleuten
... zu treffen.
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Ab etwa Ende 1943 entwickelte sich so ... eine dauerhafte Verbindung zwischen dem Sonderkommando in der isolierten Todeszone
und dem Lager.
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Die Übergabe des Sprengstoffs an das Sonderkommando fand vermutlich in der Bekleidungskammer [am Rand des Birkenauer Frauenlagers] statt. Das war ein für diesen Zweck günstiger Ort, da es immer wieder
vorkam, dass Sonderkommando-Häftlinge dort Kleidungsstücke aus den Krematorien abliefern mussten oder zur Verbrennung bestimmte
Kleidung abholten. Natürlich wurden sie dabei von SS-Angehörigen begleitet, doch konnten diese unter anderem durch gezielte Bestechung dazu veranlasst werden,
die Bewachung zu lockern. Wahrscheinlich übergab Roza Robota [arbeitete in der Bekleidungskammer] den Sprengstoff dem Sonderkommando-Häftling
Jukel Wrobel, doch wird auch überliefert, dass die Kapos Welbel und Kaminski das Material in Empfang nahmen.
Kaminski versuchte auch aus persönlichen Gründen die Bekleidungskammer so oft wie möglich aufzusuchen, da er dort eine Freundin hatte. Das war keine Ausnahme -
insbesondere einige der schon länger dem Sonderkommando zugeteilten Häftlinge hatten im Laufe der Zeit Beziehungen mit Kameradinnen aus dem direkt gegenüber von Krematorium I liegenden Frauenlager angeknüpft.
Einige verschafften sich durch Bestechung die Möglichkeit, in das Frauenlager zu gelangen, um dort ihre Freundinnen zu treffen.
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Durch Bestechung erlangte Zabludowicz außerdem das Privileg, nicht arbeiten zu müssen und sich tagsüber frei im Lager
bewegen zu können. Unter dem Vorwand, er wäre Elektriker und müsse Reparaturen ausführen, wurde Zabludowicz Zugang zu
den Vernichtungsanlagen verschafft.
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Im August 1944 gelang es der Widerstandsgruppe des Sonderkommandos ... Fotos aufzunehmen und aus der Todeszone zu schmuggeln.
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Der Grund für die Einrichtung eines Familienlagers und die privilegierte Behandlung seiner Insassen lässt sich nicht
endgültig klären. ...dass die Häftlinge des Familienlagers Postkarten an Freunde und Verwandte senden durften - auch ins Ausland.
... Es gelang ihm [Fredy Hirsch aus Aachen im Frühjahr 1944], für etwa 500 Kinder einen eigenen Kinderblock und eine Schule
einzurichten.... Der Kinderblock entwickelte sich zu einer Attraktion und wurde häufig von SS-Angehörigen aufgesucht, die sich von den
Kindern Theaterstücke vorführen ließen.
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Aus ihrer [der Widerstandsgruppe des Sonderkommandos] Perspektive war es außerordentlich wichtig, der Nachwelt
ihre eigenen, ungefilterten Überlieferungen aller Vorgänge in den Vernichtungsanlagen zu hinterlassen. ... beschlossen die Männer,
eigene Aufzeichnungen auf dem Gelände der Krematorien zu vergraben. ... Die einzelnen Handschriften ergänzten einander
und sollten zusammen eine umfassende Sammlung bilden, die die Innenperspektive der Todeszone überlieferte und testamentarische
Bedeutung hatte. Schon seit spätestens Ende 1943 arbeiteten die Chronisten Lejb Langfuß, Salmen Gradowski und Salmen Lewenthal .. an exakten Aufzeichnungen
über den Massenmord.
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Unterstützung erhielt Gradowski von dem jüdischen Häftling Jaacov Freimark, der im Kanada-Kommando arbeitete.
Freimark stammte aus der gleichen Stadt wie Gradowski und unterhielt seit etwa Frühjahr 1943 einen regelmäßigen Kontakt mit ihm. Dazu nutzten sie die
Arbeitseinsätze, bei denen die Kleidung der in den Vernichtungsanlagen ermordeten Opfer abgeholt wurden, wozu Häftlinge des Kanada-Kommandos gelegentlich den Hof der Krematorien betreten durften.
Außerdem konnten sich Gradowski und Freimark in der Lagerküche treffen, wo sie für ihre Mithäftlinge regelmäßig die Essenration abholten. Bei einem ihrer Treffen bat Gradowski Freimark darum, für ihn Papier zu organisieren...
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Es kam [am 23. September 1944] zur zweiten Selektion im Sonderkommando. 200 Männer wurden ... unter dem Vorwand, das man sie in das Nebenlager Gleiwitz überstellen werde,
... ausgewählt.
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... in den ersten Tagen des Oktobers 1944, verkündigte die SS, dass erneut eine Gruppe von 300 Häftlingen des Sonderkommandos mit einem Transport das Lager verlassen müsse.
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"Vor Beginn des Aufstandes hatte ich in meiner Eigenschaft als Essenholer in dem Lagerabschnitt d statt der Mittagssuppe in dem Essenkübel Benzin gefasst. Insgesamt waren wir sechs Essenholer."
[Aussage von Dov Paisikovic, Häftling in Krematorium II]
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"Dann habe ich noch gesehen, dass das Krematorium [III] plötzlich
brannte". [Aussage Jehoshua Rosenblum, Sonderkommando-Häftling]
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Die um 13.50 Uhr im Stammlager Auschwitz alarmierten und jeweils 9 Mann starken Abteilungen I und II des Häftlings-Feuerwehrkommandos rückten kurz darauf aus, um den Brand im Krematorium III zu löschen.
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... überlebten alle 169 Häftlinge in Krematorium II den Aufstand. Allerdings nahm die SS Rache für das zerstörte Fahrrad.
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Am 10. Oktober 1944 erblieben somit im Sonderkommando nach insgesamt 198 Häftlinge, davon 154 Mann aus Krematorium II und 44 Mann aus Krematorium IV.
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Die Anstrengungen der SS, Spuren der Verbrechen zu verwischen, hingen unter anderem mit der von Churchill, Stalin und Roosevelt unterzeichneten Moskauer Erklärung vom 30. Oktober 1943
zusammen. In ihr hatten die Alliierten gedroht, nach dem Sieg über Deutschland jeden zur Verantwortung zu ziehen, der sich
an Verbrechen und Gräueltaten beteiligt hatte. Der Massenmord an den Juden wird in diesem Dokument zwar mit keinem Wort erwähnt
...
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Zwischen Ende Juni und Anfang September 1944 wurden die Konzentrations-Hauptlager Vaivara bei Reval in Estland, Kaunas in Litauen,
Majdanek bei Lublin in Polen, Riga-Kaiserwald in Lettland, Natzweiler-Struthof in den Vogesen und Herzogenbusch in den
Niederlanden liquidiert, ... Die SS bereitete die endgültige Aufgabe von Auschwitz in mehreren Etappen vor. Dazu gehörte,
dass man zwischen Juni und Oktober 1944 in mehr als 130 Evakuierungstransporten über 70 000 Häftlinge in Lager
im Inneren Deutschlands überstellte. ... Dreißig Häftlinge [des
Sonderkommandos] wurden vermutlich in Krematorium IV verlegt. Ihre Aufgabe bestand im Wesentlichen darin, die Leichen
der Opfer zu verbrennen, die im Lager aufgrund von Entkräftung, brutaler Gewalt oder an Krankheiten gestorben waren.
Ab dem 14. Oktober arbeitete eine Gruppe von Sonderkommando-Häftlingen auf dem Gelände des während des Aufstandes
abgebrannten Kramatoriums III, um die Ruine abzubrechen.
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Die Häftlinge des Sonderkommandos wurden in diesen Wochen nach dem Aufstand, bei dem die meisten ihrer Kameraden ermordet worden waren, von ihren Bewachern besonders schikaniert. .. So wurden
sie von ihren Peinigern beispielsweise dadurch gequält, dass man sie "Sport" treiben ließ ..
Am 6. November überstellte man daher alle im Krematorium II untergebrachten Häftlinge in das Lager, wo sie den isolierten Block 13 im Abschnitt B IId bezogen.
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Am 25. November ließ die SS die Häftlinge mit der Demontage von Krematorium I beginnen. .. Kulka musste als Häftling
des Schlosserkommandos beim Einladen der in Einzelteile zerlegten Öfen und anderen technischen Einrichtungen in Eisenbahnwaggons arbeiten.
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Am 1. Dezember 1944 wurde das bis dahin nur aus Sonderkommando-Häftlingen bestehende Abbruchkommando mit hundert weiblichen Häftlingen und einer unbekannten Zahl
von männlichen Häftlingen verstärkt. Erstmals arbeiteten von diesem Tag an Frauen in der Todeszone... Auch Filip Müller ...
traf dort auf eine ehemalige Schulkameradin. Am 5. Dezember verstärkte die Lagerleitung das Abbruchkommando um weitere fünfzig weibliche Häftlinge und stellte
zusätzlich ein so genanntes Gehölz-Abbruchkommando aus nochmals fünfzig weiblichen Häftlingen zusammen. Die Frauen mussten möglicherweise auch die
auf dem Gelände von Krematorium II noch verbliebenen Aschegruben öffnen, die Asche herausschaufeln, ...
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Am 5. Januar 1945 wurde das Sonderkommando von der SS zum letzten Mal verkleinert. An diesem Tag überstellte die Lagerleitung die fünf seit 1940, 1941 und 1943 im Sonderkommando
als Funktionshäftlinge und Heizer eingesetzten nicht-jüdischen Polen in das Konzentrationslager Mauthausen.
... Seit Mitte Januar lebte die Mehrheit der Sonderkommando-Häftlinge in Block 16 im Männerlager von Birkenau. Dieser Block war anders als die Blöcke 13 und 11, in denen die SS die Männer im November und Dezember untergebracht hatte - kein isolierter
Block.
Damit konnten sich die Häftlinge zum ersten Mal seit Bestehen des Sonderkommandos mehr oder weniger frei im Lager bewegen.
Am 14. Januar 1945 rückten die in Block 16 untergebrachten Sonderkommando-Häftlinge das letzte Mal zur Abbrucharbeit in die Todeszone aus. Am 17. Januar traten sie schließlich zum letzten Abendappell
im Lager an.
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Das Sonderkommando gab es von diesem Tag an nicht mehr. Bereits seit dem 26. November 1944 hatte diese Häftlingsgruppe mit
der Spaltung in Abbruch- und Krematoriumskommando ihre ursprüngliche Einheit und Funktion verloren,
nun löste sie sich vollständig auf. In kleinen Gruppen, in denen sich Verwandte oder Landsleute zusammengeschlossen hatten,
mischten sich die ehemaligen Sonderkommando-Häftlinge unter die Evakuierungskolonnen.
Die dreißig Männer, die im Krematorium IV bis zum 18. Januar 1945 bei der Verbrennung der Lagertoten eingesetzt worden
waren, verließen die Todeszone wahrscheinlich erst am Nachmittag desselben Tages. Im Lager herrschte völliges Chaos und so
gelang es auch Filip Müller und seinen Kameraden aus Krematorium IV, sich unter die Menschenmassen zu mischen.
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Wahrscheinlich traten hundert Zeugen aus der Todeszone den Evakuierungsmarsch an. Einhundert Überlebende von insgesamt über zweitausend Häftlingen, die zwischen 1942
und 1945 von der SS als Arbeitssklaven für den Massenmord in den Vernichtungsanlagen von Birkenau missbraucht worden waren.
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Insgesamt hatten 90 bis 95 Männer die Sklavenarbeit in den Vernichtungsanlagen von Birkenau überlebt, 85 von ihnen wurden
in Mauthausen befreit, während neun ehemalige Sonderkommando-Häftlinge während des Todesmarsches geflohen waren.
Zu diesen 90 bis 95 Männern kamen unter den befreiten Häftlingen noch 17 Männer, die 1942 an den Massengräbern und
Vergasungsbunkern im Einsatz gewesen waren und denen es frühzeitig gelungen war, der Sklavenarbeit im Sonder- oder Beerdigungskommando
zu entrinnen. Man kann folglich davon ausgehen, dass bis zu 110 Zeugen aus der Todeszone das Kriegsende überlebt haben.
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Henryk Tauber und Shlomo Dragon, die aus den Kolonnen des Todesmarsches geflohen waren,.... entschlossen sich wenige Wochen
nach dem Einmarsch der Russen [27. Januar 1945], in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz zurückzukehren.
Dort stellten sie sich als Zeugen zur Verfügung ... Shlomo Dragon fand darüber hinaus bei den Ruinen von Krematorium I die geheimen
Aufzeichnungen des Chronisten Salmen Gradowski und übergab sie den Vertretern der sowjetischen Untersuchungskommission.
... Am 8. Mai 1945 veröffentlichte die russische Untersuchungskommission einen Bericht mit dem Titel:
"Über die ungeheuren Verbrechen der deutschen Regierung in Auschwitz".
Verzeichnis der Sonderkommando- und Krematoriumskommando-Häftlinge 
Quelle:
dtv
2. Auflage April 2005