Von Tobias Kaufmann, 27.02.09, 12:21h, aktualisiert 27.02.09, 13:04h
Aus der Erklärung geht nichts hervor, was darauf hindeutet, dass Williamson tatsächlich davon überzeugt sein könnte, etwas grundlegend Falsches gesagt zu haben. Nicht nur aus moralischen Gründen, sondern weil es der Wahrheit widerspricht. Vielmehr hat er die Frechheit seiner Haltung, die mindestens eine unfassbare Unwissenheit verrät, noch einmal bekräftigt.
Er habe sich seine Meinung über den Holocaust "vor zwanzig Jahren aufgrund der damals verfügbaren Beweise gebildet". Williamson tut also so, als habe es Ende der achtziger Jahre keine anderen Informationen über die Vernichtung der europäischen Juden gegeben als die Schmierschriften kanadischer Holocaustleugner – die nämlich sind Williamsons Quelle. Nun mag der Brite Williamson während seiner Ausbildung weniger umfassend über das Dritte Reich und dessen "Endlösung der Judenfrage" informiert worden sein als es in Deutschland, dem Land der Täter, üblich ist. Aber die Nürnberger Prozesse sollten einem gebildeten Mann dann doch geläufig sein.
"Ungerechtigkeit im Dritten Reich"
Mit der Behauptung, das Thema sei "seitdem in der Öffentlichkeit kaum besprochen worden" setzt Williamson seiner Erklärung die Krone auf. In welcher Öffentlichkeit sich der Bischof während der vergangenen 20 Jahre aufgehalten hat, verrät er nicht - offenbar war er aber in einem tiefen Keller ohne Zeitungen, Radio, Fernsehen und Internet eingekerkert.
Es ist erstaunlich, wie viel unglaubwürdiges, gekünsteltes Blabla Williamson in eine so kurze Erklärung pressen kann. Er hätte die Aussagen nicht gemacht, wenn er "vorher gewusst hätte, welchen Schaden und Schmerz sie anrichten würden - besonders in der Kirche, aber auch für die Überlebenden und Verwandten der Opfer von Ungerechtigkeit im Dritten Reich", teilt der Bischof mit. Ja, was hat Williamson denn geglaubt? Dass die Hinterbliebenen und Verwandten von sechs Millionen Ermordeten in Jubel ausbrechen, wenn ihnen ein frisch in die katholische Kirche zurückgekehrter Bischof endlich mitteilt, dass die Toten gar nicht tot sind? Und dann die Formulierung "Ungerechtigkeit im Dritten Reich". Was soll das schon wieder sein? Bürger des eigenen Landes per Viehwaggon durch halb Europa zu karren, sie zu enteignen, zu erniedrigen, sie zu erschießen, zu vergasen, nicht ohne Unzählige von ihnen zuvor in medizinischen Experimenten bei lebendigem Leibe zu verstümmeln – wie kann ein Seelsorger, ein Mann Gottes, ein frommer Christ, diesen beispiellosen Massenmord mit dem Wort "Ungerechtigkeit" verharmlosen?
Bischof Richard Williamson ist ein Unverbesserlicher, ein Kauz und ein notorischer Lügner, der schon seit Jahren für antisemitische Verschwörungstheorien bekannt war. Jede Zeile über ihn wäre eigentlich zu viel – wenn er nicht durch die Hintertür in die offizielle Kirche zurückgekehrt wäre. Und jede Minute, in der dort bleiben darf, schadet dieser Kirche.